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Gundermanns Schaltzentrale im Bürgerzentrum

Dieter Popp mit seiner Drehorgel.
Dieter Popp mit seiner Drehorgel. FOTO: dcz1
Hoyerswerda. Ein herrlicher Sommerabend hat am Samstag den Auftritt mehrerer Liedermacher auf der Terrasse des Bürgerzentrums gerahmt. Gundermanns Seilschaft gedachte zum Jahrestreffen mit einer Pena – offene Bühne – des 1998 verstorbenen Liedrockpoeten Gerhard "Gundi" Gundermann. dcz1

Die Musikerinnen Heike Mildner und Claudia Woloszyn erzählten in nachdenklich-sanften Liedern von Veränderungen in ihrer Brandenburger Heimat und wie die Menschen damit umgehen. Der Gesang der Frauen, die sich auf Gitarre, Geige und Flöte begleiteten, war der passende Einstieg. Der Berliner Sänger Jörg Endesfelder sang weniger bekannte Gundermann-Songs aus den 1980er-Jahren. Dazu gehörte das "Lied von den großen Taten", die nur Wirklichkeit werden, wenn sich alle bemühen, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Reinhard "Pfeffi" Ständer, Gundi-Freund und -Mitstreiter, freute sich, diese ganz alten Lieder zu hören, die ein breiteres Publikum begeisterten.

Ein besonderer Gast war Dieter Popp mit seiner selbst gebauten Drehorgel, der Beatles-Titel wie "Yellow submarine" sang und sich auf dem Instrument begleitete. Popp nennt die Songs der Beatles wie die von Gerhard Gundermann und Tamara Danz "neue Volkslieder, weil jeder sie kennt". Er möchte die Titel des Lausitzer Rockpoeten auf seiner Drehorgel spielbar machen und weiter verbreiten. In den 1980er-Jahren hatte Popp als Leiter eines Jugendklubs im Osterzgebirge Kontakt zu Gundis Brigade "Feuerstein" aufgenommen. Mit deren Songs und Gedankengut war er liiert, hatte selbst ein ähnliches Musikprojekt und es entstand eine Freundschaft mit dem Ehepaar Gundermann. "Gundi hatte das Talent, Dinge auszudrücken, die wir gern ausgedrückt hätten", sagte er.

Johan Meijer aus den Niederlanden, der Gundermann-Songs in seiner Sprache und auf Deutsch singt, erzählte von einem einwöchigen Symposium mit Workshop im Juni 2018 zum 20. Todestag des Lausitzer Liedermachers. In Hoyerswerda und Großräschen werden zweisprachige Musiker aus Polen, Italien und anderen europäischen Ländern Gundis zeitlos-aktuelle Texte in ihre Sprachen übersetzen. Der Geschäftsführer der Kulturfabrik Uwe Proksch will bis dahin im Bürgerzentrum "Gundermanns Schaltzentrale", ein Touchscreengerät aufstellen, in dem Leben und Leistung des Musikers in Filmen, Texten und Bildern abrufbar sind. Es wird die vorhandene Gundermann-Sammlung in elektronischer Form ergänzen und Gundermanns Witwe Conny wird neue Informationen zur Verfügung stellen.