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| 20:30 Uhr

LR vor Ort
Handel ohne Nachwuchs

Bürgermeister Markus Posch (r.) trifft man am freitäglichen Wochenmarkt des Öfteren am Fischbrötchenstand. Auch die Wittichenauer Luzie Saring und Rochus Schleicher nutzen das Angebot vor Ort.
Bürgermeister Markus Posch (r.) trifft man am freitäglichen Wochenmarkt des Öfteren am Fischbrötchenstand. Auch die Wittichenauer Luzie Saring und Rochus Schleicher nutzen das Angebot vor Ort. FOTO: Anja Hummel / LR
Wittichenau. In Wittichenau sind keine Jungunternehmer in Sicht. Das bedroht den Einzelhandel. Von Anja Hummel

Freitagmittag, kurz vor zwölf. Rund um den Wittichenauer Markt ist kaum ein Parkplatz zu ergattern. Jung und Alt laufen mit Tragekorb über den Markt, schieben den Kinderwagen vor sich her. Auf dem Pflasterstein-Platz stehen Käse-, Fleisch- und Gemüsehändler, Gartenkräuter werden verkauft, frisches Obst angeboten. Am Verkaufswagen des lokalen Fischhändlers steht Bürgermeister Markus Posch. Schließlich ist freitags für ihn „Fischbrötchentag“. Auch Luzie Saring steht in der Schlange. Die Wittichenauerin kommt regelmäßig auf den Markt, nutzt aber auch das „feste Ladenangebot“. „Oft kaufe ich Kleidung hier vor Ort, genauso wie Lebensmittel“, sagt sie. Weil sie der Arbeitsweg durch Hoyerswerda führe, weiche sie aber auch mal auf andere Angebote aus. Rochus Schleicher steht neben ihr. Völlig zufrieden sagt der Wittichenauer, dass es ihm in der Stadt an nichts fehle. Luzie Saring stimmt zu und hofft, dass die vielen Wittichenauer Geschäfte erhalten bleiben. „Aber der Nachwuchs fehlt leider“, sagt sie und zieht mit ihrem vollgepackten Korb von dannen.

Bürgermeister Markus Posch kann das nur bestätigen. Vom Marktplatz in sein Büro sind es wenige Meter. „Schön ist es hier“, bemerkt er beim Anblick des Markttreibens. „Aber für die Händler muss es sich auch lohnen.“ Die Marktleute, die seien nicht die „Problemkinder“. Es sind die Einzelhändler, die um Kunden und Nachwuchs kämpfen müssen. Besonders Jungunternehmer stehen alles andere als Schlange. Spielwarenladen, Modehaus, Schuh- und Textilgeschäft sind in den vergangenen Jahren aus Mangel an „Nachbesetzung“ schon von der Bildfläche verschwunden. Ein Austausch zwischen junger Generation und Händlern könne da etwas bewirken, schlägt Bürgermeister Posch vor. Geschehen sollte das in enger Zusammenarbeit mit der Schule. „Man könnte gezielt Schülerpraktika in den kleinen Läden anbieten“, sagt Posch. So könnte womöglich die Lust beim Nachwuchs geweckt werden, später in den Einzelhandel einzusteigen. Und auch die Händler könnten vom Austausch profitieren. Schließlich wisse die junge Generation selber am besten, welches Angebot die Altersgenossen im Laden erwarten.

Einer von der jüngeren Generation ist Felix Mickel. Der 26-Jährige ist auf dem Markt unterwegs und als Angestellter in der Metallbranche tätig. „Ich glaube, es herrscht viel Skepsis, wenn neue Leute einen Laden übernehmen“, so die Vermutung des Wittichenauers. Aus Gesprächen mit Gleichaltrigen weiß er, dass das Interesse an der Selbstständigkeit kaum da ist. „Vielen fehlt der Mut, sie trauen sich nicht“, sagt er, zuckt mit den Schultern. Die „älteren“ Ladenbesitzer kenne jeder, wer neu dazukommt, habe es schwer. Gutes Beispiel: Ein Billiard- und Darttreff an der Straße, die direkt zum Marktplatz führt. „Der Inhaber hat mittlerweile dicht gemacht, das ist schade“, sagt der junge Vater. Ihn verschlägt es oft in das „Babylädchen“ von Birgit Bensch. „Sicherlich gibt es im Internet auch günstigere Kleidung, aber wir möchten den Einzelhandel aktiv unterstützen.“

Genau solch ein Bewusstsein für die lokalen Waren wünscht sich Bürgermeister Markus Posch von allen Bürgern. Nur wenn das Angebot angenommen wird, werde der Einzelhandel auch wieder attraktiver für Jungunternehmer. Ob die Bücher im Internet oder im Laden um die Ecke bestellt werden, sei kein Unterschied. „Sollte es Jungunternehmer geben, würde die Stadt sie auch unterstützen“, verspricht er. Von Kalkulationen über gemeinsame IHK-Besuche – allein dastehen würde der Nachwuchs keinsfalls.

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LR vor Ort 4c FOTO: LR