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| 13:31 Uhr

Der Fall „Sonnenblume“
Eltern schmieden neuen Kita-Plan

 Der Protest der Eltern und Kinder gegen die Schließung der Kita „Sonnenblume“ nutzt bisher nichts.
Der Protest der Eltern und Kinder gegen die Schließung der Kita „Sonnenblume“ nutzt bisher nichts. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Ein Widerspruch gegen das Aus der Kita „Sonnenblume“, Spenden und Eigenleistungen sollen die Kita retten. Von Anja Hummel

„Es ist ein Schock für uns“, sagt Robert Ratzing mit lauter Stimme, während sich seine kleine Tochter an sein rechtes Bein klammert. Der Elternvertreter steht vor dem Neuen Rathaus, es ist kurz nach halb 6 am Dienstagabend. Um ihn herum: zahlreiche aufgebrachte Eltern mit ihren Kindern. Während die Hoyerswerdaer Stadträte in der dritten Etage über Stadtentwicklung und Feuerwehr diskutieren, ist die Stimmung draußen auf dem Parkplatz am Boden.

Seit wenigen Minuten steht fest: Im Fall der Kita „Sonnenblume“ in der Neustadt wird es keinen Bürgerentscheid geben. Damit bleibt es beim Beschluss vom September 2018: Die „Sonnenblume“ wird geschlossen. „Dass die Stadträte das Begehren nicht zulassen, war schon klar“, sagt Ratzing gefasst. Die Begründung der Ablehnung: Der notwendige Kostendeckungsvorschlag entspricht nicht den Anforderungen. Als Alternative hatten die Eltern zwar eine Teil- statt die Vollsanierung sowie die Schließung einer anderen Kita im Rückbaugebiet WK VIII angeführt. Das sei laut Beschluss aber „zu pauschal“ gewesen – nicht aus Willkür der Stadtverwaltung, sondern aufgrund der gesetzlichen Grundlage. Selbst wenn sich der Stadtrat für den Entscheid ausgesprochen hätte – der Beschluss wäre ungültig gewesen, weil geltendes Recht selbst im Hoyerswerdaer Stadtrat nicht ausgehebelt werden kann. Was Oberbürgermeister Skora betont: „Es ist ein Widerspruch möglich, der auch Veränderungen von Beschlüssen nach sich ziehen kann.“ Sprich: Die Eltern können dagegen klagen. „Wir werden in Widerspruch gehen und prüfen, was eine Klage kosten würde“, kündigt Robert Ratzing an.

Was den Eltern nach der Sitzung jedoch viel näher geht, ist ein anderer Beschluss: Das Aus der Kita hätte um einige Monate herausgezögert werden können. „Dann hätten wir mehr Zeit gehabt, um eine andere Lösung zu finden“, so Ratzing. Die Stadträte entscheiden sich aber gegen den Beschluss, die Gespräche mit dem Träger zur Kita-Schließung vorübergehend auszusetzen. Das bedeutet aber nicht, dass die Kita im Sommer tatsächlich dicht gemacht wird. Zwar bleibt sie weiterhin Schließungskandidat. Doch mit einem Widerspruch der Eltern würden sich wiederum neue Fristen ergeben. Völlig offen also, ob die „Sonnenblume“ bis Ende des Schuljahres ausgedient hat. Fest steht: „Wir wollen einen Weg finden, damit für die Kita-Sanierung nicht in die Stadtkasse gegriffen werden muss“, sagt Ratzing weiter. Denn der bauliche Zustand ist das K.O.-Kriterium für die Kita. Die hat laut Stadt den höchsten Sanierungsbedarf. Und Kita-Plätze müssen abgebaut werden. Was Ratzing in Betracht zieht: „Wir können als Eltern mitrenovieren, Spenden sammeln, Firmen um Unterstützung bitten.“

FOTO: LR / Anja Hummel

Doch selbst die Geschenke halfen im Sitzungssaal nicht: Noch bevor die Mehrheit gegen die Kita entschied – da haben alle noch gelächelt – verteilten die Kinder selbstgebastelte Sonnenblumen an die Stadträte. Kurze Zeit später: Kopfschütteln, Tränen, Wut. „Die Bude wird nicht abgerissen. Und wenn wir uns festketten“, sagt Florian Nüsse. Seine beiden Töchter sind „Sonnenblumen“-Kinder. Leonie weint, sie will, dass die Kita offen bleibt. Als sie das sagt, schießen dem Vater selbst Tränen in die Augen. „Wir sind aus Dresden extra wieder nach Hoyerswerda gezogen, weil es hier ruhiger ist. Und dann so was“, erzählt Florian Nüsse. Seine Mutter steht neben ihm, kann es auch nicht fassen. „In dem Viertel wohnen die meisten Kinder“, sagt sie kopfschüttelnd. Elternsprecher Robert Ratzing und die anderen Eltern sind entschlossen – sie werden weiterkämpfen und einen Weg finden. Einen Weg der schonend ist – für ihre Kinder und die Stadtkasse.

FOTO: LR / Anja Hummel