ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:50 Uhr

Herzhaftes Lachen erfüllt die Johanneskirche

Stephan Graf von Bothmer improvisierte auf der Orgel zu vier Kurzfilmen von Dick und Doof. Über den Monitor konnte er die Filme sehen.
Stephan Graf von Bothmer improvisierte auf der Orgel zu vier Kurzfilmen von Dick und Doof. Über den Monitor konnte er die Filme sehen. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Stummfilm mit Livemusik ist in der heutigen Zeit etwas Besonderes und gleicht einer Zeitreise an den Anfang des 20. Jahrhunderts. dcz1

Am Freitag war ein solches Ereignis im Rahmen der 48. Musikfesttage in der Johanneskirche Hoyerswerda zu erleben. Vom Jugendlichen bis zum Rentner reichte die Spannbreite der Besucher. Sie sahen auf einer Leinwand die unsterblichen Slapsticks des Komikerduos Stan Laurel und Oliver Hardy. Der bekannte deutsche Stummfilmmusiker Stephan Graf von Bothmer improvisierte auf der Eule-Orgel zu vier Kurzfilmen von "Dick und Doof" die passende Musik. 100 Minuten dauerte das fröhliche Spektakel.

In einem Film "erzählten" Stan und Ollie ihren Ehefrauen durchschaubare Notlügengeschichten, in einem anderen waren sie im Auftrag eines verrückten Wissenschaftlers nachts auf einem Friedhof unterwegs. Als Straßenverkäufer boten sie im sonnigen Kalifornien erfolglos Weihnachtsbäume an und als Gefängnis-Ausbrecher foppten sie einen Polizisten, der sie jagte.

Jede Geschichte, jede Szene verlangte von dem Organisten ein exaktes Eingehen auf ihren Inhalt und Charakter. Graf von Bothmer ließ punktgenau Türklingeln und Telefone schellen und beschrieb musikalisch den eskalierenden Streit zwischen den Weihnachtsbaumverkäufern und dem unwilligen Käufer, die sich gegenseitig immer heftiger ihren Besitz zerstörten. Auch die Passivität der gaffenden Nachbarn und des herbeigerufenen Polizisten war nicht nur bildlich zu erleben. Der Organist stellte mit Orgelklängen auch die Furcht des Komikerduos auf dem Friedhof dar und ihre nackte Angst in luftiger Höhe auf der Baustelle eines Wolkenkratzers. Dorthin waren Stan und Ollie als entflohene Sträflinge in ihrem wohl spektakulärsten Film "Liberty" geflüchtet.

Um die Stummfilme in Echtzeit begleiten zu können, sah Graf von Bothmer sie auf einem kleinen Tablet-PC, den er anstatt von Noten auf der Orgel stehen hatte.

Er sagte: "Die Orgel ist genauso ambivalent wie der Mensch. Die Posaunen der Hölle kann sie genauso hervorbringen wie sphärische Klänge." Mit dieser Aussage spielte der Künstler auf alle menschlichen Eigenschaften an, die in den Filmen dargestellt und von ihm musikalisch interpretiert werden. Stummfilme würden erst auf einer großen Leinwand ihren Reiz entfalten und solche Aufführungen sollten in Gotteshäusern ihren Platz haben. Alles, was zum Menschen gehört, gehört auch in die Kirche, habe ihm einmal ein Pfarrer gesagt.

Die Besucher waren meist neugierig zu der Aufführung gekommen und äußerten sich hinterher begeistert. So viel herzhaftes Lachen tut einer Kirche gut.