Von Anja Guhlan

In Laubusch ist an der Bäckerei Mevius kein Vorbeikommen. Das Unternehmen, welches 1932 in der Koritzmühle von Johannes Mevius und seinem Vater Albert Mevius gegründet wurde,  gehört seit 1939 zum Ort. Bekannt ist die Bäckerei für ihre traditionellen Backwerke. „Hier wird alles noch mit der Hand hergestellt“, erzählt Bäckermeister Lutz Mevius.

Der 43-Jährige benutzt auch noch die Rezepte aus Großvaters Zeiten. Doch mit der Zeit wurden so manche Rezepte angepasst. „Es gibt ja heutzutage schon viel mehr Zutaten als damals Zeit“, erklärt Marcus Mevius, der Junior-Bäckermeister. Dreimal am Tag bereiten die beiden Meister Sauerteig für den Brotteig zu. Der ist seit Jahrhunderten der herkömmlichste Teig.  Auf vieles ist zu achten: auf die richtigen Mengen  beim Mischen der Backzutaten, auf das ausgiebige Kneten, das korrekte Portionieren, das Wirken der Teiglinge per Hand  und auf die optimale Backtemparatur im Ofen.

„Wir können etwa 20 verschiedene Brotsorten backen. Im täglichen Angebot befinden sich jeweils etwa zehn. Dazu kommen mehr als 100 verschiedene Gebäcke und andere Backwerke“, sagt Lutz Mevius.

Dass alles Hand gemacht ist, schmeckt man nach seiner Ansicht auch. Die meisten Kunden sehnen sich nach gesunden Lebensmitteln von Bäckern, die „noch richtig backen“. Jedoch kaufen viele auch nach dem Preis. Gegen die industriell hergestellten Billigwaren von Supermarktketten zu bestehen, ist laut Mevius eine Herausforderung. „Traditionsbäckereien wie wir  werden damit ausgebremst. Wir können da preislich nicht mithalten“, so der Bäckermeister. Schließlich steckt viel Handarbeit und Tradition dahinter. So wird zum Beispiel der Mohn für den Mohnkuchen noch frisch gebrüht oder die Brandmasse für den Spritzkuchen  noch traditionell hergestellt.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung kaufen inzwischen vier von zehn Deutschen regelmäßig ihre Backwaren in einer Selbstbedienungs-Bäckerei.  Dabei biete der Bäcker vor Ort doch mehr Individualität, eigenen Geschmack und spezielle Produkte.  Auch der Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks Sachsen wirbt für das tradiotionelle Handwerk. „Kunden  sollten für das traditionelle Backhandwerk noch mehr sensibilisiert werden. Sie sollten handwerklich hergestellte Backwaren wieder mehr schätzen lernen“, so  Manuela Lohse, Saxonia-Geschäftsführerin.

Zurzeit gibt es 625 Traditionsbäckereien in Sachsen, die über die Innung organisiert sind. Außerhalb der Innung gibt es um die 1000 Bäckereien. Drei Viertel davon sind kleinere Backstuben.  Im Landkreis Bautzen gibt es 64 in der Innung organisierte Traditionsbäckereien. Zum Vergleich: Im Jahr 1914 gab es  noch 9000 Bäckereien  im Gebiet des jetzigen Freistaates.

Pro Jahr verschwinden laut Lohse rund 3,5 Prozent der Bäckereien, zum einen weil sie mit den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehr zurecht kommen, zum anderen weil die industrielle Prouktion von Brot, Brötchen und Kuchen weiter voranschreitet und sich dementsprechend Arbeitsplätze oder Löhne verändern.  Doch Manuela  Lohse ist überzeugt: „Bäckereien, die Wert auf traditionelles Handwerk legen und sehr gute Qualität liefern, werden nicht einfach schließen. Bei ihnen liegt der größte Vorteil in der Qualität. Sie arbeiten meistens auch mit Mehl, Öl und anderen Zutaten direkt aus der Region.“ Kunden müsse wieder bewusst werden, dass diese gute Qualität auch einfach ihren Preis hat.

Die beiden Bäckermeister Mevius würden beruflich nie im Leben etwas anderes machen wollen. „Wir sind mit Leib und Seele Bäcker und lieben es, nach dem Herstellen von Teig und dem Backen das entsprechende  Ergebnis zu sehen“, sagt Marcus Mevius. Er hofft, dass auch die nachfolgenden  Generationen die Bäckerei ganz nach den Traditionen weiterführen. „Schön wäre es. Ich denke aber schon.“