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| 17:14 Uhr

Hoyerswerda
Wie sich Frauen organisieren

 Die Migrantinnen haben über ihr Leben berichtet, die Forscher – so auch Jette van der Velden (hinten links) – hören zu. Mit dabei: Birgit Radeck von „Hoyerswerda hilft mit Herz“ (hinten, 2.v.r.)
Die Migrantinnen haben über ihr Leben berichtet, die Forscher – so auch Jette van der Velden (hinten links) – hören zu. Mit dabei: Birgit Radeck von „Hoyerswerda hilft mit Herz“ (hinten, 2.v.r.) FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Eine bundesweit tätige Gruppe von Universitäten betrachtet die Arbeit von muslimischen Frauen und Mädchen. Von Katrin Demczenko

Die Kurdin Arazu Ismael Azeez ist mit ihrer Familie seit zweieinhalb Jahren in Deutschland. Zu Hause ist sie jetzt in Hoyerswerda. Im AWO-Flüchtlingsheim fand sie schnell Kontakt zu anderen Asylbewerbern und einheimischen Helfern vom Bürgerbündnis, erzählt sie. Diplompädagogin Jette van der Velden von der Universität Frankfurt/Main hört zu. Sie will im Rahmen eines Forschungsprojekts mehr über die Situation von Migrantinnen erfahren – auch in Hoyerswerda.

Arazu Ismael Azeez backt inzwischen regelmäßig Kuchen für die Begegnungscafe-Nachmittage. „Das hilft beim Deutsch lernen“, erzählt die junge Frau, die bald den Deutsch-Kurs A2 beginnt. Sie berichtet, dass ihr Mann seit elf Monaten Arbeit hat und sie deshalb jetzt für das Zimmer im Heim und alle damit zusammenhängenden Kosten 300 Euro monatlich zahlen müssen. Bald dürfe die vierköpfige Familie in eine Wohnung umziehen, wobei sie auf die Unterstützung von Mitstreitern aus dem Bürgerbündnis zählen kann.

Jette van der Velden interessiert sich für diese Lebensläufe. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens zur Mädchen- und Frauenarbeit im Kontext der Demokratieförderung reisen derzeit Mitarbeiter des „Instituts für Islamische Theologie“ der Universität Osnabrück und des „Fachbereichs 04 Islamische Religionspädagogik und Fachdidaktik des Islamischen Religionsunterrichts“ der Universität Frankfurt/Main durch Deutschland. Sie wollen mehr über das Funktionieren niederschwelliger Selbstorganisationen von Musliminnen erfahren und darüber, welche Themen die Migrantinnen interessieren, erklärte die Diplompädagogin Jette van der Velden. Aus den gesammelten Erkenntnissen sollen neue Ideen entwickelt werden, die die Frauen in ihren Selbstorganisationen umsetzen können. Am Ende entsteht ein Bericht für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die das Projekt fördert.

Im Jugendclubhaus Ossi traf Jette van der Velden deshalb Asylbewerberinnen, die zum Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ gehören und Begegnungscafe-Nachmittage mit vorbereiten. Zu diesen Veranstaltungen treffen sich Migranten und Einheimische abwechselnd in öffentlichen Einrichtungen wie dem Cafe „Auszeit“ der Kulturfabrik oder auf der Kinder- und Jugendfarm, erklärt Birgit Radeck von der RAA Hoyerswerda/Ostsachsen. Sie ist hauptamtliche Ansprechpartnerin für alle hier lebenden Asylbewerber und sagte, dass das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ eng mit ihrer Organisation zusammenarbeitet.

Jette van der Velden die schon in Erfurt, Dresden und Bebra Gespräche hatte, fand beachtenswert, dass hier eine hauptamtliche Kraft und im Bürgerbündnis auch Migranten ehrenamtlich mitarbeiten. Birgit Radeck ergänzt, dass sie hier Verantwortliche in Behörden und Kindereinrichtungen kennt, was meist schneller Probleme löst. Weitere Helfer, die zur Integration von Migranten und damit zur Förderung einer demokratischen Gesellschaft beitragen wollen, sind im Bürgerbündnis herzlich willkommen.