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Dörgenhausen
Heilige Barbara in Dörgenhausen

Verschleierte weiße Damen besuchen in diesen Tagen sorbische Dörfer. So wie in Dörgenhausen: Die Heilige Barbara und Knecht Ruprecht klopften an die Türen der Bewohner.
Verschleierte weiße Damen besuchen in diesen Tagen sorbische Dörfer. So wie in Dörgenhausen: Die Heilige Barbara und Knecht Ruprecht klopften an die Türen der Bewohner. FOTO: Reinhard Hoffmann
Dörgenhausen. Die Schutzpatronin der Bergleute weist in vielen Dörfern der Region wieder auf die Weihnachtszeit hin - in festlich-weißer Kleidung. Von Reinhard Hoffmann

In der sorbischen Lausitz haben sich in der Adventszeit verschiedene Bräuche vorweihnachtlicher Bescherungen eingebürgert. Nur noch in wenigen sorbisch- katholisch geprägten Dörfern zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda hat sich der Einkehrbrauch der heiligen Barbara, sorbisch „Swjata Borbora“, erhalten. Gepflegt wird diese Tradition mit der Schutzpatronin der Bergleute seit Generationen noch im Hoyerswerdaer Ortsteil Dörgenhausen und im Wittichenanauer Ortsteil Sollschwitz. Erstmals war in diesem Jahr die Barbara auch in Nebelschütz unterwegs.

Mit ihrem Erscheinen möchte die Barbara auf die kommende Weihnachtszeit hinweisen. Sie besucht die Menschen am 3. Dezember, dem Vorabend ihres Namenstages. In festlicher weißer Kleidung gekleidet geht sie schweigend zu den Menschen. Ebenso wie das Bescher- beziehungsweise Christkind der evangelischen Sorben um Hoyerswerda trägt die Barbara einen Schleier vor dem Gesicht, damit man sie nicht erkennt. Auf dem Kopf sitzt eine kleine Krone und in der Hand trägt sie ein silbernes Glöckchen, mit dem sie ihr Kommen ankündigt. Sie besucht Familien, um Kinder mit Äpfeln, Süßigkeiten und Spielzeug zu beschenken. Die Kleinen freuen sich auf diesen Besuch, sie glauben an die Barbara, so wie anderen Orte an den Weihnachtsmann. Zum Brauch gehört es, vor der Geschenkübergabe Gedichte oder Lieder vorzutragen. Ein „Ungezogener“ soll in Dörgenhausen auch schon ein Stück Kohle erhalten haben. Die Borbora wird von einem oder zwei Knecht Ruprechts begleitet, der in Sollschwitz auch Rumpodich genannt wird. Der Umgang des Ruprecht hat seine Ursprünge bei den Thüringern und Franken, mit denen er wohl ab Mitte des 17. Jahrhunderts in die Lausitz kam. Seitdem haben sich von Dorf zu Dorf unterschiedliche Bekleidungen und Bräuche entwickelt. Wohl einmalig für die Lausitz ist der Schafspelz, wie ihn Knecht Ruprecht in Dörgenhausen trägt. Ruprechte erheben gelegentlich die Rute, um „Unartige“ zu ermahnen. Bei den evangelischen Sorben trägt das Bescherkind auch eine Rute, aber es segnet damit Kinder und Erwachsene. Interessanterweise werden diese Bräuche von jungen Leuten für Kinder des Dorfes ausgeübt. In Dörgenhausen ist die Wahrung und Pflege der sorbischen Traditionen fest in der Satzung des Jugendclubs integriert.

Bekannt ist die heilige Barbara auch durch die Legende über die nach ihr benannten Zweige, die am 4. Dezember geschnitten werden. Wenn sie am Weihnachtstag erblühen, dann bringen sie Glück.

Der Ursprung der Barbara geht auf eine Heilige der frühen Christenzeit aus dem oströmischen Reich zurück, die in Kleinasien lebte und die als Märtyrerin für ihren Übertritt zum Christentum starb. Auch Ruprecht hat seine Wurzeln im griechisch-türkischen Kulturraum, heißt es. Im Kloster St. Marienstern hat die Verehrung der Barbara 1000 Jahre alte Wurzeln. In der Klosterkirche ist sie im Hussitenfenster und im Nothelferaltar zusammen mit 14 Heiligen, der auch Barbaraaltar genannt wird, abgebildet.

Die heilige Barbara ist zugleich Schutzpatronin der Bergleute. Von ihnen wird die Barbara  bereits seit dem Mittelalter verehrt.

Barbara und Ruprecht besuchten und bescherten in diesem Jahr zehn Dörgenhausener Familien. Die Faszination dieses schönen Brauches ist so groß, dass einige Enkel und deren Eltern einen hunderte Kilometer weiten Weg auf sich nahmen, um die beiden guten Gäste zu erleben.