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| 01:04 Uhr

Hoffen auf Hilfe von oben

Bergen.. Lange überlegen muss Claudia Lohmann nicht. Problemlos kann die Geschäftsführerin der Landwirtschaftlichen Produktions- und Handelsgesellschaft in Bergen eine gute halbe Stunde mit ihren Sorgen füllen. Die extreme Trockenheit der vergangenen Monate hat auch ihrem Unternehmen heftig zugesetzt. Ohne Hilfe von oben wird das Überleben schwer. Und darauf hofft Claudia Lohmann am gestrigen Dienstag, als FDP-Bundestagsmitglied Klaus Haupt gemeinsam mit dem agrarpolitischen Sprecher der FDP, Hans-Michael Goldmann, die Probleme der Bauern um Hoyerswerda direkt vor Ort erfahren möchte. Von Christiane Klein

„Das Einzige, was in diesem Jahr wuchs, war der Spargel“ , erinnert sich Claudia Lohmann. Ansonsten setzte die Trockenheit den mageren Sandböden der Lausitz richtig zu. Massive Einbrüche habe es gegeben – beim Getreide und beim Futter. „Der erste Schnitt, bei dem wir normalerweise zwei Drittel des Futters einfahren, brachte diesmal nur 25 bis 40 Prozent“ , erzählt die Geschäftsführerin. Der zweite Schnitt sei komplett ausgefallen. „Nun hoffen wir auf den dritten Schnitt und darauf, dass wenigstens die Maisernte gut ausfällt“ , erklärt Claudia Lohmann. Wenn die ebenfalls bescheiden ausgeht, wird das Futter für die mehr als 1000 Rinder in den Ställen des Bergener Unternehmens knapp. Dann muss teuer nachgekauft werden. Doch der Sparstrumpf der Produk tions- und Handelsgesellschaft ist klein gestrickt. „Die Preise für Milch und Roggen lassen zu wünschen übrig“ , sagt die Landwirtin. Durch die miserablen Erträge werde zudem nicht viel eingenommen. „Optimistisch geschätzt, rechne ich in diesem Jahr mit 285 000 bis 300 000 Euro Verlust“ , legt Claudia Lohmann Zahlen auf den Tisch und bringt Hans-Michael Goldmann und Klaus Haupt zum Staunen. Die schreiben sich die Sorgen der Landwirtin eifrig mit.

Sondersitzung wegen Katastrophe
Schließlich soll das Problem in Berlin auf den Tisch gebracht werden. „Wir überlegen, ob wir eine Sondersitzung einberufen“ , erklärt Hans-Michael Goldmann. Vielen seiner Kollegen seien die Auswirkungen der „Sommerkatastrophe bisher nicht so bewusst“ gewesen. Erst ein Blick bei den Landwirten vor Ort zeige das wahre Ausmaß der Dürre. Mit Pauschalhilfe sei da nicht viel zu machen, hat der FDP-Politiker erkannt. „Wir müssen Einzelfälle betrachten und nach Lösungen für sie suchen.“
Ein Ansatz, den Claudia Lohmann nur begrüßen kann. Die üblichen Liquiditätshilfen und zinsverbilligten Darlehen würden ihr nicht weiterhelfen. „Dazu haben wir uns in den vergangenen Jahren einfach zu viele finanzielle Reserven erarbeitet“ , sagt die Geschäftsführerin. Auch die Notstandsbeihilfen des Freistaates brächten für das Bergener Unternehmen keine wirkliche Unterstützung. „Da liegt die Höchstgrenze bei 10 000 Euro. Das ist ein Lacher“ , kritisiert Lohmann und fordert die Anpassung der Beihilfen. Hinzu kommt, dass diese Unterstützung nur ausgezahlt wird, wenn das Unternehmen 20 bis 30 Prozent Verlust nachweisen kann. Das wird in Bergen schwierig. Denn die Verluste auf den Feldern könne man immer noch ganz gut durch die Erträge in der Milch- und Viehwirtschaft ausgleichen. „Es wäre logischer, wenn ich die Verluste kostenstellenweise abrechnen könnte“ , schlägt Claudia Lohmann vor.
Klaus Haupt und Hans-Michael Goldmann wollen diesen Vorschlag mit nach Berlin nehmen. Ebenso wie die Kritik an der Anhebung der Agrardieselsteuer für Landwirte, dem Wegfall der Interventionspreise und der Kürzung der Subventionen. Thema soll dann auch eine Kurzarbeitsregelung sein. „Die ersten Betriebe fangen an zu kündigen, weil sie ihre Leute über den Winter nicht finanzieren können“ , beschreibt Claudia Lohmann die Lage an der Basis und hofft auch in diesem Punkt auf eine Änderung der Gesetze.

Landwirte fürchten um Existenz
„Wir wollen nicht jammern. Normalerweise kommen wir mit Schwierigkeiten klar“ , betont die Landwirtin. Aber der nasse Herbst 2002, der außergewöhnlich strenge Winter und der enorm trockene Sommer hätten die Landwirte der Lausitz an ihre Grenzen getrieben.