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Hilfspolizisten sollen Asylbewerber in Bautzen beschützen

Polizeibeamte stehen am 15.09.2016 in Bautzen (Sachsen) auf der "Platte", dem Kornmarkt Versammlungsteilnehmern aus dem politisch rechten Spektrum gegenüber. Nach Ausschreitungen am 14.09.2016 versammelten sich am 15.09.2016 rund 350 Personen auf dem Bautzener Kornmarkt. Zunächst blieb es friedlich. Foto: Xcitepress/dpa (zu dpa "Mehr Polizei nach Bautzener Krawallnacht - Demos am Wochenende" vom 16.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Polizeibeamte stehen am 15.09.2016 in Bautzen (Sachsen) auf der "Platte", dem Kornmarkt Versammlungsteilnehmern aus dem politisch rechten Spektrum gegenüber. Nach Ausschreitungen am 14.09.2016 versammelten sich am 15.09.2016 rund 350 Personen auf dem Bautzener Kornmarkt. Zunächst blieb es friedlich. Foto: Xcitepress/dpa (zu dpa "Mehr Polizei nach Bautzener Krawallnacht - Demos am Wochenende" vom 16.09.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Xcitepress (Xcitepress)
Bautzen. In der Polizeidirektion Görlitz haben die ersten sieben Wachpolizisten ihren Dienst angetreten. Sie sollen Sachsen Sicherheitskräfte entlasten. Einsatzort der Hilfspolizisten sollen die Asylbewerberunterkünfte in Bautzen sein, wie die Polizei am Dienstag informierte. dpa/bob

Nach den Ausschreitungen zwischen jungen Flüchtlingen und Rechtsextremen in Bautzen sollen die Wachpolizisten die Einsatzkräfte vor Ort entlasten. "Die sechs Männer und eine Frau wurden in einer dreimonatigen Ausbildung gut auf ihre Aufgaben vorbereitet. Auch auf persönlichen Wunsch hin wurden sie in die Oberlausitz umgesetzt", erklärt Kriminaldirektor Klaus Mehlberg. Einsatzort soll die Bewachung der Asylbewerberunterkünfte im Revierbereich Bautzen sein.

Bisher habe der Streifendienst die Überwachung der Flüchtlingsunterkünfte in der Region übernommen, erklärte ein Polizeisprecher. Werden dafür nun Wachpolizisten eingesetzt, könne das für eine Entlastung der Polizei sorgen und die Kollegen könnten für andere Aufgaben eingesetzt werden, so der Sprecher.

Der Einsatz der in zwölf Wochen notdürftig ausgebildeten Wachpolizisten ist umstritten. SPD-Innenminister lehnen den Vorschlag ab. "Polizeiarbeit braucht Profis und keine Amateure", erklärte etwa Innenminister Ralf Jäger aus Nordrhein-Westfalen. Eine "Polizei-Light" könne nicht der richtige Weg sein, betonte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius. Auch die Gewerkschaft der Polizei (GDP) sieht die Hilfspolizisten kritisch. "Wenn jetzt übereilt Wachpolizisten eingestellt, in einem Crashkurs in nur wenigen Wochen ausgebildet werden und danach über zahlreiche tiefgreifende Befugnisse verfügen, ist das Flickwerk an einer verschlissenen Personaldecke auf Kosten der inneren Sicherheit", kritisiert Vize-Chef Jörg Radek.

Mitte September war Bautzen in die Schlagzeilen geraten, als sich etwa 80 Rechte und 20 junge Asylbewerber auf dem Kornmarkt gegenseitig mit Flaschen und Steinen attackierten. Die Flüchtlinge wurden anschließend von Rechtsextremen durch die Stadt getrieben und bis zu ihrer Unterkunft verfolgt. Tagelang waren Großaufgebote der Polizei nötig, um die Lage in der Stadt zu befrieden.