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Heiterer Lese-Brunch im 20. Jahr

Endlich hat er es nach Hoyerswerda geschafft - und war dann trotzdem ver(be)hindert: Herr Rittersporn-Kaszyschke (l.) war Ehrengast beim ersten Literarischen Frühstyxsei des Jahres 2017. Da die Bandagen seine Lesung aber unmöglich machten, sprangen Moderator Jens-Uwe Röhl (Mitte) und Klaus "Rosi" Rosenstengel ein.
Endlich hat er es nach Hoyerswerda geschafft - und war dann trotzdem ver(be)hindert: Herr Rittersporn-Kaszyschke (l.) war Ehrengast beim ersten Literarischen Frühstyxsei des Jahres 2017. Da die Bandagen seine Lesung aber unmöglich machten, sprangen Moderator Jens-Uwe Röhl (Mitte) und Klaus "Rosi" Rosenstengel ein. FOTO: mft1
Hoyerswerda. Mit dem ersten Literarischen Frühstyxsei des Jahres 2017 hat die KulturFabrik Hoyerswerda am Sonntag ein Jubiläumsjahr eingeläutet. Den heiteren Lese-Brunch gibt es nunmehr seit 20 Jahren. Mandy Fürst / mft1

Im Jahr 1997, nach dem ersten Einzug der KuFa in das historische Ballhaus am Hoyerswerdaer Markt, in dem einst Konrad Zuse sein Abitur ablegte und später die Jungen Pioniere ihre Freizeit verbrachten, hatten die Kulturschaffenden erstmals zum heiteren Lese-Brunch geladen. Die Zahl der Gäste sei damals noch sehr überschaubar gewesen, erinnert sich Moderator Jens-Uwe Röhl.

Später, in der "Zwischenbelegung", erwuchs aus dem kulinarischen Geheimtipp eine Großveranstaltung, deren Anforderungen insbesondere an die gastronomische Logistik das von den Vereinsmitgliedern ehrenamtlich bebackene und bekochte Format vor echte Herausforderungen stellte. Bis heute ist die Lesung in der Tradition der offenen Bühne ein Saal füllender Selbstläufer . . .

Ganz im Gegensatz zu ihrem Ehrengast Herrn Rittersporn-Kaszyschke - dem Running Gag der Frühstyxslesung. Hatte bisher die Weltpolitik die vermeintliche Koryphäe davon abgehalten, den stetigen Einladungen Folge zu leisten, machten dem Literaten aus Berlin nach Auskunft des Verbindungsmannes Jens-Uwe Röhl diesmal der Alkohol und die Treppe zu einem Hoyerswerdaer Hotel einen Strich durch die Rechnung. Von Kopf bis Fuß bandagiert, seiner Persönlichkeit quasi beraubt, wurde Rittersporn-Kaszyschke von einer Pflegerin in einem Rollstuhl auf die Bühne geschoben. Vorlesen unmöglich, Amüsement köstlich.

So sprang als erster Reservist Klaus "Rosi" Rosenstengel an den rosengeschmückten Tisch "15". Ganz so, wie er es schon zur Frühstyxsei-Premiere vor zwanzig Jahren getan hatte. Es folgte Angela Potowski, die Tagebücher von Brigitte Reimann mitgebracht hat. Ihre Hommage an die Schriftstellerin, die in den 1960er Jahren ihr wichtigstes Buch in und über Hoyerswerda schrieb, bekam nicht weniger Beifall, als die lebensnahen Froschgedichte, geschrieben und gelesen von der Lausitzer Liedpoetin Konstanze Niemz. Sabine Proksch empfahl den Zuhörern die Verse des hochbetagten New Yorker Dichters Billy Collins. Uwe Proksch hatte mal wieder Texte des Kabarettisten Horst Evers aus dem Regal gekramt, die dem ersten Frühstyxsei im Jubiläumsjahr ein munteres Finale bereiteten.

Es wäre ein sonniger Sonntag der lieb gewonnenen Routinen gewesen. Die Gäste hätten, dem traditionellen Leitspruch des Moderators folgend, eine federleichte Stimmung in ihre Wohngebiete tragen können. Hätte der Veranstaltung nicht der unglückliche Rittersporn-Kaszyschke im komödiantischen Rücken gesteckt. Aber das Jubiläumsjahr ist ja noch lang. Gelegenheiten, aus seinem Werk zu lesen, wird Rittersporn-Kaszyschke noch einige haben. Auch sollen in 2017 seine über die Jahre eingetroffenen Entschuldigungsbriefe aufbereitet werden. Und dann sind da ja noch die Rilke-Vertonungen, die der Hoyerswerdaer Fanfarenzug noch im Festjahr aufführen soll. Um das Schelmentum braucht den KuFa-Freunden wohl auch im 20. Jahr des Frühstyxsei nicht bange zu sein.