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| 15:00 Uhr

Hoyerswerda
„Gundi-Musik“ und gute Gespräche

Im Café Auszeit in der Kulturfabrik spielte Tobias Burger mit seiner Gitarre seine selbst geschriebenen gesellschaftskritischen Songs. Das Publikum zeigte sich begeistert und forderte Zugaben.
Im Café Auszeit in der Kulturfabrik spielte Tobias Burger mit seiner Gitarre seine selbst geschriebenen gesellschaftskritischen Songs. Das Publikum zeigte sich begeistert und forderte Zugaben. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Die Gundermann-Party am Samstag in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik brachte spannende Diskussionen und gute Musik in Einklang miteinander. Von Katrin Demczenko

Er steht nicht oft auf der Bühne, aber wenn, dann überrascht Tobias Burger sein Publikum. So geschehen auch auf der Gundermann-Party am vergangenen Samstag in der Kulturfabrik Hoyerswerda. Gefeiert wurde der Geburtstag des Liedrockpoeten Gerhard „Gundi“ Gundermann. Organisatoren waren – ganz traditionell – Gundermanns Seilschaft und die Kulturfabrik. Eingeladen wurde zu einer guten Mischung aus Musik und Gesprächen.

Ersteres hatte Liedermacher Tobias Burger auf dem Schirm. Er eröffnete nachmittags die Veranstaltung im Cafe Auszeit. In der DDR hatte er unangepasst gelebt, den Beruf des Schäfers erlernt und war später Hausmeister. Nebenbei machte er Musik. Von 1983 bis 1985 begleitete Burger den Liedermacher Kurt Demmler als Gitarrist auf dessen Tournee mit dem Programm  „Die Lieder des Kleinen Prinzen“. In der Zeit trat er bei den Chansontagen der DDR in Frankfurt/Oder auf, an denen auch Gerhard Gundermann teilnahm. Ein näherer Kontakt der Musiker, die sich beide über die damalige Gesellschaft tiefgründig Gedanken gemacht haben, entstand aber nicht.

Tobias Burger erhielt später wegen seiner Texte, die die Verlogenheit des DDR-Systems kritisierten, ein Auftrittsverbot. Nach der Wiedervereinigung studierte er Erziehungswissenschaften. Heute ist er hauptberuflich Suchttherapeut.

Auf der Gundermann-Party präsentierte er selbst geschriebene Songs. Diese entstanden zwischen 1982 und 2018 und überzeugen mit Inhalten, über die ein Nachdenken lohnt. Dazu begleitete sich der Musiker mit anspruchsvoller Gitarrenmusik. Die Hauptinhalte seiner Lieder: Allen Menschen auf der Erde, unabhängig von ihrem Wohnort und der Hautfarbe, stehen Gerechtigkeit, eine intakte Umwelt, Frieden und gleichberechtigte Teilhabe zu. „Bis zum Erreichen dieser Ziele haben die Menschen aber noch viele hausgemachte Probleme zu lösen“, sagt Tobias Burger. Er erinnert musikalisch an die täglich auf dem Mittelmeer sterbenden Flüchtlinge. Der ständige Wettbewerb um immer mehr Rendite bringt die Menschheit an den Abgrund, ist er sicher. Um generell einen anderen Weg einzuschlagen, forderte der Erziehungswissenschaftler: „Wir brauchen nicht die Bodenschätze der anderen, sondern deren Wissen“. Die begeisterten Zuhörer erklatschten sich am Schluss des Konzertes eine Zugabe.

Seit einigen Jahren unterstützt Tobias Burger auch die immer bekannter werdende Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Gäste der Gundermann-Party diskutierten diesen Denkansatz anschließend mit Ringo Jünigk von Die Linke Brandenburg.

Am Abend spielte im Saal der Kulturfabrik Gundermanns Originalband „Die Seilschaft“. Von 1992 bis 1998 hatten die Musiker mit Gerhard Gundermann auf der Bühne gestanden und nach seinem Tod halten sie, wie auch viele andere Liedermacher, seine Songs am Leben. Nicht nur am Geburtstag des Künstlers.