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| 16:06 Uhr

Der Kälte zum Trotz
Überwintern im Campingwagen

 Ronald Weise vor seinem Winterdomizil, das sich auf einer Ferienparkanlage am Geierswalder See befindet.
Ronald Weise vor seinem Winterdomizil, das sich auf einer Ferienparkanlage am Geierswalder See befindet. FOTO: Rainer Könen
Geierswalder See.. Der Bernsdorfer Ronald Weise verbringt die kalten Monate am Geierswalder See. Für ihn ist das Balsam für die Seele. Von Rainer Könen

Es gibt Zeitgenossen im Umfeld von Ronald Weise, die finden das, was er im Winter macht, ein „wenig schräg“, wie es der Bernsdorfer beschreibt. Überwintern im Campingwagen. Das, so der 49-Jährige, sei doch nun wirklich alles andere als skurril. Es ist halt einfach nur eine andere Art, über den Winter zu kommen.

Weise gehört nicht zu den Deutschen, die in den kalten Wintermonaten in wärmere Gefilde flüchten. Kanarische Inseln, die Balearen oder die Türkei – damit muss man ihm nicht kommen. Solchen Trips kann er nichts abgewinnen. Vielmehr schätzt er die kalte Jahreszeit, genießt die winterlichen Freuden am liebsten dort, wo er sich in seiner Freizeit immer am wohlsten fühlt. Im eigenen Wohnwagen. Und der steht am Geierswalder See im Ferien- und Freizeitpark.

Ein Donnerstagnachmittag im Januar: Weise hat seinen Wagen unweit des Vorzeltes geparkt. Bei sieben Grad Außentemperatur kann man es im Innern des Zeltes aushalten. Er hat es sich bequem gemacht. Sitzt auf einem Campingstuhl, von einer Decke umhüllt. Erzählt von Aischa, seiner blinden Hündin, die er vor einiger Zeit habe einschläfern müssen. Die hatte ihm sonst immer Gesellschaft geleistet. „Werde mir einen neuen Hund suchen“, erzählt er. Er schaut hinaus auf den Platz, der wie verlassen daliegt. Es ist einer dieser wenigen schönen Wintertage, fast windstill ist es.

Derzeit fühle sich der Winter mehr wie ein Frühling an, findet Ronald Weise. Im vergangenen Jahr hat er hier wieder die Weihnachtsfeiertage verbracht. „War total entspannend“, schwärmt er. Er zündet sich eine Zigarette an. Berichtet davon, dass er wider Willen auf den Geschmack des Wintercampens gekommen sei. Vor sieben Jahren war das gewesen. Seine Beziehung sei damals auseinandergegangen, er stand von einem Tag auf den anderen ohne Wohnung da.

Wie gut, dass er seinen Wohnwagen hatte. Und wie gut, dass er Martin Tinko kennt. Der erlaubte ihm, weil sich die Wohnungssuche hinzog, den Winter auf dessen Ferienpark-Anlage zu verbringen. Am Anfang sei es für ihn eine ziemliche Umstellung gewesen. Denn „so ein Wintercamper-Leben, das musste ich mir erst mal organisieren“, so der 49-jährige Bernsdorfer.
Das Wintercampen ist für ihn seitdem zu einem Lebensgefühl geworden. Er genießt die Stille auf dem Platz, erzählt, dass er Hasen und Rehe beobachten kann. Schwärmt immer wieder von der „paradiesischen Ruhe“. Kein Radio, keine Gespräche vom Nachbargrundstück, kein Partylärm vom Gruppenzeltplatz, kein Kindergeschrei.

Damals verbrachte Weise ein ganzes Jahr in seinem Wohnwagen. Er hat wieder eine Wohnung, aber vom Wintercampen mag er seither einfach nicht mehr lassen. „Bin auf den Geschmack gekommen.“ So ein Leben habe was von Freiheit und Unabhängigkeit. Sein Wohnwagen, sein Vorzelt, alles ist auf die kalte Jahreszeit eingestellt. Im ersten Winter war ihm die Dieselheizung eingefroren, die Batterien ausgegangen, sanken die Temperaturen im Wohnwagen in den Minusbereich. „Ich musste erst mal ein Gefühl für den Gasverbrauch bekommen“, blickt er zurück. Im Winter kommt er mit rund 15 Gasflaschen aus, das seien etwa 300 Euro. „Ist doch ein normaler Heizkostenbeitrag“, meint er.

Für Ronald Weise hat das Überwintern im Campingwagen  seine eigenen Reize. Wenn er die Tür seines Wohnwagens öffnet, ist er gleich mittendrin in der kalten Jahreszeit: „Ich erlebe die Natur intensiver“. Macht ihm die Kälte tatsächlich nichts aus? Er lacht. „Ist doch alles eine Kopfsache“, lacht Ronald Weise, der findet, dass Wintercampen auf jeden Fall Balsam für die Seele ist. Ein paar Decken mehr als üblich, die hat er natürlich. Aber im Wohnwagen braucht er die nicht. Der sei immer mollig warm, dort habe er meist eine Temperatur zwischen 21 und 25 Grad. So warm ist es bei weitem nicht in seinem Vorzelt, in dem der Haustechniker immer frühstückt. Sogar bei zweistelligen Minustemperaturen. Wenn er da seinen Kaffee trinke, sei der erste Schluck Kaffee heiß, der zweite lau und der dritte kalt. Störe ihn nicht, so sei es nun mal. Alles Gewöhnungssache.
Und was macht er, wenn er die Wochenenden dort verbringt? „Ich pflege den Müßiggang.“ Also: Abschalten vom Alltag, zur Ruhe kommen, nachdenken. Und den Winter genießen.