Von Sascha Klein

Das alte Zuse-Gymnasium im Hoyerswerdaer WK I ist einst eine der größten Baustellen in Hoyerswerda gewesen – im negativen Sinne. Mehr als zehn Jahre lang hat das altehrwürdige Gebäude am Rande des ältesten Neustadt-Wohnkomplexes nach dem Auszug der Schule leergestanden und ein wirklich trauriges Bild in der sich teils rasant verändernden Neustadt abgegeben.

Jetzt ist das alte Zuse-Gymnasium die größte Baustelle in der Stadt – allerdings im positiven Sinne. Am historischen Standort – es ist die erste Schule der einst zweiten sozialistischen Wohnstadt – entsteht die neue Oberschule Hoyerswerdas. Sanierung und Neubau werden rund 13,2 Millionen Euro verschlingen – eine Summe, die die Stadt Hoyerswerda dank millionenschwerer Fördermittel schultern kann.

Die Entscheidung für die Sanierung und den Neubau hatte der Hoyerswerdaer Stadtrat nach langen Diskussionen schließlich während einer außerordentlichen Sitzung am 8. März 2016 getroffen. Damals gab es 17 Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Zuvor hatte Bauingenieur Thomas Gröbe, der die Schulstandort-Analyse für die Stadt Hoyerswerda maßgeblich ausgearbeitet hat, vor den Stadträten betont, dass es ab dem Schuljahr 2020/21 nicht mehr wirtschaftlich sei, an zwei Standorten in der Stadt Oberschulen zu betreiben. Das ist im Endeffekt das Ende der Oberschulen „Am Stadtrand“ und „Am Planetarium“ gewesen.

Rückblick: Noch zwei Jahre zuvor, während des Stadtrates am 15. Juli 2014, hatte der Stadtrat noch bei 29 Ja und einer Nein-Stimme dafür votiert, beide Schulstandorte langfristig zu erhalten. Plötzlich war der Stadtrat von neuen Daten überrascht worden und entschied sich schließlich um – die Rettung für das alte Zuse-Gymnasium.

Im Jahr 2014 hatte es schon einmal ganz schlecht um das architektonisch einzigartige Gebäude gestanden. Die Stadt Hoyerswerda hatte lange Zeit lange vergeblich versucht, einen Käufer für den Komplex zu finden. Denn selbst nutzen wollte es die Stadtverwaltung nicht. Schließlich hatte sich der Stadtrat zu den vorhandenen Oberschul-Standorten bekannt. So hat plötzlich auch der Abriss des Ensembles zur Diskussion gestanden. Im Internet hatte sich schnell eine Initiative gebildet: „Bürger gegen Bagger - rettet das Zuse“. Schließlich ist der Abriss-Gedanke wieder verworfen worden.

Heute wird auf dem Gelände nicht abgerissen, sondern neu gebaut. Das alte Hauptgebäude mit seinen drei Pavillons steht bereits jetzt neben dem modernen Anbau. Dort ist kürzlich Richtfest gefeiert worden. Der Plan der Stadtverwaltung steht weiterhin: Das Gebäude soll im Frühjahr 2020 fertig sein und im Sommer bezogen werden. Selbst die Außenanlagen sollen bereits am ersten Schultag des Schuljahres 2020/21 nutzbar sein.

Dann wird es für die neuen Fünftklässler ein besonderer Tag werden, wenn sie von der Grund- in die Oberschule wechseln. Vielleicht noch etwas emotionaler wird es für die Lehrer und Schüler werden, die von den beiden Oberschulen der Stadt kommen und sich am neuen Ort zu einer neuen Gemeinschaft zusammenfinden sollen. Denn: Die beiden Hoyerswerdaer Oberschulen bringen verschiedene Lehransätze mit.

In der Oberschule „Am Stadtrand“ gibt es das „Produktive Lernen“ (PL), das es seit 2009 an dieser Schule gibt. Bis zu 20 Schülerinnen und Schüler arbeiten in den Klassen 8 und 9 nach diesem Prinzip. Dabei hat ein Schuljahr dort nicht zwei Halbjahre, sondern drei Trimester. Die Schüler sind dabei an drei Tagen pro Woche an Praxisplätzen und zwei Tage in der Lernwerkstatt in der Schule. Das Ziel ist: Hauptschüler sollen über individuelle Lernpläne und wechselnde praktische Tätigkeiten möglichst beruflich und privat ihren richtigen Weg finden. Seinen Platz wird das „Produktive Lernen“ auch im neuen Oberschul-Gebäude finden.

Wenn die Schüler eingezogen sind, ist die neue Oberschule trotzdem noch nicht komplett fertig. Anschließend folgt der Bau der neuen Drei-Feld-Sporthalle auf dem Gelände der Schule. Der neue Zugang zum Areal erfolgt dann nicht mehr über die schmale Konrad-Zuse-Straße, sondern über die Stauffenberg-Straße an der Rückseite des Schulareals. Was er Schule dann noch fehlt: ein Name.