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Heute Daumendrücken für Sarah

Sarah zieht es auf die Opernbühne. Heute tritt sie beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" an.
Sarah zieht es auf die Opernbühne. Heute tritt sie beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" an. FOTO: M. Fürst/mft1
Hoyerswerda/Bernsdorf. Die junge Bernsdorferin will beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" die volle Punktzahl erreichen. Vor dem Auftritt hat sie keine Angst, aber vor Schnupfen. Mandy Fürst / mft1

Heute um 17.45 Uhr gilt es in Hoyerswerda, so fest die Daumen zu drücken, wie es nur geht. Schließlich muss die Kraft der guten Wünsche 517 Kilometer weit bis nach Paderborn reichen. Dort wird um diese Zeit eine der besten Sängerinnen aus Hoyerswerda beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" vorsingen.

Erst im April, beim Eröffnungskonzert der Musikfesttage, hatte Sarah Claudia Müller die hiesigen Freunde klassischer Musik verzaubert. Nun gilt es für die 16-jährige Schülerin aus dem Musikspezialzweig des Lessing-Gymnasiums in einem Feld von mehr als 60 Nachwuchssängern der Jahrgänge 1999 und 2000 zu bestehen.

Neun Lieder - von Scarlatti, Bach, Wolf, Eisler und Verdi - hat Sarah für ihren Auftritt vorbereitet. In der sechsköpfigen Jury sitzen so hochkarätige Musiker wie Friedrich Reichel, seines Zeichens Sächsischer Musikrat, Michael Gehrke, Professor für Gesang an der Hochschule "Franz Liszt" Weimar oder auch Annette Kleine, Konzertsängerin und Dozentin an der Universität Münster.

Bereits zum dritten Mal hat Sarah, eine gebürtige Neapolitanerin mit griechischen Wurzeln, den langen Weg über den Regional- zum Landes- und schließlich in den Bundeswettbewerb erfolgreich beschritten. War sie 2014 aus Braunschweig/Wolfenbüttel und 2015 aus Hamburg mit jeweils 22 von 25 möglichen Punkten und einem zweiten Preis nach Hause gekommen, hat sie sich - für diesen wie für jeden "Jugend musiziert"-Auftritt - ganz klar mindestens 24 Punkte und damit einen ersten Preis zum Ziel gesetzt. Zuletzt war ihr beim Landeswettbewerb im März die volle Punktzahl gelungen.

Bei diesem Anspruch können die leichte Routine der bisherigen Ausscheide und die pure Freude, die Sarah ihren Zuhörern, vor allem aber sich selbst beim Singen bereitet, sicher nicht schaden. Daher macht Sarah der Auftritt nicht Angst, sondern die allgegenwärtige Gefahr der Ansteckung mit einem Schnupfen. Jeder Aufenthalt in einem Raum mit hustenden Menschen fällt ihr schwer. In der hintersten Zuschauerreihe wartete Sarah daher am Mittwoch auf ihr Vorsingen zur Musizierstunde, die ihre letzte Probe vor Publikum und mit Korrepetitorin Solveig Seiler war.

Für die Klavierbegleiterin und für ihre Gesangslehrerin Anne Schaab hat Sarahs Erfolg regelmäßige Folgen, tauschen die Musikerinnen doch das freie Wochenende oder gar berufliche Engagements gegen die Wettbewerbsfahrt mit ihrem Schützling ein. Für dieses Engagement und die vielfältige Unterstützung der Musikschule und von ihrer Familie ist Sarah unendlich dankbar.

Doch auch ihr selbst verlangt die Ausbildung einiges ab. Eine Stunde versucht die Zehntklässlerin täglich konzentriert zu üben. Anders sei eine hohe Qualität des Gesangs nicht zu halten, sagt Sarah, die es übrigens auf die Opernbühnen dieser Welt zieht. Der Weg dorthin wird die Bernsdorferin nach dem Abitur an eine Universität führen. Welche das sein wird, ist noch offen.

Zunächst aber dreht sich alles um den heutigen Auftritt. Lockerlassen müsse Sarah, die Kopflast und den Drang nach Perfektion für ein halbes Stündchen verdrängen, um frei zu singen, rät Anne Schaab ihrer Schülerin. Die kleinen Hürden, wie das viel zu kurze und per Stoppuhr diktierte Einsingen und Ansingen im Wettbewerbsraum, werden sie wie immer gemeinsam meistern. "Bei uns funktioniert alles mit Telepathie", beschreibt Sarah das Verhältnis zu ihrer Lehrerin. Und so brauchen beide für die Auswertung der Generalprobe nur einen kleinen Notizzettel mit kurzen Stichworten. Am Wichtigsten war sowieso das strahlende Lächeln, mit dem Sarah nach ihrem Vortrag von der Bühne gegangen ist. Wenn sie nach ihrem Wettbewerbskonzert heute Abend so strahlt, dann hat Hoyerswerda ihr richtig gut die Daumen gedrückt.