Knapp 7000 Hektar umfasst das Naturschutzgebiet (NSG) Königsbrücker Heide. Damit ist es das mit Abstand größte seiner Art in Sachsen. Der ehemalige Truppenübungsplatz ist auch rund 30 Jahre nach dem Abzug der letzten sowjetischen Soldaten menschenleer.

Überreste von neun Dörfern in der Königsbrücker Heide

Das war nicht immer so. Denn in der Königsbrücker Heide existieren bis heute die Überreste von insgesamt neun Dörfern. Zur Anlage des Militärgeländes zur Kaiserzeit wurden bereits im Jahr 1907 die drei Orte Zietsch, Otterschütz und Quosdorf ausgesiedelt. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mussten auch die Bewohner von Krakau, Rohna, Sella, Bohra, Steinborn und Zochau ihre Dörfer verlassen – damals für die Erweiterung des Übungsgeländes für die Wehrmacht.

Die Wiederbesiedlung von zwei dieser Orte blieb auf kurze Zeit nach Kriegsende beschränkt. Denn dann übernahm die Rote Armee das Gelände und baute die Königsbrücker Heide zu einem der größten Truppenübungsplätze in der DDR aus.

Die Königsbrücker Heide ist mit Munition belastet

Noch immer künden diverse Gebäude- und Mauerreste sowie einzelne Obstbäume und weitere Kulturpflanzen, beispielsweise Flieder und Schneeglöckchen, von den aufgegebenen Siedlungen. Doch im Großen und Ganzen hat sich die Natur diese Dörfer zurückerobert.

Dieser Prozess liegt auch im Interesse der NSG-Verwaltung, wie deren Leiter Dr. Jürgen Stein betont. Ohnehin sei ein Zugang zu den Wüstungen grundsätzlich nicht möglich. „Gemäß Polizeiverordnung für das kampfmittelbelastete Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes besteht ein Betretungsverbot“, erklärt Stein. Das NSG dürfe ausschließlich auf kampfmittelberäumten und entsprechend markierten Wegen betreten werden.

Wildnispfad in der Königsbrücker Heide geplant

Doch im Bereich der ehemaligen Dörfer existieren keine freigegebenen Zugänge. Lediglich die Grundmauern von zwei Gebäuden der alten Siedlung Otterschütz seien auf geführten Exkursionen mit dem Geländebus zu sehen. Ab dem kommenden Jahr plant die NSG-Verwaltung darüber hinaus einen Wildnispfad, der auch zur Wüstung Steinborn führen werde.

Die früheren Dörfer werden wieder Teil der Natur. Ohnehin sei bei den Besuchern das Interesse an diesen Orten kaum ausgeprägt. Davon ausgenommen seien unmittelbare Anwohner der Königsbrücker Heide sowie ehemalige Einwohner der beiden in den Jahren 1946/1947 wiederbesiedelten Dörfer Steinborn und Bohra, weiß Jürgen Stein.

Tränke musste militärischen Aktivitäten in der Muskauer Heide weichen

Auch auf dem zweiten großen Truppenübungsplatz der Oberlausitz in der Muskauer Heide mussten mehrere Orte den militärischen Aktivitäten weichen. Besonders im Fokus steht dort das Dorf Tränke, das es mit der Aktion „Tränke braucht Licht“ Anfang der 1950er-Jahre zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hatte.

Seit Mitte der 1990er-Jahre werden die noch vorhandenen Ruinen durch die Bundeswehr mit Unterstützung ortsansässiger Vereine, beispielsweise des Heimatvereins Daubitz, erhalten und geschützt. Manche Mauern schützen Dächer, zudem wurden Schilder der ehemaligen Grundstückseigentümer aufgestellt und sogar der alte Soldatenfriedhof wieder hergerichtet.

Tränke-Feste und Erinnerung an Tzschelln auf dem TÜP Oberlausitz

Seit 2016 finden aller drei Jahre die Tränke-Feste statt, bei denen sich um die 500 Besucher im früheren Dorf umschauen, berichtet Platzkommandant René Pierschel.

Ebenfalls auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz befindet sich die Ortserinnerungsstätte für Tzschelln. Dieser Ort musste allerdings nicht für die Armee weichen, sondern ab Mitte der 1970er-Jahre dem Tagebau Nochten. Zwischen Bundeswehr und Heimatverein gibt es eine Vereinbarung, dass die ehemaligen Tzschellner die Gedenkstätte trotz ihrer Lage im Sperrgebiet besuchen können, sagt Vereinsvorsitzende Christina Wolsch.

Gescheiterte Ortsumsiedlungen


Für den Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide im Norden der Niederlausitz sollten zum Ende des Zweiten Weltkrieges insgesamt 18 Dörfer umgesiedelt werden. Es war geplant, die Bewohner in den eroberten Gebieten im Osten anzusiedeln. Aufgrund enormer Widerstände seitens der Betroffenen und wegen der sich abzeichnenden Niederlage kam es dazu nicht mehr. Die Dörfer in und um die Lieberoser Heide gibt es bis heute. Zu DDR-Zeiten befand sich der riesige Wald- und Heidekomplex, ähnlich wie in Königsbrück, unter der Ägide der Roten Armee.