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| 16:41 Uhr

Die Lausitz plant ihre Zukunft
Vermittler beim Strukturwandel

 Bernhard Waldau ist der Leiter des Info-Büros der Staatskanzlei in Hoyerswerda. Das Büro ist Anlaufpunkt für alle Themen des Strukturwandels. Ein zweites Büro soll in kurzer Zeit im Rathaus Weißwasser eröffnen.
Bernhard Waldau ist der Leiter des Info-Büros der Staatskanzlei in Hoyerswerda. Das Büro ist Anlaufpunkt für alle Themen des Strukturwandels. Ein zweites Büro soll in kurzer Zeit im Rathaus Weißwasser eröffnen. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Der Weißwasseraner Bernhard Waldau leitet das neue Info-Büro der Staatskanzlei in Hoyerswerda. Von Sascha Klein

Alles im Büro von Bernhard Waldau sieht nach Anfang aus. Die Wände sind weiß und kahl. Hinter Waldau ragen weiß getünchte Nagelköpfe aus der Wand. Wenn Zeit ist, kommen dort vielleicht noch Bilder dran. Der 49-Jährige ist bei der Dresdner Staatskanzlei angestellt und Ansprechpartner für die Region in Sachen Strukturwandel. Vom Otto-Normal-Bürger bis zum Bürgermeister – jeder kann und soll mit dem Weißwasseraner das Gespräch suchen.

Das Büro im Hoyerswerdaer Amtsgericht am Pforzheimer Platz ist spartanisch eingerichtet. Schreibtisch, Stuhl, Laptop, Beratungstisch, Stühle – fertig. Auf der Fensterbank steht eine Orchidee. „Die hab ich mir beim Globus gekauft“, sagt Waldau und lacht. Ein wenig Farbe muss sein. Immer dienstags und freitags ist er in Hoyerswerda.

Der 49-Jährige beginnt gerade, sich in Hoyerswerda einzuarbeiten. Die Themen Bergbau und Strukturwandel sind dem gebürtigen Weißwasseraner nicht fremd. Sie begleiten ihn sein komplettes Leben. „Ich habe den Bergbau nie infrage gestellt“, sagt er. In Weißwasser hat Waldau erlebt, wie sich der Tagebau Meter für Meter an die Stadt herangefressen hat – mit allen positiven und negativen Folgen.

Jetzt will Bernhard Waldau allerdings Aufbruchstimmung vermitteln: „Wir haben jetzt die Chance, den Strukturwandel zu gestalten und mit dem Geld, das kommt, etwas Sinnvolles anzufangen“, sagt er. Eine zweite Chance dafür wird die Lausitz vielleicht nicht bekommen. Insgesamt sind rund 17 Milliarden Euro für die gesamte Lausitz innerhalb von 20 Jahren zu verteilen.

Der Weißwasseraner hat in der kurzen Zeit, die er diesen Posten jetzt inne hat, schon viele Gespräche geführt. Sein Büro steht allen offen. Die Themen sind extrem vielschichtig: „Es sind Leute hiergewesen, die seit Jahren pendeln. Sie haben sich erkundigt, ob schon feststeht, welche neue Behörde nach Hoyerswerda kommt.“ Andere hätten Angst, dass die Behörden, die in Hoyerswerda sind, in den nächsten Jahren doch noch abwandern könnten. Es gebe auch Leute, die sich erkundigen, ob ihre Kinder womöglich eine Chance hätten, wieder in die Lausitz zurückzukehren. „Oftmals resultiert die Skepsis der Menschen auch daraus, dass sie zu wenig über das Thema Strukturwandel wissen“, sagt Waldau. Auch dafür sei er da. Er will aufklären – und damit Ängste und Vorbehalte nehmen.

Bernhard Waldau ist Insider. Der 49-Jährige hat 29 Jahre im Stadtrat in Weißwasser gesessen und war zuletzt CDU-Fraktionschef. Er ist Kreisrat in Görlitz und bei den jüngsten Kommunalwahlen Ende Mai erneut gewählt worden. Als die frühere Weißwasseraner Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) Sozialministerin geworden ist, hat sie Waldau mit nach Dresden genommen. Fünf Jahre lang war er Persönlicher Referent von Orosz und elf Jahre Landtagsreferent – das Bindeglied zwischen Sozialministerium und Landtag. Gelernt hat der Lausitzer Ende der 1980er-Jahre den Beruf des Bäckers, hat nach der Wende das Abitur nachgeholt, das er zu DDR-Zeiten nicht machen durfte, und hat studiert.

Jetzt hat er die Chance ergriffen, der Heimat auch beruflich wieder ein Stück näher zu kommen und ist in die Staatskanzlei gewechselt. Er kennt die Probleme und Herausforderungen für die Lausitz. Das Info-Büro in Hoyerswerda ist das erste seiner Art in Sachsen. In Weißwasser und Borna sollen weitere entstehen. Was Bernhard Waldau bei allen Gesprächen spürt: Bei vielen Lausitzern ist eine gewisse Ungeduld da. Viele Prozesse dauern lange – ob beim Entwickeln des Seenlandes oder beim Strukturwandel. Waldau sieht das aber positiv: „Wenn Ungeduld da ist, ist das für mich ein positives Zeichen. Das zeigt, dass die Menschen etwas erreichen wollen.“