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Hoyerswerda
Wo gute Nachbarschaft noch Gold wert ist

 Kathleen Schmidt, Katrin Matz, Cathryn Czako mit Enkel Alexander, der zu Gast ist, und Uschi Dietrich feiern im „Welthaus 3“. Foto: Katrin Demczenko
Kathleen Schmidt, Katrin Matz, Cathryn Czako mit Enkel Alexander, der zu Gast ist, und Uschi Dietrich feiern im „Welthaus 3“. Foto: Katrin Demczenko FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Die Bewohner der Mittelstraße 3 in Hoyerswerda sind eine Bilderbuch-Hausgemeinschaft mit Seltenheitswert. Von Katrin Demczenko

Eine Hausgemeinschaft, die zusammenhält, gibt es nicht so häufig und deshalb sind solche Nachbarn Gold wert. Das hat Cathryn Czako erfahren, die in der Mittelstraße 3 in Hoyerswerda-Altstadt wohnt.

Als ihr Ehemann Bela voriges Jahr vier Monate in Leipzig in einem Krankenhaus lag, lebte die Rentnerin während dieser Zeit auch in dieser Stadt, um ihn täglich besuchen zu können. Die Hoyerswerdaer Nachbarn haben über den Sommer nicht nur Czakos Blumen gegossen und die Post aus dem Kasten genommen. „Sie schickten mir auch wichtige Briefe von der Krankenkasse nach Leipzig, damit ich zeitnah darauf reagieren konnte“, erzählt Cathryn Czako. Als ihr Ehemann geheilt war und sie beide in die Mittelstraße 3 zurückkehrten, veranstalteten die anderen drei Familien ein Willkommensfest.

Als vor vier Wochen Cathryn Czakos Schwester Uschi Dietrich in die einzige, noch freie Wohnung des Hauses einzog, übernahmen zwei jüngere, handwerklich begabte Hausbewohnerinnen das Verlegen des Teppichbodens, den Aufbau der Möbel und das Aufhängen der Gardinen. „Wir sind Friseusen“, stellte Katrin Matz sich und ihre Nachbarin Kathleen Schmidt vor. Danach wurde eine Empfangsparty für „Tante Uschi“ organisiert, die die Hausgemeinschaft schon vorher bei einem Besuch ihrer Schwester Cathryn Czako kennengelernt hatte. Nach diesem positiven Eindruck zog die ältere Dame dort ein.

Zwei Orte zum Feiern, und zwar einen Grillplatz im Hof sowie einen Gemeinschaftsraum, haben sich die Bewohner der Mittelstraße 3, des „WH (Welthaus) 3“, wie sie sich nennen, selbst geschaffen. „Bis vor drei Jahren war das ein Wäschetrockenraum mit nackten Betonwänden“, erinnerte sich Kathleen Schmidt. Nach dem gemeinsamen Beschluss zur Umgestaltung des Raumes wurden Möbel besorgt und jeder brachte seine Fähigkeiten ein. Die Wände erhielten Farbe und danach zeichnete Katrin Matz mehrere maritime Motive auf. Cathryn Czako nähte bunte Wandbehänge für die „Schnackbar“. „Der Begriff kommt von schnacken, miteinander reden“, erklärte sie. Alle Familien dekorierten den Gemeinschaftsraum liebevoll mit Andenken, die sie aus Ungarn und von der polnischen Ostseeküste mitgebracht haben. „Das Schild ‚WH 3’ stammt aus Spanien“, sagte Katrin Matz.

Gemeinsam gefeiert wird immer kurz nach Weihnachten und wenn es zeitlich passt, auch zu Silvester. Das Hexenbrennen am 30. April und das Oktoberfest sind jedes Jahr fixe Termine. Im Sommer finden spontane Treffen statt, bei denen oft gegrillt wird, erzählte Kathleen Schmidt. „Nach Anweisung von Bela Czako haben wir gemeinsam ungarisches Kesselgulasch gekocht“. Damit für alle leiblichen Genüsse immer Geld vorhanden ist, steckt jede Familie im Monat fünf Euro in ein Sparschwein. „Das gewachsene bedingungslose Vertrauen unter den Bewohnern ist ein Schatz“, beendete Cathryn Czako das Gespräch.