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Historischer Grenzstein ist verschollen

Bernsdorf. In Bernsdorf ist ein historischer Grenzstein, den die Arbeitsgruppe Stadtgeschichte vor zwei Jahren bergen ließ, jetzt auf rätselhafte Weise spurlos verschwunden. Der Verlust wurde erst vor wenigen Tagen öffentlich, nachdem die Bernsdorfer Geschichtsforscher sich während einer Stadtratssitzung nach dem Verbleib des steinernen Zeitzeugen erkundigten. cw/ahu

Doch im Bauhof, wo der Stein vor zwei Jahren eingelagert wurde, ist er inzwischen nicht mehr auffindbar.

Im Jahr 2014 hatte die AG Stadtgeschichte Bernsdorf wegen beginnender Bauarbeiten am Gebäude August-Bebel-Straße 1 die Stadtverwaltung um die Sicherstellung eines historischen Grenzsteines gebeten. Der Granitstein, der dort an der Grundstücksgrenze zur Wittichenauer Straße hin tief im Boden steckte, gehört zu einer Reihe von historischen Gemarkungssteinen, die die Grenzen des einstigen Rittergutes Bernsdorf anzeigten. Die Hobbyhistoriker wollten den Grenzstein sichern lassen, um ihn später wieder an gleicher Stelle aufzustellen.

Allerdings war die Inschrift an dem Stein schon sehr verwittert - was erst recht auf ein hohes Alter schließen lässt. Mit Unterstützung durch den städtischen Bauhof wurde der Stein 2014 geborgen und auf dem Gelände des Bauhofes eingelagert.

Vor wenigen Wochen wollte sich Manfred Petschke von der AG Stadtgeschichte nun über den Zustand des Steins informieren. Parallel fragte die Stadträtin und AG-Vorsitzende Dr. Konstanze Höhne im Rathaus an, ob der Stein nun im Zuge der 2017 geplanten Straßensanierungsarbeiten an der Wittichenauer Straße am alten Platz wieder aufgestellt werden könnte.

Die Anfrage löste allerdings hektisches Suchen aus - denn der Stein ist derzeit auf dem städtischen Bauhofgelände nicht mehr aufzufinden. "Wohin er gekommen ist, kann im Moment keiner sagen", erklärte Bürgermeister Harry Habel während der jüngsten Stadtratssitzung. Die Stadt gehe nicht von einem Diebstahl aus. "Dazu ist der Granitbrocken viel zu schwer", so Habel. Viel eher stehe zu befürchten, dass der Grenzstein von Bauhof-Mitarbeitern versehentlich als Bauschutt deklariert und an einem unbekannten Ort mit verschüttet oder abtransportiert wurde. "Das ist die wahrscheinlichere Variante", räumte der Bürgermeister ein.

Für die Mitglieder der AG Stadtgeschichte ist die ganze Sache mehr als ärgerlich und für die Stadt ziemlich peinlich. "Das ist der Verlust eines Stückchens Stadthistorie - das ist sehr schade", ärgert sich Konstanze Höhne. Sie räumt zwar ein, dass der Stein unscheinbar aussah und ihm der historische Wert nicht anzusehen war. "Aber trotzdem hätte das nicht passieren dürfen."

Eine letzte, kleine Hoffnung setzt die Vorsitzende der Arbeitsgruppe nun auf die Öffentlichkeit. Vielleicht hat ja doch jemand bemerkt, wo der Stein hingekommen sein könnte - ob als Füllmaterial oder anderer Baustoff. Hinweise sollten im Rathaus oder auch bei den Mitgliedern der AG Stadtgeschichte abgegeben werden.