Von Sascha Klein

Ein Göttinger Fahrradlenker steckt im Boden, überall sind lange Reihen Erde aufgehäufelt, leicht mit Sand bedeckt liegen Zehner-Pakete Mini-Eichen auf dem Feld. Mittendrin sind Henrik Lindner und Olaf Kroggel. Die beiden Männer in grün erklären Jugendlichen, wie sie möglichst einfach junge Bäume in den trockenen Lausitzer Boden bekommen.

Um die beiden Experten der Stiftung „Wald für Sachsen“ herum stehen die Schüler der 9a des Léon-Foucault-Gymnasiums. Um sie herum: einige riesenhafte Windkraftanlagen, Wald, viel plattes Land und ganz hinten eine Herde Schafe. Für die Foucault-Schüler ist es eine wichtige Etappe auf dem Weg, ihre Mission zu erfüllen. Ihre Mission heißt: Sie wollen ihre Schule klimaneutral machen. Dafür wollen sie insgesamt 25 000 Bäume pflanzen. Denn diese Anzahl Bäume würde den CO2-Ausstoß des Hoyerswerdaer Gymnasiums komplett schlucken. An diesem Tag fangen sie mit 500 Bäumen an, weitere 2000 sind bereits gepflanzt.

Kurz nach neun Uhr: Merle Mierzwa und Foucault-Schulleiter Uwe Blazejczyk greifen zu Göttinger Fahrradlenker, einem speziellen Gerät, um Löcher für Bäume zu graben, und Spaten. Sie setzen den ersten Baum. Minuten später schwirren die Schüler auf dem abgegrenzten Stück von einem halben Hektar aus, um 500 Eichen zu pflanzen. Es dauert gut eineinhalb Stunden, dann sind alle Bäume im Boden.

Die Idee, die Schule klimaneutral zu machen, hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt. Im Rahmen des Projekts „Energiefüchse“ der Sächsischen Energieagentur arbeitet die Klasse seit drei Jahren eher in die Richtung, Energie im Schulgebäude einzusparen. Dazu hatten die Schüler während etlicher Projekttage herausgefunden, dass sich allein im Foucault-Gymnasium Hunderte Euro Energiekosten sparen lassen – und einen Vertrag mit der Stadt Hoyerswerda geschlossen. Das Ergebnis: Die Stadt spart Betriebskosten und die Klasse hat für die Schule einen Bonus eingestrichen.

Aus dieser Arbeit heraus ist die Idee der Baumpflanzungen entstanden. Dafür haben die Schüler gekämpft und Geld gesammelt – bisher mehr als 6500 Euro. Denn: Ein Baum kostet etwa 2,50 Euro. Um 25 000 Bäume pflanzen zu können, brauchen die Jugendlichen 62 500 Euro. Das bedeutet: Das Projekt ist für die Schule noch lange nicht zu Ende. Foucault-Schulleiter Uwe Blazejczyk steht auf dem Acker, der in 100 Jahren einmal ein stattlicher Eichenwald sein soll, und ist zufrieden: „Es ist gut, dass die Schüler mit ihrer Forderung nicht nur an die Öffentlichkeit gehen, sondern selbst mit anpacken“, sagt er.

Das Gelände, auf dem gepflanzt wird, gehört zu Terra Nova. Der Verantwortliche, Mario Stenske, ist mit vor Ort. Dass gerade diese Fläche zu Wald wird, ist fast ein Zufall. „Wir wollen bei uns Gebäude bauen und müssen dafür Bäume fällen“, sagt Stenske. Deshalb müssen an anderer Stelle neue Bäume gepflanzt werden – in dem Fall Kiefern. Die Fläche für den Waldausgleich ist nebenan. Die Fläche, auf der die Schüler pflanzen, war noch unverplant. Also hat sich die Stiftung „Wald für Sachsen“ mit Stenske in Verbindung gesetzt und das 0,5 Hektar große Stück für die Schüler und ihr Projekt gesichert.

Für die Stiftung „Wald für Sachsen“ ist es in diesem Jahr bereits die elfte Aktion dieser Art im Freistaat. 2019 werden es wohl deutlich über 20 Pflanzungen. Die Stiftung will so naturnahe Wälder mehren und etwas für den Klimaschutz tun.

Für die Hoyerswerdaer Schüler geht das Ringen um ihr Ziel, klimaneutrale Schule zu werden, weiter. „Wir werden weiter versuchen, Geld für unser Projekt zu bekommen“, sagt Schülerin Merle Mierzwa.