Von Sascha Klein

 „Crystal Meth und Cannabis – das ist so Hoyerswerda-Standard“, sagt Jan Janovic. Diese Mischung tauche auch in der Region bei Drogenkonsumenten immer wieder auf. Crystal, um tagelang wach, aufnahmebereit und aufgedreht zu sein. Cannabis, um dann irgendwann wieder runterzukommen. So schildert der Sozialpädagoge und Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle der Diakonie in Hoyerswerda das Verhalten vieler Konsumenten. Das Schlechte ist: Das Einstiegsalter liegt statistisch bei 14 Jahren. Das Gute ist: Nach Erfahrungen des Beraters steigen viele derjenigen, die Drogen nehmen, im Alter zwischen 26 und 30 Jahren wieder aus. Dann liegt der Fokus eher auf Beruf, Familie und Freunden als auf Spaß- und Cliquengesellschaft, sagt Janovic. Er und seine Kollegin Katrin Fleischmann haben am Dienstag in der Volkshochschule darüber gesprochen, wie es in und um Hoyerswerda in Sachen Drogenkonsum aussieht.

In einer Hinsicht können Jan Janovic und Katrin Fleischmann Entwarnung geben: Der Norden des Kreises Bautzen ist kein schlechteres Pflaster als anderswo in Sachsen. Laut Kriminalstatistik der Polizeidirektion Görlitz hat es im Jahr 2017 insgesamt 1369 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gegeben. Das sind 3,9 Prozent aller gemeldeter Straftaten in der Polizeidirektion. Zum Vergleich: Diebstahlsdelikte sind mit 35 Prozent führend. Sachsenweit ist 2017 die Anzahl der Rauschgiftdelikte um 24,3 Prozent auf 12 207 gestiegen.

Besonders im Fokus steht Drogenkonsum bei Jugendlichen. Wobei, so sagt Janovic, auch viele Erwachsene Drogen wie Crystal und Cannabis durchaus zugeneigt seien. Das zeige die Auswertung der Fälle aus der Hoyerswerdaer Beratungsstelle. Von 475 Klienten im Jahr 2017 seien 117 wegen illegaler Drogen dort gewesen. Von diesen 117 sei etwa ein Drittel zwischen 30 und 39 Jahren alt gewesen. Das ist damit die Altersgruppe, die die Beratungsstelle beim Thema Drogen am häufigsten nutzt.

An Crystal Meth heranzukommen, ist laut Jan Janovic einfach. Wenige Kilometer hinter der tschechischen Grenze sei die Droge selbst für Anfänger relativ leicht zu beschaffen. Genau deshalb würden oftmals auch Schüler oder junge Erwachsene unbewusst zu Dealern. Sie besorgen bewusst günstig mehr als für den Eigenbedarf und verteilen Drogen dann in der Lausitz an Freunde und Klassenkameraden. „So finanzieren sie ihren eigenen Konsum“, sagt Janovic. Deshalb gebe es in der Region auch nicht die zentralen Händler, sondern eine Vielzahl von Personen, die Drogen in ganz kleinen Mengen über die deutsch-tschechische Grenze schmuggeln und dann weitergeben. Zur Einordnung: Laut Janovic kostet die Herstellung von einem Gramm Crystal etwa zwei Euro. Ein Gramm könnten bis zu zehn Konsumeinheiten sein. Wert sei das Gramm später 60 bis 100 Euro.

Vor allem bei Jugendlichen sei es schwer, sie davon zu überzeugen, Schluss mit dem Drogenkonsum zu machen. Denn sie befänden sich in einer Art „Wohlfühlzone“ und hätten selten Interesse, sich dort hinaus zu bewegen. „Jugendliche fangen aus zwei Gründen mit Drogen an“, sagt Sozialpädagoge Janovic, „aus Neugier und um dazuzugehören.“ Manche wollten in einer Gruppe nicht als Spaßbremse gelten.

Es brauche sanften Druck, um diese „Wohlfühlzone“ von Drogenkonsumenten immer kleiner werden zu lassen. „Wichtig ist, denjenigen mit dem Thema zu konfrontieren“, sagt Katrin Fleischmann. Das lasse diese „Wohlfühlzone“ schrumpfen. Andere Faktoren, wie dieser Bereich kleiner wird, seien drohende Strafen, Streichung von Zuschüssen, sich verschlechternde Gesundheit – oder Perspektiven wie Beziehung, ein Job oder eine Ausbildung.

Die Suchtberatungs- und -behandlungsstelle ist bei der Diakonie angesiedelt und befindet sich in der Schulstraße 5 in Hoyerswerda. Telefon: 03571 42 85 04

www.diakonie-hoyerswerda.de/suchtberatung