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| 19:08 Uhr

Dürre in der Lausitz
Großes Fischsterben in der Schwarzen Elster

 Desaster im ausgetrockneten Flussbett: Zentnerweise Elster-Fische sterben.
Desaster im ausgetrockneten Flussbett: Zentnerweise Elster-Fische sterben. FOTO: LR / Anglerverband Elbflorenz
Hoyerswerda. Steckt eine Umweltstraftat dahinter? Der ökologische Schaden ist schwer abzuschätzen. Schuld ist nicht nur die Dürre. Von Rita Seyfert

Zentnerweise Fische sind diese Woche in der ausgetrockneten Elster hinterm Pegel Neuwiese im Bereich Geierswalde verendet. Wie Peter Kluß (63), Mitarbeiter für Gewässerwirtschaft beim Anglerverband Elbflorenz bestätigt, wurde die Schwarze Elster durch die Trockenheit irreversibel geschädigt.

Dabei sind die toten Fische nur die sichtbare Spitze vom Eisberg. Wenn die Elster trocken fällt, wirkt sich das auf die gesamte Nahrungskette aus. „Würmer, Steinfliegen, Libellenlarven, Schnecken, aber auch Flussmuscheln als Nahrungsgrundlage der Fische sterben“, zählt Peter Kluß auf. Und fehlt der Fisch, wandert auch der Fischotter ab.

Noch ist der ökologische Schaden schwer zu schätzen. Für Peter Kluß ein komplexes Dilemma, das niemand verursacht haben will. „Alle zucken mit den Schultern“, sagt er. Da der Anglerverband zu spät Kenntnis bekam, war ein Abfischen nicht mehr rechtzeitig möglich.

 Hoyerswerda: Die Schwarze Elster ist verkrautet. Dies ist ein Abschnitt neben der Straße zwischen Hoyerswerda und Bergen, kurz vor dem Abzweig nach Seidewinkel.
Hoyerswerda: Die Schwarze Elster ist verkrautet. Dies ist ein Abschnitt neben der Straße zwischen Hoyerswerda und Bergen, kurz vor dem Abzweig nach Seidewinkel. FOTO: LR / Sascha Klein

Fakt ist, dass vom Wasser aus Hoyerswerda im Bereich Geierswalde kaum noch was ankommt. Entweder es versickert oder verdunstet. Nicht auszuschließen sei, dass Wasser abgepumpt oder umgeleitet wurde, beispielsweise um den Pegel rutschungsgefährdeter Bergbau­seen zu sichern.

Inzwischen haben die Landratsämter verfügt, dass Wasserentnahmen über Pumpen einzustellen sind. Zwar dürfen Anlieger noch ihre Gießkannen zum Wässern ihrer Gemüsebeete in die Elster hängen. Pumpen sind jetzt aber tabu.

Bleibt abzuwarten, ob das Verbot reicht, um die Gefahr fürs Ökosystem der Elster abzuwenden. Wochen, Monate, gar Jahre könnte es dauern, bis sich der Fluss wieder reguliert. Entweder siedeln sich die Fische von alleine wieder an oder der Anglerverband sorgt für Fischbesatz.

Matthias Pfeifer (63), Referent der Fischereibehörde beim Landesumweltamt in Dresden, findet scharfe Worte: „Das ist eine Umweltstraftat“, sagt er. Billigend wurde in Kauf genommen, dass die Flora und Fauna der Schwarzen Elster jämmerlich umkommt. Für ihn sind die Probleme hausgemacht.

So wurde zum Hochwasserschutz auf großen Strecken der Baumbestand gefällt. Durch den vermehrten Lichteinfall wachsen die Pflanzen nicht nur gigantisch, sondern verdunstet über ihre Blätter auch mehr Wasser. Doch auch die Begradigung der Flüsse brachte nicht nur Vorteile.

Früher mäanderte, also schlängelte sich die Schwarze Elster mit der zwei- bis dreifachen Lauflänge durch die Landschaft. In der Flusssohle bildeten sich Kolken und Gumpen, tiefere Ausspülungen, in die sich Fische während Dürre­perioden zurückziehen konnten.

Doch während der Kanalisierung der Schwarzen Elster durch die Landestalsperrenverwaltung wurden diese Untiefen geschliffen und verfüllt. Dadurch verdreifachte sich die Fließgeschwindigkeit. In Hochwasserzeiten mag das ein Vorteil sein; doch wenn der Regen ausbleibt, fließt das wenige Wasser auch dreimal so schnell wieder weg.