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Hoyerswerda aufbauen, statt abreißen

Zahlreiche Bürger suchten das direkte Gespräch zur Stadtverwaltung und Wohnungsgesellschaft.
Zahlreiche Bürger suchten das direkte Gespräch zur Stadtverwaltung und Wohnungsgesellschaft. FOTO: sob
Hoyerswerda. Ergebnisorientiert und offen wollte die Stadtverwaltung Hoyerswerda am Dienstagabend im Forum mit den weit mehr als 250 Bürgern über die Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Seko) diskutieren. Doch bereits zu Beginn merkte die externe Moderatorin aus Leipzig, Marion Nagel, an, dass einem die Emotionen entgegenschlagen würden. S. Bartholome

Im Zentrum der Versammlung standen vor allem die möglichen Abrisspläne im WK III, andere Maßnahmen im Seko rückten eher in den Hintergrund. Wer Meinungen, Vorschläge oder Kritik loswerden wollte, hatte die Möglichkeit einen Platz im Stuhlkreis auf der Bühne einzunehmen. "Hoyerswerda muss man aufbauen, nicht abreißen", erklärte gleich eine junge Frau zu Beginn. Der Applaus des Publikums gab ihr recht. Kritik wurde vor allem auch dahin gehend laut, dass mögliche Betroffene von Abrissplänen nur aus der Zeitung erfahren hätten. "Wenn wir alle raus müssen, wer bezahlt dann den erneuten Umzug?", warf ein Hoyerswerdaer in den Raum. Die Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft, Margitta Faßl, erklärte, dass Vieles zulasten ihres Unternehmens gehen würde. Nach einer Hausversammlung würde es generell kurz vor Freizug Einzelgespräche mit den Mietern geben, um individuelle Bedürfnisse zu ermitteln.

Wenn aber junge Leute einmal umziehen müssten, würden sie gleich ihre Kisten packen und näher zur Arbeitsstelle ziehen, wie ein weiterer Einwohner anmerkte. Detlef Degner aus Hoyerswerda forderte die Stadtverwaltung auf, gemeinsam mit den Bürgern die Fragen zu klären, wohin die Reise gehen soll. Wie vielen seiner Mitrednern fehlte ihm ebenfalls ein langfristiges Planungskonzept. Dass es dahin gehend in den letzten Jahren Defizite gegeben hätte, räumte Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) ein. Aus diesem Grund hätte es auch diese Bürgerversammlung letztendlich gegeben. "Wir werden uns mindestens noch einmal in dieser großen Runde sehen", so Stefan Skora.

Auch Christian Sternberger, der 1992 weggezogen ist, meldete sich zu Wort. Beim Stadtumbau in den vergangenen Jahren sehe er kein klares Konzept. Es würden eher "Löcher" in der Stadt gerissen und die Innenstadt nicht gestärkt werden. Ob Umbau oder Sanierung eine Alternative zum Abriss wären, war ebenfalls Thema. "Wer glaubt, wenn wir nicht abreißen, dass wir dann das Geld in Modernisierung stecken können, täuscht sich", stellte Margitta Faßl klar. Eine leer stehende Wohnung würde die Wohnungsgesellschaft pro Jahr etwa 1000 Euro kosten. 5800 Wohnungen seien bisher vom Markt genommen wurden. Laut den Bevölkerungsprognosen werde man um Rückbau auch weiterhin nicht drum herumkommen. Die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung hat sich gestern Abend noch einmal zusammengesetzt, um sich noch einmal mit der Fortschreibung des Entwicklungskonzeptes zu beschäftigen. Die Anregungen und Vorschläge sollten dabei berücksichtigt und diskutiert werden.