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Hacksilberschätzen aus dem Oder-Neiße-Gebiet erforschen

In der Sammlung des Kulturhistorischen Museums in Görlitz befindetn sich 120 seltene Silberfragmente aus dem Hacksilberschatz von Meschwitz.
In der Sammlung des Kulturhistorischen Museums in Görlitz befindetn sich 120 seltene Silberfragmente aus dem Hacksilberschatz von Meschwitz. FOTO: Kulturhistorisches Museum/ René Pech
Görlitz. Ab 2017 erforschen die Görlitzer Sammlungen gemeinsam mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen und dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie an der Universität Heidelberg so genannte Hacksilberschätze des Oder- und Neißegebiets. Ermöglicht wird das Vorhaben durch die Förderung der VolkswagenStiftung, die damit Museen als Forschungseinrichtungen unterstützt. pm/mcz

Im Mittelpunkt des Projektes stehen etwa 20 frühmittelalterliche Silberschätze der Zeit zwischen etwa 940 und 1070, von denen sich zwei im Görlitzer Museum befinden. Das deutsche und polnische Oder-Neiße-Gebiet war damals für Ostmitteleuropa ein zentraler Kommunikations- und Wirtschaftsraum. Die für die Hacksilberschätze kennzeichnende Zerteilung von Münzen und Schmuck ist Zeugnis einer im östlichen und nördlichen Europa vom 9. bis 11. Jahrhundert üblichen Gewichtsgeldwirtschaft. Silbermünzen besaßen im Fundgebiet der Schätze keinen Nominalwert. Bestimmend für den Gegenwert war ausschließlich die Menge des gemünzten oder als Schmuck verarbeiteten Edelmetalls. Die Unversehrtheit der häufig aufwendig hergestellten Schmuckstücke war von nachgeordneter Bedeutung. Je nach Bedarf zerteilte man Münzen und Schmuck in mittels Feinwaage bestimmte kleinere Gewichtseinheiten.

Die Prägeorte der Münzen lassen weitreichende Fernhandelsbeziehungen erkennen. Bis etwa 970 traten in den slawischen Schätzen vor allem silberne Dirhem aus dem asiatisch-arabischen Raum, bevorzugt aus dem sassanidischen Emirat, im heutigen Usbekistan auf. Ab 970 wurden die islamischen Münzen mehr und mehr durch westeuropäische Silberdenare vor allem aus dem ostfränkischen Reich abgelöst. Zeitgleich ging der Anteil an Schmuck im Hacksilber zurück, ab etwa 1050 fehlte er schließlich ganz. Silberbergbau wurde in dieser Zeit in Buchara und Samarkand sowie seit etwa dem Jahr 960 auch im Harz betrieben. Dennoch kennen die Wissenschaftler weder die Herkunft des für die Münzprägung und die Schmuckherstellung verwendeten Silbers noch lassen sich die Werkstätten des Schmucks ermitteln.

Genau diese Frage soll nun das Görlitzer Forschungsprojekt beantworten. Dabei kommen archäologische und naturwissenschaftliche Methoden gemeinsam zum Einsatz. Der Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten ist 2019 geplant. Die Ergebnisse sollen dann unter anderem in eine Sonderausstellung im Görlitzer Museum münden.