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| 21:22 Uhr

Hoyerswerda
Böller-Attacke auf die Blitzerfalle

Die „verletzte“ Säule an der B 97 in Dörgenhausen ist mit einem schwarzen „Pflaster“ versehen.
Die „verletzte“ Säule an der B 97 in Dörgenhausen ist mit einem schwarzen „Pflaster“ versehen. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Wenn die Wut aufblitzt: Die Säule an der B 97 in Dörgenhausen ist seit einigen Wochen außer Gefecht gesetzt. Nicht zum ersten Mal lässt ein Bürger Dampf an einem Blitzgerät ab. Für die Stadt bedeutet das: mehr Kosten, weniger Einnahmen. Von Anja Hummel

Tatort Dörgenhausen, direkt an der B 97. Dass es dort unmittelbar am Straßenrand öfter mal hell aufblitzt, ist  keine Seltenheit. Dass es dabei aber auch kracht und sogar Verletzte gibt, ist hingegen wahrlich außergewöhnlich. Das Opfer: eine drei Meter hohe Blitzersäule. Wer regelmäßig die Dresdener Straße passiert – vorbei am Wasserturm – dem dürfte es längst ins Auge gefallen sein. Fast löst der momentane Anblick der silberfarbenen Laserfalle Mitleid aus: Wie ein Wundverband wirkt die schwarze Folie, mit der die Säule mehrfach umwickelt ist. Und nimmt man es genau, dann wurde die Blitzeranlage tatsächlich direkt ins Herz getroffen.

„Mitte September gab es einen Anschlag auf die Säule, vermutlich mit illegalen Knallkörpern“, teilt Hoyerswerdas Stadtsprecher Bernd Wiemer mit. Die Polizei bestätigt das, spricht von einer Beschädigung mit „offenbar pyrotechnischen Gegenständen“. Die Anlage ist dabei erheblich beschädigt worden und deshalb momentan nicht scharf gestellt. „Einen konkreten Zeitpunkt der Wiederinbetriebnahme gibt es noch nicht“, erklärt Bernd Wiemer. Auch die daraus resultierenden Kosten für die Stadt seien noch nicht bekannt. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zu dem Fall laufen, wie Sprecher Thomas Knaup auf Nachfrage mitteilt. Das Ergebnis bleibe abzuwarten. Ob ein Täter ermittelt werden konnte oder warum er oder sie die Tat beging, kann die Polizei momentan nicht sagen. Der Sachschaden, so viel steht fest, betrage mehrere tausend Euro.

Bei dem Anschlag zerstört wurde nicht nur der äußere Kern. Auch das herausnehmbare Laser-Messgerät innerhalb der Säule habe es er­wischt, wie von der Stadtverwaltung zu erfahren ist. Die nun defekte Technik wiederum wurde bisher auch für eine weitere silberne Säule im Hoyerswerdaer Stadtgebiet eingesetzt. Es handelte sich um ein Austauschgerät. „Das Versicherungsverfahren läuft, aktuell ist ein Mietgerät in Benutzung“, erklärt Hoyerswerdas Bürgeramtsleiterin Jana Nitschmann. Das koste die Stadt viel Geld. Aber: Damit ist zumindest der Laserblitzer an der Erich-Weinert-Straße für Temposünder scharf geschalten.

Als potenzielle zerstörungswütige Täter kämen für den Fall an der B 97 wohl einige Menschen in Frage: Gut 5600 Mal blitzte es im vergangenen Jahr im Hoyerswerdaer Gebiet. Davon erwischte allein die nun defekte Säule an der Dresdener Straße mehr als 1000 Temposünder. In diesem Jahr hätte das Messgerät womöglich einen neuen Spitzenwert geschafft: Allein im ersten Halbjahr 2018 wurden in beiden Richtungen knapp 750 Überschreitungen der Geschwindigkeit registriert. Jetzt ist die „ergiebige“ Anlage in „Zwangspause“. Im vergangenen Jahr hat die Stadt dank stationärer und mobiler Geschwindigkeitsüberwachung insgesamt gut 120 000 Euro eingefahren. Wenn der Blitzer zuschlägt, scheint bei manch einem die Wut einen Funken zu stark zurückzublitzen. Ärgerlich sei das für die Stadt. Zwar greife zu einem gewissen Teil die Versicherung, anteilig entstehen dennoch Kosten, so Jana Nitschmann. Nicht zum ersten Mal muss sich die Verwaltung mit solch einem Wutausbruch befassen. „Vor einem halben Jahr etwa gab es schon einmal einen Anschlag auf ein mobiles Blitzgerät“, erinnert sich die Bürgeramtsleiterin der Stadt. Ein junger Mann trat gegen eine Blitzerfalle, die an der Maria-Grollmuß-Straße am Seenland Klinikum aufgestellt war. Die Anlage fiel um, war damit defekt und völlig unbrauchbar. Im April war das, als der Stadt ihr einziges mobiles Blitzgerät abtrünnig gemacht wurde. Es entstand ein Schaden in Höhe von 10 000 Euro. Der Täter lief weg, die Kripo ermittelte auch in diesem Fall. Was aber erwartet die Täter - sollten sie von der Polizei gegriffen werden? Bei einer Straftat wie der jüngsten in Hoyerswerda handelt es sich um das „Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“, wie Polizeisprecher Thomas Knaup informiert. Laut Strafgesetzbuch wird so eine Tat mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

Für Fahrverbot und ein sattes Bußgeld dürften wiederum die traurigen Schnellfahrer-Rekorde aus 2017 gesorgt haben: Auf der Nieskyer Straße bei erlaubten 60 km/h hatte ein Fahrer 110 Sachen auf dem Tacho. Den zweiten Platz belegt ein Verkehrsrowdy mit 40 km/h Überschreitung in einer 30er-Zone auf der Dresdener Straße. Wann die demolierte Säule an der B 97 selbst wieder aufblitzen wird, ist noch nicht klar. Bis es soweit ist,  so darf gehofft werden, bleibt dem silbernen Riesen zumindest eines erhalten: seine abschreckende Wirkung.