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| 16:00 Uhr

Schwarzkollm
Hochzeit ganz traditionell auf Sorbisch

FOTO: Anja Guhlan
Schwarzkollm. Wenn Sorben heiraten, wird opulent und lang gefeiert. Das Fest verlangt Ausdauer – besonders für den Braschka. Von Anja Guhlan

Eines vorweg: Bei einer evangelisch-sorbischen Hochzeit geht es vielfach hoch her. Manchmal sind mehr als 100 Gäste geladen, das ist keine Seltenheit. Bei der erstmaligen Darstellung der Sorbischen Hochzeit in der Mühlenscheune der Krabat-Mühle in Schwarzkollm sind am Samstagnachmittag „nur“ 61 Gäste der Einladung des Krabat-Vereins gefolgt. Während die Gäste eine traditionelle Hochzeit auf Sorbisch erleben wollten, zielt der Verein darauf, mit der Darstellung altes Brauchtum zu pflegen und erlebbar zu machen.

Pünktlich beginnt die Darstellung mit der Brautabholung. Während sich die nähere Blutsverwandschaft mit einem weiblich-männlichen Spalier vor dem Haus der Braut aufgestellt hat, betritt nur der „Braschka“ als Hochzeitsbitter das Haus der zukünftigen Ehefrau. Der „Braschka“, mit schwarzem Hut und einem Stab in der Hand, wird an diesem Tag, dargestellt von Jens Stephan, die Kontrolle um das Fest behalten und dem Brautpaar alle Wünsche ablesen. Während der „Braschka“ also das Haus betritt, wartet der Bräutigam davor.

Traditionell wird aus dem Haus erst die Hausälteste herausgeführt. Diese Rolle übernimmt Gertrud Winzer, die einstige Initiatorin der Krabat-Mühle. Der Bräutigam betrachtet sie und findet sie – eigentlich hoffend, endlich seine Braut zu sehen – wenig anziehend und schickt sie fort. Als bald darauf ein junges und hübsches Mädchen das Haus verlässt, gefällt dies dem Bräutigam zwar – aber er ist noch nicht zufrieden und weist sie zurück.

Endlich erscheint an der Hand des „Braschkas“ die Braut und der Hochzeitszug beginnt sich zu formatieren: Mit „Braschka“ und dem Brautpaar an der Spitze setzt sich der 23-köpfige Hochzeitszug zu einem Marsch voran. Die Königswarther Blasmusikanten begleiten den Zug musikalisch, während Hochzeitsgäste sich anschließen. Ein imposantes Bild. Nach einem kurzen Stop am Eingangstor für ein Gruppenfoto geht es nun in die Mühlenscheune zum Feiern. Dem Brautpaar, seinem Hofstaat und den nächsten Blutsverwandten wird ein besonderer Tisch eingeräumt.

FOTO: Anja Guhlan

Nach einem kurzen Gebet geht es zur Kaffeetafel über. Im Anschluss stellen der „Braschka“ und Silvia Stephan die Festtrachten vor. „Es ist eine große Ehre eine Tracht zu tragen“, leitet Silvia Stephan ein. Für die Braut beginnt der Tag mit dem Einkleiden bereits am sehr frühen Morgen. Mehr als zwei Stunden wird für das Anlegen der Festtracht veranschlagt. „Allein bei der Braut werden alle Einzelteile mit mehr als 300 Nadeln zusammengesteckt“, erklärt Silvia Stephan das aufwendige Prozedere und fügt hinzu, dass fünf Ankleidedamen notwendig waren, um alle Hochzeitsgäste mit Fundusstücken aus Schwarzkollm anzukleiden. Ein Dank, so gesteht sie, gelte hier Heidemarie List, die all diese Trachten mühevoll für die Darstellung aufgearbeitet hat. Die Grundfarbe der Braut ist Grün, weil es für Hoffnung steht. Generell ist die Braut schlicht und einfach dargestellt und dennoch sehr festlich in mehreren Lagen gekleidet. Der Bräutigam hingegen ist ebenfalls schlicht in einem schwarzen Frack mit Zylinder und Fliege gekleidet.

Viel imposanter wirken da schon die Festtrachten der zwei „Druschkas“, die Brautjungfern sowie der Sanama, der stellvertretenden Brautmutter. Sie tragen Netze aus bunten Perlen auf der Brust, die von den Schauspielern  und sicher auch von den „echten Brautjungfern“ Standhaftigkeit abverlangen. „Da kommen schnell ein paar Kilo zusammen“, meint eine von ihnen mit einem Lächeln. Die unverheirateten Druschka tragen als Grundfarbe Rot, da es für feurige Jugend steht.

Das traditionelle Mahl besteht anschließend aus vier Gängen. Und die Sorben sind ja für Schlemmereien bekannt: In der sorbischen Hochzeitssuppe muss auf jeden Fall Eierstich und Gemüse sein. Danach kommt Rindfleisch mit Meeretich und Brot, gefolgt meist von Kalbsbraten und einem Dessert. Bei der Darstellung sind es, drei Gänge, die den Schauspielern aber dennoch sehr munden.

Bei der traditionellen Schenkung werden symbolhaft Präsente für den Kindersegen oder den Wohlstand übergeben. Etwas krude wirkt es dann aber, als für den Wohlstand eine richtige Gans dem Brautpaar übergeben wird, der die Braut eine Feder ausreißen soll. Ist diese Aufgabe geschafft, wird dem Tier als Dank ein Schnaps gereicht. Alle Gäste, die das Brautpaar beschenken, bekommen freilich auch einen Schnaps ihrer Wahl. Auch auf vier Tellern – einem mit einem Taschenmesser für den „Braschka“, einem mit Salz für die Köchin, einem mit einem Strohkranz für die Bedienung und einem mit einem Mundstück der Kapelle – können die Gäste mit Gaben füllen.

Zum Schluss huldigt man die Hochzeit weiter dem Tanz bis tief in die Nacht hinein, zu dem traditionell andere Trachten angezogen werden. Warum die Sorben am Ende solch eine Lust am Feiern haben, ist verständlich: Es ist eine Art, eine andere Kultur zu bewahren...