Jeder konzentriert sich auf seine Aufgabe. Aber erst mal kommt der Presserummel. Die sehr große Schulküche der Kocor-Mittelschule ist für Minuten voller Menschen. „Die Arbeit nicht fallen lassen, einfach weiter machen“ , rät Thomas Strauß vom Verein der Dresdner Köche 1872 vorher noch. Er hat gut Reden: Der Mann mit 38 Berufsjahren ist Geschäftsleiter in der Dresdner Gastronomie. Er versucht, den Schülern die Nervosität zu nehmen, dabei ist es genau sein Urteil, das aus Spaß diesmal Ernst macht.
Wer genug Punkte erkocht - maximal 120 können die Schüler erreichen - tritt am 13. Dezember in Dresden gegeneinander an. Im Januar messen sich die Sieger mit denen von Chemnitz und Leipzig. Das Gewinnerteam nimmt im Mai am Bundesfinale teil.
Strauß bewertet mit geschulten Sinnen nicht nur Gesamteindruck, Geschmack, Konsistenz, Kreativität der fertigen Gerichte. Wie gut ist die Rezeptur, werden alle Waren für maximal 14 Euro und vier Personen verbraucht„ Wie sauber und ordentlich arbeitet das Team, wie präsentiert es die Teller“ „Die Schüler kochen auf einem Riesen-Niveau“ , gibt Strauß eine Zwischenbilanz der Regional-Wettbewerbe.
Die Menü-Vorgabe lautet: Fingerfood, Auflauf und Grütze. Die Rezepte haben die Schüler selbst entwickelt. Die Wittichenauer versuchen es mit Gazpacho (kalte Tomatensuppe), Buchweizenblinis und ummantelten Feigen als Vorspeise. Martin Walter (14) findet, die Blinis sind ihm zu hart geraten. Hauptgerichtbeauftrage Veronika Michauk (16) sagt: „Es war schwierig, die Crêpe-Säckchen mit Sauerkraut und Schinken zusammenzubinden.“ Hinter dem „Übersinnlichen vom Sauerkraut“ steckt eben viel Mühe. Schon bei drei Proben hat das Aprikosen-Gelee mit Sesamkrokant gehalten, diesmal ist es zusammen gefallen. „Es war zu kurz im Kühlschrank“ , ärgert sich Claudia Mark (16) ein bisschen. Nur Isabel Burchardt (14) findet, dass es mit ihrer Deko reibungslos geklappt hat: „Wir haben auf warme Farben geachtet und Pflanzen wie Efeu, damit es natürlich wirkt.“ Mit immerhin 92 Punkten gewinnt das Team. Mit-Jurorin Sylvia Schenker vom Energieversorger EVSE meint: „Vor so vielen Leuten zu kochen, davor habe ich große Achtung. Herr Strauß sieht jeden Fehler. Wir sind da großzügiger.“
Wir, das ist noch der dritte Juror Stefan Jugert, Pressesprecher der Versorgungsbetriebe Hoyerswerda. „Kochen, das ist doch ein Stück Kultur“ , freut er sich über die Leistungen. Für Hoyerswerda steuert Vreni Tischer (14) die bunte Gemüse-Lachs-Platte bei. Die Partytomaten auszuhöhlen, hat ihr am meisten Mühe gemacht: „Die gehen so leicht kaputt.“ Enrico Wilhelm (17), schon wettbewerbserfahren, hat mit der Käse-Milch-Soße gekämpft: „Aber die hat heute zum ersten Mal geklappt.“ Elisa-Maria Richter ist froh, dass sie die Schokolinie um die Rote Grütze trotz zittriger Hände hinbekommen hat. Monique Kuntze hat bei ihrer Deko auf Naturfarben und lockere Eleganz geachtet - mit Erfolg. 91 Punkte gibt die Jury.
Zum Schluss ist es sehr hektisch geworden. „In der ersten Stunde ist jeder Einzelkämpfer. Aber danach muss das gemeinsame Anrichten besser funktionieren“ , analysiert Fachmann Strauß. Er kritisiert ausführlich, hat Brätlinge in kaltem Fett gesehen, oder zu viel Grünstich; das Sauerkrautgericht sei kein Auflauf. Die Grütze ist zerlaufen. Er findet aber auch Gutes: „Mich hat die Ruhe beeindruckt, mit der ihr gearbeitet habt“ , sagt er. Es schmeckt und die Ideen gefallen ihm gut. Und: Bisher gab es für ein Team erst 98 Punkte.
Dass die Jungköche an den Feinheiten arbeiten wollen, daran lassen sie keinen Zweifel. Aufhören? „Nee“ , sagt Isabel Burchardt, „wir wissen jetzt, was wir besser machen können.“