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| 16:16 Uhr

Großer Trubel rund um die Hauptstraße

Für viele Besucher ein seltener Anblick: Marlene (li.) und Emilia beim Fischen in sorbischer Festtagstracht im Hof Tomczyk.
Für viele Besucher ein seltener Anblick: Marlene (li.) und Emilia beim Fischen in sorbischer Festtagstracht im Hof Tomczyk. FOTO: Mandy Decker/mdr1
Bröthen. Zehn Höfe und der Dorfplatz von Bröthen hatten sich am Samstag zum Tag der offenen Hoftore herausgeputzt. Verantwortlich für den Trubel rund um die Hauptstraße waren aber nicht nur die Bröthener Hofbesitzer. Mandy Decker

"Ohne den Zusammenhalt der Bröthener und der Michalkener würde hier nichts laufen", sagt Heike Schilling, während um sie herum das Leben tobt. An den liebevoll geschmückten Ständen stehen zahlreiche Besucher nach Kuchen und Kaffee an. Am Riesen-Vier-Gewinnt-Spiel auf der Wiese schlägt ein gewitztes Töchterchen den staunenden Papa. Jugendliche schieben Kleidungsständer mit den neuesten Herbst- und Winterkollektionen eines bekannten Textilhandels über den Hof, die sie den Gästen in einer Modenshow vorgeführt haben. In einem Gehege vor dem Hoftor regen kräftige Pommerngänse die Besucher zu Schwärmereien von riesigen Weihnachtsbraten an. Männer und Frauen in Arbeitstrachten spazieren ganz selbstverständlich die Hauptstraße entlang. Durch den fast fertiggestellten neuen Torbogen locken bunt geschmückte Schlepper Neugierige auf den Dorfplatz. Erfahrene Männer fachsimpeln. Kleine Jungen hören zu.

Seit Januar liefen die Planungen, erzählt Heike Schilling als Ortschaftsrätin und Mitorganisatorin des Hoffestes. Sie berichtet von monatlichen Sitzungen des Festkomitees und von dem Kraftakt der Organisation, der nur zu bewältigen ist, wenn die ganze Gemeinde an einem Strang zieht. Mancher nutzt die Feste im dreijährigen Turnus sogar als Zieleinläufe für die fortlaufende Hofsanierung. So präsentieren Torsten und Katja Tomczyk in diesem Jahr voller Stolz nicht nur ihren hausgemachten Holunderlikör, sondern auch ihr hergerichtetes Fachwerk aus den 1850er-Jahren. Bis zum nächsten Hoffest möchte die Familie, die den Hof der Großmutter seit zwölf Jahren bewohnt, das herrliche Kreuzgewölbe im alten Kuhstall erneuern. Einen gemütlichen Weinausschank kann sich Torsten Tomczyk unter den hohen Decken und Bögen wunderbar vorstellen. "Es macht Spaß und man kann sich ins Dorfleben einbringen", lobt der Bröthener die Idee des Hoffestes. Ein Hof, einige Tore weiter von den Tomczyks in Richtung See, fällt auf dem Programmplan des diesjährigen Hoffestes besonders ins Gewicht. In der Hauptstraße Nummer 19, bei den Czieselskys, haben Heike Schilling und die anderen Helfer den "Kinderhof" eingerichtet. Nicht alle Bröthener bewohnen auch einen der historischen Vierseitenhöfe im Dorfkern. Mitmachen und mithelfen aber wollen beim traditionellen Hoffest natürlich auch die "Zugezogenen" aus den Neubaugebieten. Dafür bieten Hofbesitzer wie die Czieselskys auf ihren Höfen den Organisatoren eine frei zu bespielende Plattform. Und so fanden das Wolfsbüro mit seinen Informationstafeln und Anschauungsmodellen bei ihnen ebenso ein Plätzchen wie Bastelstände, der Laufsteg der Kindermodenschau, eine große Hüpfburg und die Pendelkegelbahn des NATZ.

Wer aber neben unzähligen kulturellen und kulinarischen Erlebnissen und Erinnerungen auch noch einen Preis mit nach Hause nehmen wollte, der musste sich einen der Hoffest-Quizzettel schnappen, damit durch sämtliche Lokalitäten ziehen und herausfinden, in welchen Rastern des großen Luftbildes die zwölf Detailfotos gemacht wurden. Diejenigen Rätselfreunde, die auf die Lösungsworte "Dreschschlegel" und "Herbstblumen" kamen, konnten hoffen, einer der Preisträger zu sein, die am Abend vor dem "Tanz auf dem Misthaufen" im Hof Metaschk gezogen wurden.

Die Prämien waren von den Hofbewohnern und Standbetreibern zur Verfügung gestellt worden, sagt Heike Schilling. Auch ein Zeichen, des festen Zusammenhalts im Dorf.