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Helfer halten Bau von Flüchtlings-Unterkünften in Gewerbegebieten für falsch

Hoyerswerda. Neubau von Flüchtlings-Unterkünften in Gewerbegebieten? Die Hoyerswerdaer Helfer-Initiative übt Kritik am Vorstoß der Kreisverwaltung. Beim Umbau vorhandener Gebäude hadert das Landratsamt mit hohen Kosten. Sascha Klein

Die Initiative "Hoyerswerda hilft mit Herz" reagiert skeptisch auf die Idee der Kreisverwaltung, neue Flüchtlingsheime auf brachliegenden Gewerbeflächen zu bauen (die RUNDSCHAU berichtete). "Wir sehen diese Pläne sehr kritisch", so Sprecherin Grit Maroske. "Es sollte unser Ziel sein, Flüchtlinge nicht nur aufzunehmen und ‚irgendwie' unterzubringen, sondern ihnen einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft anzubieten."

Geflüchtete Menschen leiden laut der Initiative "Hoyerswerda hilft mit Herz" in den Gemeinschaftsunterkünften unter Isolation und Ausgrenzung. Dies werde sich nicht verbessern, wenn sie dort wohnen sollen, wo sonst kein Einheimischer wohnen darf. "Flüchtlinge möchten am Leben teilnehmen, sie möchten Kontakt zur Bevölkerung und ein Teil der sozialen Gemeinschaft sein. Das ist in Gewerbegebieten nicht möglich", sagt Grit Maroske. Der Geschäftsführer des sächsischen Flüchtlingsrats, Ali Moradi, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Landrat Michael Harig (CDU) hatte am Donnerstag erklärt, aufgrund der weiterhin hohen Flüchtlingszahlen sei es für den Landkreis kaum noch möglich, geeignete Gebäude zu finden.

70 Prozent Ledige

Die Kreisverwaltung setzt weiterhin auf zentrale Unterbringung von Flüchtlingen in Heimen. Das habe jedoch auch mit der Zuweisung von Asylbewerbern durch den Freistaat zu tun. Wie Landrat Harig betont, würden dem Kreis Bautzen zurzeit 70 Prozent Ledige zugewiesen. Diese sollen nach Plänen der Verwaltung nicht in Wohnungen untergebracht werden. Der Grund: Es rechnet sich nicht. Eine dezentrale Unterbringung müsse auch wirtschaftlich sein, sagt Gritt Borrmann-Arndt, Leiterin der Stabsstelle Asyl beim Landratsamt, mit Blick auf den engen Kreishaushalt. In Wohnungen will die Ausländerbehörde vornehmlich Familien einquartieren. Laut Landratsamt ist eine Familie mit zwei Kindern wirtschaftlich unterzubringen. Zudem würden sich Vermieter gegen WG-Modelle wehren - wenn zum Beispiel mehrere ledige Männer gemeinsam untergebracht werden sollen, so Gritt Borrmann-Arndt.

In diesem Jahr erwartet die Bautzener Kreisverwaltung etwa 1250 Flüchtlinge, knapp 340 sind bis Mitte April bereits aufgenommen worden. Für Landrat Michael Harig ist der Flüchtlingsstrom aus Russland, Afrika und dem Nahen Osten "der größte seit Ende des Zweiten Weltkriegs". Zurzeit leben 1350 Asylbewerber im Kreis Bautzen. Ordnungsamtsleiter René Burk rechnet damit, dass rund 500 Menschen, die bereits in der Region sind oder noch zugewiesen werden, den Landkreis bis zum Jahresende wieder verlassen. Das bedeutet: Etwa 2100 Flüchtlinge könnten Ende 2015 im Landkreis leben.

Problem: Baukosten

An Angeboten für neue Flüchtlingsunterkünfte mangelt es laut Gritt Borrmann-Arndt nicht. Das Problem seien die Kosten und die Bauzeit. Der Umbau eines bestehenden Hauses - etwa eine alte Schule wie im Fall Hoyerswerda - brauche etwa vier bis fünf Monate Zeit, plus einen Monat Luft für Verzögerungen. Dazu müsse das Gebäude noch recht gut in Schuss sein. Michael Harig sagt: "Wir stoßen an die Grenzen der Bestandsimmobilien." Das bedeutet: Die Häuser, die sowohl in Sachen Größe und Zustand in den Rahmen passen, sind dünn gesät. Die Kreisverwaltung vermutet, dass es speziell im Sommer zu Engpässen bei der Unterbringung neu hinzukommender Flüchtlinge kommt.

Zum Thema:
Der größte Anteil von Flüchtlingen im Kreis Bautzen stammt aus Regionen, die zu Russland gehören (185). Auf Platz zwei und drei folgen Menschen aus dem Kosovo und aus Syrien (je 130). Der Anteil Syrer wird laut Landratsamt jedoch größer werden. Auf Platz vier bis zehn der Staatsangehörigkeiten sind: Tunesien (110), Serbien (102), Indien (82), Albanien (65), Libanon (62), Georgien und Pakistan (je 57). Die meisten Asylbewerber leben in Kamenz, Bautzen, Hoyerswerda und Bischofswerda.