Von Rita Seyfert

Peng! Knallend zerbirst der Luftballon in kleine Stücke. Hellblaue Gummischnipsel rieseln neben grünen, gelben und orangefarbenen Fetzen auf den Boden der Wittichenauer Mehrzweckhalle. Ex-Präsident Herbert Kobalz (69) zuckt die Schultern: „Vielleicht hätte ich mir die Fingernägel schneiden sollen“, sagt er. Während er sich den nächsten zum Aufpusten schnappt, fädelt sein Kollege die bunten Ballons zu einer Traube zusammen und hängt das luftige Kunstwerk an den Basketballkorb.

Die Vorbereitungen für den heutigen Kappenabend laufen seit Mittwochabend auf Hochtouren. Etwa 30 Männer schwirren wie emsige Arbeitsbienen übers Turnhallenparkett, hängen Girlanden auf, tragen Lichterketten herum und schieben Stühle hin und her. Einer von ihnen ist Mathias Zimmer (38). Als Chef der Baukommission hat der Kappenbruder beim Schmücken des Festsaals den Hut auf. Er hilft, packt an und koordiniert. „Bernd, gibst Du die S-Haken raus?“, fragt er seinen Kumpel.

Wie fast jeder Wittichenauer hat er die Leidenschaft für den Karneval mit der Muttermilch aufgesogen. „Schon im Musikunterricht haben wir Faschingslieder gesungen“, erinnert er sich. Später im Jugendklub (beim Kopflose.vau) werkelte er an den Umzugswagen. Und im Alter von 25 Jahren trat er schließlich in den Verein der Witttichenauer Kappenbrüder ein. Warum? „Ich möchte die schöne Tradition am Leben erhalten.“ Sogar seinen Urlaub opferte er für die diesjährige Karneval-Saison. Der Lohn sind Geselligkeit und Spaß.

Doch bevor es soweit ist, wird in die Hände gespuckt. Noch liegen die meterlangen Bahnen der Decken-Deko wie zusammengerollte Rollos auf dem Boden. Daneben stehen die übergroßen Plastekappen zum Aufhängen bereit. Die Jungs auf den Baugerüsten warten auf die nächsten Anweisungen. Höhenangst haben sie nicht. Gleich werden sie die Schmuckelemente zwischen den Deckentraversen anbringen. In wenigen Stunden wird hier nichts mehr an Stufenbarren oder Bockspringen erinnern.

Derweil schießen hinter den Kulissen wilde Spekulationen ins Kraut. Welches Jahres-Motto denkt sich Prinz Stephan Bulang wohl für 2019 aus? Und welche närrischen Paragrafen wird sein Volk befolgen müssen? Setzt er seinen Schwerpunkt als Sozialpädagoge etwa auf die Nächstenliebe? Nein, das wäre wohl nicht närrisch genug. Oder betont er als Gitarrist und Sänger der Band Acapulco eher die Musik? Präsident Mathias Glaab (51) winkt lachend ab: „Das muss bis Sonnabend ein Geheimnis bleiben“, sagt er. Soviel verrät er aber schon: „Der Prinz thront dieses Jahr mitten im Vierzehnerrat.“ Die Kappenbrüder umringen seinen Herrschersessel. Denn damit dieses Jahr alles ein bisschen anders aussieht, fanden ein paar Umbaumaßnahmen statt. Das Ergebnis ist eine Bühne in der Bühne. Als ehemaliger Büttenredner und Musiker ist der Prinz ohnehin im Scheinwerferlicht zu Hause. Rambazamba ist also gewiss. Nur für die Kappenbrüder wird es keine Party werden. Präsident Glaab: „Wir kümmern uns den ganzen Abend um Beleuchtung, Bühne, Technik und Einlass.“ Und ergänzt: „Das machen wir aber gern.“ Das schönste sei eben der Applaus am Ende.