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Herbstfeuer in der Energiefabrik
Handwerk entfacht das Feuer der Begeisterung

Jürgen Hielscher (r.) bearbeitet Speckstein.
Jürgen Hielscher (r.) bearbeitet Speckstein. FOTO: Demczenko Katrin
Knappenrode. Energiefabrik Knappenrode gewährt über die Industriegeschichte der Kohle hinaus auch Einblick in das historische Handwerk.

Die Energiefabrik Knappenrode gewährt spannende Einblicke in die Lausitzer Industriegeschichte der Braunkohle, aber auch ins alte Handwerk. Ein traditionelles Herbstfeuer haben Vereine hier nun entfacht, die das Leben in der Lausitz erforschen und Traditionen bewahren. Der Eysenkraut-Verein aus Lauchhammer hat mittelalterliche Techniken am Wochenende vor allem begeisterten Kindern gezeigt. Die Truppe ist zum wiederholten Mal zu Gast auf dem beeindruckenden Terrain der Werminghoffschen Brikettfabrik.

Leonie und Amelie aus Wittichenau interessiert, wie Speckstein bearbeitet wird. Die Mädchen lieben selbst gestalteten Schmuck. Jürgen Hielscher sägt ein kleines Herz aus dem leicht zu bearbeitenden Material. Leonie gibt ihm mit Feile und Schleifpapier geschickt die endgültige Form. Die Mädchen erfahren mit der Familie bei der Arbeit, dass in vorchristlicher Zeit auf Kreta und Jahrhunderte später von den Wikingern aus Speckstein Trink- und Kochgefäße hergestellt wurden. Heute wird das Material in Norwegen im Ofenbau verwendet. Und als Pulver ist es auch Bestandteil von Babypuder.

Wolfgang Streich zeigt das Seilerhandwerk.
Wolfgang Streich zeigt das Seilerhandwerk. FOTO: Demczenko Katrin

„Der Seiler hat schon im Mittelalter auf handbetriebenen Maschinen aus Hanf- und Sisalfasern haltbare Wäscheleinen und Stricke für die Landwirtschaft hergestellt“, erzählt Wolfgang Streich. Für die Besucher fertigt er dreilitzige Seile aus bunten Wollfäden an, die er auf drei Haken am Seilergeschirr befestigt. Der Zweitklässler Julien darf am Seilerwagen kurbeln. Und Wolfgang Streich erreicht mit dem Führungsdorn, dass sich die zwölf Fäden kontrolliert verdrillen. Da Julien gern bastelt, ist Mutter Stefanie Henze mit ihm nach Knappenrode gekommen. „Ich freue mich über die tollen Kreativangebote für Kinder in der Energiefabrik“, lobt sie.

Christine Muth zeigt das Weben.
Christine Muth zeigt das Weben. FOTO: Demczenko Katrin

John aus Hoyerswerda fertigt sich am Stand von Doreen Lechel ein Lederarmband an, dem er mit verschiedenen Prägestempeln ein individuelles Aussehen gibt. „Das Leder muss feucht sein und auf der glänzenden Außenseite verziert werden“, erklärt die versierte Handwerkerin. Dann darf der Junge den Stempel ansetzen und jedes Motiv mit einem gezielten Hammerschlag im Leder verewigen. „Die Technik des Lederprägens ist vor vielen Jahrhunderten aus Ägypten nach Europa gekommen“, erklärt Doreen Lechel. Johns Vater Gerd Häuser besucht die Energiefabrik mit dem Sohn öfter. „Die Kinderveranstaltungen und die Sonderausstellungen mit ihren vielfältigen Themen sind toll“, sagt er.

Doreen Lechel bastelt Lederarmbänder.
Doreen Lechel bastelt Lederarmbänder. FOTO: Demczenko Katrin

Das Prinzip des Bandwebens lernt Leni aus Freiberg in Sachsen bei Christine Muth. Der Kamm hilft. Durch die auf alle Zinken des hölzernen Gerätes aufgefädelten und am anderen Ende des einfachen Webstuhls verknoteten roten und blauen Wollfäden führt das Mädchen das Schiffchen mit roter Wolle geduldig hin und her. So erzeugt sie ein Wollband. Mit Mutter Madeleine Kurras ist sie in der Lausitz zu Gast. Beide haben die ganze Energiefabrik erkundet. Mit einem Fabrikrundgang und Fahrt auf der Draisine – das lebendige Museum fasziniert die Urlauber.

(dmz)