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Hoyerswerda
Hierbleiben oder weggehen?

Marija Skvoznikova
Marija Skvoznikova FOTO: Catrin Wuerz / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Ein vom Jugendstadtrat initiierter Film über die Perspektiven im Lausitzer Seenland macht jetzt die Runde. Am Wochenende nimmt er am „Sieben-Minuten“-Filmfest in der Kufa teil.

„Hierbleiben oder Weggehen?“ – dieser Frage hat sich im Sommer eine Handvoll Jugendlicher aus Hoyerswerda gestellt. Sie sind mit der Kamera losgezogen, um eben diese Frage auch anderen Menschen zu stellen. Entstanden ist dabei ein knapp sechs Minuten langer Videofilm, der seit ein paar Wochen die Runde macht. Vor Kurzem wurde er im Hoyerswerdaer Stadtrat gezeigt – und am kommenden Wochenende ist er nun auch Teilnehmer des Amateurfilmfestes „Sieben Minuten“ in der Kulturfabrik.

Die filmische Umfrage ist das wichtigste Projekt des vor einem Jahr konstituierten Jugendstadtrates in Hoyerswerda. „Alle reden nur immer, dass hier nichts los sei und viele streben in die großen Städte. Wir wollten aber mit unserem Filmprojekt zeigen, dass das nicht stimmt“, erinnert sich Marija Skvoznikova an den Anfang der Überlegungen vor genau einem Jahr. Die Foucault-Gymnasiastin war damals gerade zur neuen Vorsitzenden des Hoyerswerdaer Jugendstadtrates gewählt worden. Sie hatte sich gemeinsam mit ihren Mitstreitern auf die Fahnen geschrieben, das Thema „Hierbleiben“ in Hoyerswerda mal zu beleuchten.

Die Umfrage erschien den Jugendstadträten als die geeignetste Form. Befragt wurden Unternehmer, Klinikum-Mitarbeiter, Auszubildende, Schüler und Studenten, die hier wohnen.

Die Dreharbeiten und die Interviews hatten Schüler aus den 11. Klassen des Foucault-Gymnasiums im Rahmen ihrer großen Abschluss-Projektwoche durchgeführt.  Mancher der Befragten schwärmte vor der Kamera von den zahllosen Freizeitmöglichkeiten im Seenland, andere hoben ihre Karrierechancen und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten hervor. „Am Ende gab es das Bild, das wir uns natürlich auch gewünscht hatten: Die meisten favorisierten das Hierbleiben und nicht das Weggehen“, erzählt Marija.

Die 16-Jährige ist am Montag nun bereits zum zweiten Mal zur Vorsitzenden des Hoyerswerdaer Jugendstadtrates gewählt worden. Dem neuen kommunalen Jugendparlament 2017/18 gehören elf Mitstreiter aus allen Gymnasien und den beiden Oberschulen der Stadt an. Der Arbeitsplan für das bevorstehende Jahr hat auch bereits einen Hauptpunkt: Die Videoreihe „Hierbleiben oder Weggehen?“ soll 2018 eine Fortsetzung bekommen. Zum zweiten Mal werden dann Menschen aus der Region vor die Kamera gebeten. „Diesmal unter dem Aspekt ,Wiederkommen’“, sagt die Elftklässlerin. Das Kamerateam will sich dann also Hoyerswerdaer suchen, die bereits einmal für ein paar Jahre in der Ferne gelebt haben und dann zurück in die Heimat gekommen sind.

Marija hofft, dass die kleinen Videofilme nicht nur heute eine Rolle spielen, sondern vielleicht auch noch in zwei oder drei Jahren anderen Schülern einen Denkanstoß geben.

Am Samstag, 21. Oktober, wird „Hierbleiben oder Weggehen“ nun zunächst auch im Wettbewerb des Amateurfilmfestes „Sieben Minuten“ starten. Dass das von Schülern selbst gedrehte, geschnittene und produzierte Video unter der magischen Grenze von sieben Minuten blieb, „das war eher Zufall“, sagt Marija Skvoznikova. Die Kurzfilm-Dauer ist Voraussetzung für die Teilnahme an dem Wettbewerb. „Aber wir freuen uns, dabei sein zu können. Und wir sind schon sehr gespannt“, so die 16-Jährige.

Freilich hat sich der Jugendstadtrat für das vor ihm liegende Jahr auch noch andere wichtige Aufgaben ins Heft geschrieben. So soll es kurz vor dem Sommer zum dritten Mal einen „Langen Tag der Vereine“ geben. Das Datum wollen die Hoyerswerdaer Jugendlichen diesmal von der 48-Stunden-Aktionen des Landkreises abkoppeln, um frei zu sein für die eigene Terminwahl.

Von Stadträten verschiedener Fraktionen wurden die Schüler des Jugendstadtrates auch auf die Unterführung am Bahnhaltepunkt Hoyerswerda/Neustadt aufmerksam gemacht. Das durch zahllose Grafitti verunstaltete Areal könnte über einen Grafitti-Wettbewerb vielleicht ein besseres Aussehen bekommen. „Wir denken nach, ob wir als Jugendstadtrat solch einen Wettbewerb ausschreiben“, sagt die Foucault-Schülerin.

Sich einmischen, aber auch selbst etwas auf die Beine stellen – so verstehe der Jugendstadtrat seine Aufgabe, sagt die frischgewählte Vorsitzende. Zwar gibt es in diesem Jahr mit neun von elf sehr viele neue Mitstreiter im Jugendstadtrat. Aber man wolle zielstrebig loslegen. Schon am 13. November findet die nächste Arbeitsberatung des Jugendparlamentes im Neuen Rathaus von Hoyerswerda statt.