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| 15:02 Uhr

Interview mit Kevin Stanulla
„Bei uns kann jeder mitmachen“

 Kevin Stanulla ist Vorsitzender des Nachbarschaftshilfevereins Hoyerswerda. Er kommt aus Bernsdorf und arbeitet bei der AWO Lausitz als Koordinator Asyl. Zudem ist er Kreisvorsitzender der SPD Bautzen.
Kevin Stanulla ist Vorsitzender des Nachbarschaftshilfevereins Hoyerswerda. Er kommt aus Bernsdorf und arbeitet bei der AWO Lausitz als Koordinator Asyl. Zudem ist er Kreisvorsitzender der SPD Bautzen. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Beim Nachbarschaftshilfeverein wird Hilfe groß geschrieben. Der Verein bietet Hunderte Veranstaltungen an. Von Sascha Klein

Kevin Stanulla, Sie sind jetzt seit einem Jahr Vorsitzender des Nachbarschaftshilfevereins in Hoyerswerda: Wieso sollte man Mitglied in diesem Verein sein?

Stanulla: Wir bieten ein vielfältiges Angebot für alle Alterskategorien. Hier können sich Menschen, die sich zu jung fürs „alte Eisen“ fühlen, einbringen für Senioren, die nicht mehr so fit sind.

Was wäre das zum Beispiel?

Stanulla: Das sind zum Beispiel unsere „Elsterbienchen“. Sie sind Alltagsbegleiter für Menschen, die eine Begleitung zum Arzt haben wollen, die Hilfe beim Einkauf brauchen oder einfach mit jemandem Kaffee trinken wollen. Es gibt auch viele sportliche Aktivitäten bei uns: Boccia, Volleyball, Tischtennis. Man kann zu den Wanderern gehen: Kurzwanderer, Langwanderer, Stadtspaziergänger. Es gibt verschiedene Angebote – je nachdem, wie mobil jemand ist. Man muss auf Bewegung nicht verzichten.

Und wenn jemand nicht mehr mobil ist?

Stanulla: Wer gar nicht mehr mobil ist und sagt: „Ich möchte mit meinem Rollator einfach in Gesellschaft sein“, der geht einfach zu einem der Kaffeekränzchen, die wir über die Woche verteilt haben. Da ist man nie alleine.

Der Nachbarschaftshilfeverein hat im Jahr 2018 mehr als 2400 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Wer organisiert das alles?

Stanulla: Das ist das Phänomen, das ich in diesem Verein lieben und schätzen gelernt habe: Es ist alles ehrenamtlich organisiert. Und es findet sich bei jeder Veranstaltung jemand, der sich für den Kaffee verantwortlich fühlt oder Kuchen bäckt. Und wenn die Veranstaltung zu Ende ist, wird ganz schnell aufgeräumt, denn im Anschluss ist bestimmt irgendeine Gymnastikgruppe, die den Raum dann nutzt. Jeder denkt mit und fasst mit an.

Trotzdem kosten Veranstaltungen auch Geld. Der Verein hat rund 420 Mitglieder und plant jährlich mit einem Budget von rund 200 000 Euro. Wo kommt das Geld her?

Stanulla: Wir haben einen Mitgliedsbeitrag von drei Euro pro Monat – das ist wenig. Da kann man keine großen Sprünge machen. Wir sind auf Sponsoring angewiesen. Wir haben Gewerbetreibende, die uns finanziell unterstützen und Gebühren übernehmen – gerade im Sportbereich. Wir sind ja ein Ableger der Lebensräume Hoyerswerda. Die Lebensräume stärken uns natürlich finanziell zusätzlich den Rücken und sagen: Wir wollen etwas für unsere Genossenschafter anbieten – aber nicht ausschließlich für sie. Bei uns kann jeder mitmachen. Es soll aber vor allem als Angebot der Lebensräume gesehen werden.

Wenn jemand Interesse hat, etwas beim Nachbarschaftshilfeverein zu unternehmen. Wo muss derjenige hinkommen?

Stanulla: Wir haben in Hoyerswerda den „Grünen Hain“ in der Hufelandstraße. Das ist unsere Zentrale. Dann haben wir noch das Mehrgenerationenhaus, das nur wenige Meter entfernt ist. In der Altstadt ist zudem der Fließhof. Der ist jedoch nicht täglich geöffnet. Wir nutzen auch den Volleyballplatz. Dort ist zum Beispiel das Tischtennis-Angebot. Ein Anlaufpunkt ist auch in der Einstein-Straße in Lauta.

Sie sind inzwischen tief in die Strukturen des Vereins eingetaucht: Was nehmen Sie nach diesen zwölf Monaten ganz persönlich von dieser Arbeit mit?

Stanulla: Ich hatte mit deutlich mehr Aufwand gerechnet. Aber diese Organisation ist dank der vielen Menschen, die sich engagieren, ein Selbstläufer. Die Vereinsarbeit selbst ist trotzdem vielfältig, zum Beispiel, wenn Anträge auslaufen. Die müssen verlängert werden. Die Arbeit ist schon nicht wenig. Aber es ist eine Herzlichkeit untereinander – es ist einfach schön.

Das Durchschnittsalter beim Nachbarschaftshilfeverein liegt bei 71 Jahren. Was will der Vorstand tun, um auch Jüngere für den Verein zu begeistern?

Stanulla: Es ist nicht so, dass wir uns zwingend auf einen Durchschnitt von 50 Jahren verjüngen wollen. Wenn Kinder etwa zur Hausaufgabenhilfe kommen, sagen wir denen nicht, dass sie oder ihre Eltern dafür Mitglied werden müssen. Uns geht es vorrangig um die Generation, die kurz vor der Rente steht oder langsam darüber nachdenkt. Das sind diejenigen, die wir uns als Ziel setzen. Wenn wir das Durchschnittsalter bei 70 Jahren halten können, ist das ein guter Schnitt.