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Geburtsklinik Bischofswerda
Ist die Schließung alternativlos?

Stadtgesellschaft und Politik kämpfen um den Erhalt der Geburtenklinik im Krankenhaus Bischofswerda.
Stadtgesellschaft und Politik kämpfen um den Erhalt der Geburtenklinik im Krankenhaus Bischofswerda. FOTO: Uwe Menschner
Bischofswerda. Bischofswerda kämpft vehement um seine Geburtenklinik. Die Probleme sind nicht hausgemacht, sondern deutschlandweit akut.

„Geboren in: Bischofswerda“ steht in den Personalausweisen von etwa 7500 seit 1998 zur Welt gekommenen Oberlausitzern. So viele Geburten gab es seit der Eröffnung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am hiesigen Krankenhaus. Wenn es nach dem bislang erklärten Willen der Geschäftsführung der Oberlausitz-Kliniken GmbH (OLK) geht, sollen da nicht mehr viele hinzukommen. Sie möchte die Klinik zum Jahresbeginn 2018 schließen.

Allerdings ist der Widerstand gegen diese Pläne groß – größer offenbar, als es Geschäftsführer Reiner Rogowski für möglich gehalten hatte. Fast 4000 Unterschriften sammelte der Wirtschaftsförderverein Bischofswerda binnen weniger Tage für den Erhalt der Frauen- und Geburtsklinik – eine rekordverdächtige Zahl. Und auch eine vom Bischofswerdaer Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) einberufene Bürgerversammlung zeigte, dass es vonseiten der örtlichen Einwohnerschaft wie auch der Politik keinerlei Rückhalt für die Schließungspläne gibt. Und so erklärte der Klinikumchef dann auch am Ende der Veranstaltung, er wolle „noch einmal mit den zuständigen Gremien beraten, ob eine Übergangslösung möglich sei“, beispielsweise das Aussetzen der Schließung um ein Jahr, um mehr Zeit für die Lösung der existenzgefährdenden Probleme zu gewinnen.

Denn an denen hat sich trotz des großen Bürgerengagements nichts geändert: „Wir haben einfach nicht genügend Personal, um beide Frauenkliniken in Bautzen und in Bischofswerda aufrecht zu erhalten“, wie Reiner Rogowski deutlich macht. Die getroffenen Maßnahmen zur Personalgewinnung – der Geschäftsführer bezeichnet sie selbst als „Kannibalisieren“ - richteten sich besonders auf das ost- und südeuropäische Ausland und seien nicht geeignet, das Problem kurzfristig zu lösen. Jeweils fünf Fachärzte und Hebammen, so Rogowski, benötigt er, um den Betrieb an beiden Standorten so fortzuführen, „dass die Gesundheit der Mütter und Kinder nicht gefährdet ist.“ Fehlendes Geld sei nicht das Hauptproblem: „Freilich würde ich es nehmen, wenn ich es kriegen könnte.“

Mit dieser Situation stehen die Oberlausitz-Kliniken nicht allein da. So schloss im April 2015 die Geburtenstation im benachbarten Sebnitz, was zu einem verstärkten Zulauf aus dem Bereich Neustadt/Sachsen nach Bischofswerda führte. Auch in Radebeul, Oschatz und Hartmannsdorf (bei Chemnitz) kam es seit 2013 zur Schließung von Geburtskliniken, in Rochlitz (Landkreis Mittweida) machte gar das ganze Krankenhaus dicht. Die Begründungen: Mangel an medizinischem Fachpersonal, insbesondere an Hebammen. Ein Problem mit Ansage. Nach Angaben des Deutschen Hebammenverbandes haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien seit 2002 mehr als verfünffacht und liegen bei circa 7600 Euro pro Jahr. „Die Höhe der Prämien und die Verunsicherung über die Zukunft haben dazu geführt, dass viele Hebammen sich aus der Geburtshilfe zurückgezogen haben“, so der Verband. Der an sich erfreuliche Umstand, dass wieder mehr Kinder geboren werden (eine Steigerung von knapp 1000 im Jahre 2010 auf 1300 im Jahre 2016 in Bautzen und Bischofswerda) verschärft die Problematik. „In Bautzen“, so versichert Rogowski, „stehen nach einer Zusammenlegung ausreichend Kapazitäten für die Betreuung zur Verfügung.“ Allerdings befürchetet der Wirtschaftsförderverein, dass sich viele der Mütter, die bislang die Geburtsklinik in Bischofswerda aufsuchten, nach einer Schließung nach Dresden oder Pirna orientieren und so für die Oberlausitz-Kliniken ganz verloren sind. Selbiges gelte auch für Ärzte und Hebammen. Eine verzwickte Situation, deren Ende jetzt wieder offen scheint.