ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:32 Uhr

Digitalisierung in der Schule
Online-Offensive am Foucault

 Die Klasse 5b bekommt von Klassenlehrerin Anne Hentschel und 5d-Klassenlehrer Holger Köhler iPads und ein Blatt mit den passenden Erklärungen und Nummern, wie die einzelnen Unterrichtshefte bei den Verlagen zu finden sind.
Die Klasse 5b bekommt von Klassenlehrerin Anne Hentschel und 5d-Klassenlehrer Holger Köhler iPads und ein Blatt mit den passenden Erklärungen und Nummern, wie die einzelnen Unterrichtshefte bei den Verlagen zu finden sind. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Das Hoyerswerdaer Foucault-Gymnasium setzt Maßstäbe: Alle Fünftklässler haben iPads bekommen. Die Schule geht sogar noch weiter. 2020 soll der große Wurf gelingen. Von Sascha Klein

9.45 Uhr - Aula des Léon-Foucault-Gymnasiums: Ulf Schölzel begrüßt die Klasse 5b zu einem ungewohnten Termin. An einem Tisch am Eingang zur Aula warten Anne Hentschel und Holger Köhler. Sie sind die neuen Klassenlehrer der Klassen 5b und 5d. Vor ihnen liegt der Grund, weshalb die Schüler dort sitzen und warten: iPads. Die Tablets werden in den nächsten acht Jahren der ständige Begleiter der Schüler sein.

Ulf Schölzels Aufgabe: die Kinder innerhalb weniger Minuten für das iPad fit machen. Insgesamt nutzen alle fünften Klassen jetzt das iPad – rund 100 Kinder. Schölzel ist derjenige, der sich in dem Hoyerswerdaer Gymnasium seit Jahren mit der Technik beschäftigt. Was die Kids zunächst fordern wird: die Installation der einzelnen Bücher. Bei drei Verlagen gilt es, Material herunterzuladen – auch die Schulzukunft ist zu großen Teilen online.

 Hoyerswerda: Die Klasse 5b des Foucault-Gymnasiums bekommt von Lehrer Ulf Schölzel eine Einführung, welche Bücher gebraucht werden und wie sich die Schüler durch das iPad navigieren.
Hoyerswerda: Die Klasse 5b des Foucault-Gymnasiums bekommt von Lehrer Ulf Schölzel eine Einführung, welche Bücher gebraucht werden und wie sich die Schüler durch das iPad navigieren. FOTO: LR / Sascha Klein

Mehr Spaß und Erfolg beim Lernen durch iPads

Foucault-Schulleiter Uwe Blazejczyk tritt vor die Schüler. Ihr „Guten Morgen“ klingt noch etwas zurückhaltend. „Wozu sind die iPads da“, fragt Blazejczyk in die Runde. „Damit wir keinen schweren Ranzen mehr haben“, sagt ein Junge. Das ist nur ein Grund. Das Ziel ist: Die Kinder sollen mehr Freude und Erfolg beim Lernen haben, so der Schulleiter.

In Hoyerswerda ist seine Schule der Vorreiter in Sachen Lernen via iPad. „Die Geräte sind in den Ferien gekommen“, sagt Blazejczyk. Das Foucault-Gymnasium profitiert bei diesem Schulversuch von einem Projekt mit dem Zuse-Computermuseum (ZCom). Ein Projekt und 50 000 Euro von der ZCom-Stiftung machen es möglich, dass die Foucault-Fünftklässler jetzt das testen, was in einigen Jahren für die meisten Schüler gängige Praxis sein wird. Wie wird sich das Lernen verändern, wenn die Schüler im Online-Buch wischen statt im Papierbuch zu blättern? Einen klaren Vorteil sieht Blazejczyk auf jeden Fall: „In den Online-Varianten kann man jetzt anstreichen, markern und auf andere Inhalte verlinken“, sagt er. In einem Papier-Schulbuch, das sechs oder sieben Jahre lang von mehreren Kindern genutzt wird, wäre das undenkbar.

Auftakt für Digitalisierung

Diese iPad-Offensive soll am Foucault-Gymnasium nur ein Auftakt für eine komplette Digitalisierung aller Klassen sein. Blazejczyk hofft auf den Digitalpakt, der Schulen Geld von Bund und Land für die digitale Ausstattung liefert. „Unser Gymnasium wird hoffentlich zwischen 300.000 und 350.000 Euro bekommen“, sagt der Schulleiter. Dann sollen alle Klassen mit iPads ausgestattet werden – von der fünften bis zur zwölften. Der Schulleiter hofft, diesen Schritt bereits 2020 gehen zu können. Das Foucault-Gymnasium wäre dann die erste Schule in der Region, die derart gut ausgestattet wäre.

Die Stadt Hoyerswerda darf durch den Digitalpakt auf einen warmen Geldregen hoffen. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage erklärt die Stadtverwaltung, als Schulträgerbudget stehen der Stadt laut Richtlinie des sächsischen Kultusministeriums rund 1,475 Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommen etwa 240 000 Euro für das Johanneum, das sich in freier Trägerschaft befindet. Zurzeit klopft die Stadtverwaltung gemeinsam mit Schulleitern und Fachlehrern noch den Bedarf an den einzelnen Schulen ab. Ziel sei, so Rathaus-Sprecher Bernd Wiemer, die Fördermittelanträge noch in diesem Jahr zu stellen. Laut Richtlinie des Kultusministeriums müssen sie bis Ende Juni 2020 gestellt sein.

Digitalpakt im Landkreis Bautzen umsetzen

Auch in der Bautzener Kreisverwaltung wird an der Umsetzung des Digitalpakts gearbeitet. Der Landkreis ist Träger von 30 Schulen. Einige seien bereits multimedial unterwegs und nutzen digitale Displays, interaktive Tafeln, Tablets und Notebooks, teilt die Kreisverwaltung auf RUNDSCHAU-Nachfrage mit. Jetzt will die Kreisverwaltung einen Medienentwicklungsplan erarbeiten und damit herausfinden, wie hoch der Bedarf ist. „Der Landkreis kann aus dem Digitalpakt für seine Schulen etwa 6,7 Millionen Euro abfordern“, so Landkreis-Sprecherin Frances Lein. „Wir werden dieses Geld bis Ende 2024 dafür einsetzen, unsere Schulen zukunftsfähig auszurüsten“, betont sie.

Das Foucault-Gymnasium will nicht nur die Schüler fit machen für die Nutzung der iPads als neue Lernoberfläche, sondern auch die Lehrer. Im anlaufenden Schuljahr soll es regelmäßige Fortbildungen geben. „In einem Jahr soll möglichst jeder Lehrer für die Anwendungen fit sein“, sagt Schulleiter Uwe Blazejczyk. Dann könnte das Tablet dem Schulbuch zumindest in diesem Gymnasium langsam den Rang ablaufen.