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| 17:08 Uhr

Gundermann Songs in elf Sprachen
Gundis Lieder erobern Europa

Jos Koning und Johan Meijer präsentierten ihrem Publikum in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik Gundermann-Lieder in ihren Heimatsprachen.
Jos Koning und Johan Meijer präsentierten ihrem Publikum in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik Gundermann-Lieder in ihren Heimatsprachen. FOTO: Kufa Hoyerswerda
Hoyerswerda. Vor 20 Jahren starb Gerhard Gundermann. An Gundi ist in der Kufa erinnert worden. Von Katrin Demczenko

Dass Gundermanns Lieder Menschen in verschiedensten Sprachen erreichen, ist vor allem Johan Meijer zu verdanken. Der Niederländer übersetzt seit Jahren Liedtexte des Hoyerswerdaer Rockpoeten und Baggerfahrers Gerhard „Gundi“ Gundermann in seine Muttersprache. In Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 20. Todestag des Musikers hat Meijer mit Partnern eine Diskussion über „Gundermanns Lieder in Europa“ und danach einen Workshop im IBA-Studierhaus Großräschen für europäische Musiker und Übersetzer organisiert.

Jetzt stellten die Teilnehmer Ergebnisse ihrer Arbeit im Saal der vollbesetzten Kulturfabrik Hoyerswerda vor. In elf Sprachen übersetzt erklangen Gundermanns Songs auf neue Art und doch vertraut, was das Publikum mit viel Beifall honorierte. „Keine Zeit mehr“, auf englisch „No time left“, sangen der Schotte David Robb und der vorwiegend in der Schweiz lebende Deutsche George Leitenberger. Die Niederländer Johan Meijer und Jos Koning standen mit dem Lied „De Vliegende Hollander“ („Die Schwarze Galeere“) auf der Bühne. Sie können auch den selbst übersetzten Titel „Die Zukunft“ in ihrer Muttersprache singen. Im Konzert sang ihn Jos Koning aber solo auf Schwedisch. Diese Übersetzung seines Lieblingsliedes von Gundi war ihm möglich, weil er 15 Jahre in dem Land gelebt hat. Es thematisiere die Ungewissheit der Zukunft, mit der alle Menschen leben müssen, so Jos Koning.

Auch der in der Schweiz lebende Liedermacher George Leitenberger gehört zu den bekennenden Gundi-Fans.
Auch der in der Schweiz lebende Liedermacher George Leitenberger gehört zu den bekennenden Gundi-Fans. FOTO: Kufa Hoyerswerda

Der Cottbusser Liederpoet Bernd Pittkunings sang „Und du musst weinen“ sowie „Cuba“ auf niedersorbisch. Beide Liedtexte hat er in seine Muttersprache übersetzt, denn sie erzählen von Veränderungen, die das Leben überall auf der Welt prägen. „Viele Lieder von Gundermann sind international verständlich und noch in hundert Jahren gültig“, ist sich Pittkunings sicher. Die Übersetzungen im Workshop wollen den Hoyerswerdaer Rockpoeten europaweit bekannter machen, wozu ein Liederbuch mit diesen Texten beitragen wird. Übersetzer seien schließlich die Voraussetzung dafür, das Weltliteratur entstehen kann, sagte der bekennende Sorbe.

George Leitenberger ist selbst Liedermacher und schreibt eigene Titel in deutsch, englisch und französisch. Er weiß um die Arbeit, bis die Zeilen den gewünschten Inhalt ausdrücken. Auch die Fahrt zu Konzerten, Aufbauen, Auftreten, Abbauen kennt er. Gundermann ging nach der Rückfahrt zur Schicht auf seinen Bagger, um dort nicht nur Braunkohle, sondern auch Worte für neue Lieder zu schürfen, erzählt George Leitenberger,. Erfahren hat er davon bei einem Besuch im Tagebau Welzow-Süd während des Workshops. Echte wahrhaftige Texte wie „Gras“ oder „Herzblatt“ seien so entstanden, öffnen sich einem breiten Publikum und „treffen direkt durch den Geist ins Herz“.

Carmen Ortlet zeigte, von Ingo „Hugo“ Dietrich auf der Gitarre begleitet, das Gundis Lieder auch auf plattdeutsch gut klingen. Sie erzählte, dass sie damit schon in Schweden und Norwegen verstanden worden ist. A capella sang sie in dieser Sprache ihrer Kindheit nur für Gundi und alle, die ihn seit 20 Jahren vermissen, dessen Lied „Einmal“. Das bedeutete einen weiteren emotionalen Höhepunkt des Abends in der kultigen Hoyerswerdaer Kulturfabrik.