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| 13:03 Uhr

Bundesfreiwilligendienst
Heute ein Bufdi und morgen Studentin der Medizin

Dieter Janz mit seiner Mutter Gudrun Janz, um die sich Bufdi Marie-Therese Fiedler liebevoll kümmert.Gleich geht‘s los zum Spaziergang.
Dieter Janz mit seiner Mutter Gudrun Janz, um die sich Bufdi Marie-Therese Fiedler liebevoll kümmert.Gleich geht‘s los zum Spaziergang. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Arzt zu werden ist ein langer Weg. Er beginnt schon vor dem Studium. So erlebt es jetzt Marie-Therese Fiedler. Ihre Zukunft kann sie sich als Medizinerin auf dem Land vorstellen. Von Katrin Demczenko

Marie-Therese Fiedler möchte Ärztin werden. 2017 war sie am Lessing-Gymnasium Abiturientin. Aber aufgrund der deutschlandweit beliebten Studienrichtung Medizin kann sie nicht sofort nach dem Abi studieren. Sich mit einem guten Abiturzeugnis an mehreren Hochschulen und Universitäten zu bewerben ist natürlich Usus. Bei manchen Universitäten verbessert der erfolgreich abgelegte Mediziner-Test – dabei werden unter anderem Konzentrationsvermögen, räumliches Denken und das Bearbeiten komplexer Texte geprüft – die Chance auf den gewünschten Studienplatz. Wer Praktika im Bereich Alten- und/oder Krankenpflege leistet, kann sich ebenfalls als Student empfehlen, erklärt Marie-Therese Fiedler warum sie jetzt ein Bufdi ist.

Die 19-Jährige ging deshalb nach dem Abi erst einmal in die praktische Arbeit mit kranken und alten Menschen. Zwei Monate war sie Praktikantin am Malteser Krankenhaus Kamenz in der Fachabteilung für Chirurgie und erlebte, was alles hinter den Kulissen organisiert werden muss, um Patienten zu helfen. Jetzt lernt die junge Frau bis Juni als Bundesfreiwilligendienstlerin (Bufdi) die Pflege von Menschen im Altenhilfezentrum Laurentius-Haus Hoy­erswerda kennen.

Im Wohnbereich Sonnenblick führt sie frühmorgens die Grundpflege an einigen der 24 Senioren aus. Das heißt, sie hilft beim Waschen und Anziehen. Wenn nötig, setzt Marie-Therese Fiedler Bewohner gemeinsam mit einer Kollegin in ihre Rollstühle. Dann wird das Frühstück vorbereitet und wer beim Essen Hilfe braucht, wird unterstützt. Ähnlich läuft das bei der Mittagsmahlzeit ab und in der Spätschicht beim Abendbrot sowie vor dem Zubettgehen.

Die junge Frau beobachtet Altenpfleger auch bei der Medikamentengabe und hat schon Schwierigkeiten erlebt, wenn demente Menschen nicht mehr wissen, dass eine Pille zum Einnehmen da ist. Mit Ruhe und liebevoller Zuwendung werden solche Situationen gemeistert, so ihre Erfahrung, die sie jetzt gemacht hat.

Der Höhepunkt des Tages ist, wenn Marie-Therese Fiedler Senioren zum Hauskiosk begleitet oder mit ihnen spazieren geht. Das regt den Kreislauf an und bringt neue Eindrücke, zum Beispiel beim Erleben der Jahreszeiten. Immer versucht die junge Frau, mit den Bewohnern des Laurentius-Hauses zu sprechen, in Kontakt mit ihnen zu kommen. Die Menschen sind froh über liebevolle Zuwendung, stellte sie fest und sagt: „So oft wie hier hab ich noch nie ein Danke gehört.“ Sie hat auch das Sterben schon erlebt und ganz selbstverständlich als letzten Teil des Lebens wahrgenommen.

„Bufdis können sich in der Pflege ausprobieren, Krankheitsbilder und ihre Auswirkungen kennenlernen“, fasst die Leiterin des Laurentius-Hauses Silke Eichler zusammen.

Nach dem Studium könnte sich Marie-Therese Fiedler vorstellen, als Allgemeinmedizinerin aufs Land zu gehen und begründet das mit der seit Jahren unbefriedigenden Hausarztsituation in ihrem Wohnort Lauta. „Da muss man doch was tun“, ist das abschließende Statement der künftigen Medizinstudentin.