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| 14:45 Uhr

Vortragsreihe
Digitale Pflege soll Mitarbeiter entlasten

 Heiko Mania präsentiert hier das Modell eines Pflegeroboters.
Heiko Mania präsentiert hier das Modell eines Pflegeroboters. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. „Gesundheit digital. Smarte Technologie in der Medizin und Pflege" lautet der Titel eine neue Vortragsreihe im Zuse-Museum Hoyerswerda. Zahlreiche Interessenten haben sich die Auftaktveranstaltung nicht entgehen lassen. Von Katrin Demczenko

In Deutschland fehlen in Größenordnungen Pfleger in Krankenhäusern sowie Altenheimen. Vorhandene Arbeitskräfte verwenden rund die Hälfte ihrer Zeit pro Schicht zur Übergabe an andere medizinische Fachkräfte sowie zur Pflegedokumentation. Wenn zum Beispiel der Blutdruckwert oder die Körpertemperatur erst auf Papier erfasst und dann in den Rechner übertragen werden, kann es bis zu sechs Stunden dauern, ehe der Arzt darauf reagiert. Aus Zeitgründen werden manchmal Menschen im Bett gewaschen, obwohl sie dies mit Unterstützung noch selbst machen könnten. Wird die Mitwirkung des Patienten über längere Zeit nicht abgefordert, entsteht schnell ein Pflegefall. Diese Situationen können in Kliniken und Altenheimen auftreten, sagt der Geschäftsführer der Firma NursIT Insitute aus Berlin, Heiko Mania.

Der examinierte Krankenpfleger, Pflegemanager und Pflegeinformatiker will daran mit der in seinem Unternehmen entwickelten Software etwas verändern. „Wir streben eine Strukturierung, Digitalisierung und Automatisierung der Pflegeprozesse an", erklärt er. Mehrere Beispiele machen den Sachverhalt klar. Smarte Becher ermitteln selbstständig die Trinkmenge des kranken oder alten Menschen und übermitteln den Wert per Funk an das Computerprogramm. Eine smarte Pillenbox weiß, wann der Patient welche Tablette einnehmen muss und alarmiert die Pflegekraft dann, wenn sie vergessen wird. Läuft alles glatt, behält der Mensch seine Selbstständigkeit. Im Notfall greift der Pfleger präventiv ein und verhindert, dass aus einem kleinen Problem ein größeres wird. Jeder Arzt oder Pfleger kann immer alle erfassten Werte einsehen und erfährt so schnell und unkompliziert, wie es dem Patienten geht.

„Auf diese Weise werden Pflegeprozess und Pflegedokumentation zusammengebracht, der pflegende Mitarbeiter entlastet und sein Berufsbild aufgewertet“, sagt Heiko Mania. Da das Wissen der Pfleger sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, müssen die Programme intuitiv bedienbar sein. Dann werden sie schneller als Hilfe akzeptiert. Nötig ist aber auch, die Pflegeinformatik fest in der Pflegeausbildung zu verankern, denn der Umgang mit künstlicher Intelligenz und Pflegerobotern werde bald zum Berufsalltag gehören.

Nächster Vortrag: Am 6. Februar um 17.30 Uhr spricht der Berliner Arzt Dr. Paul Brandenburg über die von ihm und seinem Team entwickelte Online-Patientenverfügung.