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Hafen bedeutet Investitionsanreiz und Lebensqualität

FOTO: Christiane Klein
Großräschen. Die Stadt Großräschen sorgt für Bewegung. Am 22. und 23. März findet im Gewerbegebiet die 23. Leistungsschau von Handwerk und Gewerbe statt. Besucher können bei der Gelegenheit einen Abstecher zur Hafenbaustelle unternehmen. Christiane Klein/chk1

Die RUNDSCHAU sprach mit Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) über das Großprojekt und dessen Bedeutung für die Stadt.

Anfang Dezember wurde der erste Spatenstich für den Hafen gesetzt, der bis zum Jahr 2016 stehen soll. Wie geht es jetzt voran?
Beim ersten Teilabschnitt, den die LMBV durchführt, werden Erdarbeiten erledigt. Das passiert aber nicht nur, weil dort ein Hafen gebaut wird. Sondern die Arbeiten sind nötigt, weil die Bergbausaniererin festgelegt hat, den Großräschener See einen Meter tiefer zu fluten. Die dafür notwendigen Sanierungsarbeiten steuern wir so, dass sie auch dem Hafenbau zugutekommen. Gleichzeitig wird die Spundwand gesetzt, sodass das künftige Hafenbecken seine fertige Kontur bekommt. Das soll bis Mitte dieses Jahres geschafft sein.

Wie lautet das Ziel bis zum Jahresende?
Bis dahin sollen auch die Straßen, die Erschließungsanlagen in der Grundkonstruktion erkennbar sein. Wenn alles sehr gut läuft, werden auch schon die beiden Gebäude als Rohbau dastehen. Die Leistungen schreiben wir jetzt aus. Das hängt vor allem davon ab, wie weit die LMBV mit dem ersten Bauabschnitt ist.

Wie wird der Hafen an die IBA-Terrassen und die Seesporthalle angebunden?

An der Sporthalle entsteht unser Hafenplatz. Auch das künftige Sozialgebäude wird ein Ensemble mit der Sporthalle bilden - mit dem Ziel, dort Synergien zu schaffen. Das fängt beim Hausmeister und Hafenmeister an. Denn die Turnhalle hat ihre Hauptnutzungszeit im Winter und der Hafen im Sommer. Die Sporthallennutzer können bei Wettkämpfen das Sozialgebäude mitnutzen. Und wenn beispielsweise Laufsportveranstaltungen stattfinden, kann die Turnhalle mit belegt werden. Diese Synergien sparen auch Kosten.

Die IBA-Terrassen werden über die Stadtecke hervorragend angebunden. An dem Drehpunkt, der dort entsteht, wollen wir außerdem unsere alte Ilse-Uhr wieder aufstellen. Ein Großräschener hat 1990 in Eigeninitiative von der alten Ilse-Hauptverwaltung die Uhr mit einem kleinen Glockenwerk gesichert. Die Uhr wollen wir in der Nähe des Ursprungsstandortes wieder installieren. Das ist dann auch eine wunderschöne emotionale Brücke zwischen der Vergangenheit "150 Jahre Kohle in Großräschen" und der Zukunft.

Der Hafen in Senftenberg beherbergt unter anderem einige Geschäfte. Gibt es schon Pläne, was den Besuchern am Hafen künftig noch geboten werden soll?
Es wird auf jeden Fall eine Art Kiosk geben. Unser Hafen wird aufgrund der Topografie - das ist ja so eine Art Bucht - deutlich anders als der Hafen in Senftenberg sein. Deshalb wird es im Hafenareal keine Ladenzeile geben, an der man automatisch vorbeiflaniert. Wir werden im unteren Bereich einige Flächen vorsehen, wo sich spätere Entwicklungen ergeben können. Die Erfahrung haben wir immer wieder gemacht: Wir haben bei der Entwicklung eine ziemlich hohe Geschwindigkeit erreicht, aber man muss bestimmte Dinge auch wachsen lassen. Vielleicht wird sich später ein Ladengeschäft dort tragen, wenn der Tourismusbetrieb zugenommen hat. Deswegen denken wir jetzt erst einmal über eine saisonale Kioskversorgung nach. Man muss solche Entwicklungen am Bedarf orientieren.

Gibt es schon Anfragen von Bootsbesitzern und Wassersportlern für Liegeplätze am Hafen?
Ja, die gibt es. Obwohl wir noch keine offensive Werbung gemacht haben, haben wir schon fast 60 Bewerbungen. Wir haben auch schon Nachfragen bis aus dem Dresdener Raum von Segelsportvereinen und anderen, die gerade den Großräschener See auch wegen der guten Anbindung an die Autobahn geeignet finden. Das zeigt, dass der Bedarf da ist. Mir ist wichtig, dass die ersten Segler unsere jungen Leute von der Oberschule "Friedrich Hoffmann" sind. Es ist wichtig, dass unsere jungen Leute an das Seenland herangeführt werden und vielleicht auch segeln oder rudern lernen.

Welche Bedeutung hat der Hafen aus Ihrer Sicht für Großräschen?

Der Hafen bildet gemeinsam mit den Projekten in Senftenberg und Geierswalde drei Ankerpunkte. Der Senftenberger See ist zurzeit der Motor. Aber klar ist, wenn die Seenkette erlebbar werden soll, braucht es für die Touristen unterschiedliche Standorte. Der Hafen wird neben der leistungsfähigen mittelständischen Wirtschaftsstruktur in Großräschen ein weiterer touristischer Investitionsanreiz sein. Das andere Element ist ein großes Stück Lebensqualität, für die Menschen, die hier leben. Freizeitqualität ist etwas ganz Wesentliches für Menschen, wenn sie sich für einen Wohn- und Arbeitsort entscheiden. Der Effekt, durch weiche Standortfaktoren die Attraktivität und Lebenskraft der Stadt weiter zu stärken und den Wirtschaftsstandort bekannter zu machen, ist fast noch höher einzuschätzen.

Mit Thomas Zenker sprach Christiane Klein/chk1