Bereits früh um 9 Uhr finden sich die rund 80 Sänger ein, um vor dem Eintreffen der Gäste das Stück noch einmal durchzugehen. "Wir freuen uns schon auf die beiden", sagt Katrin Kiesel, Vereinsvorsitzende des Großen Chors. "Heute haben wir nämlich nicht nur unsere erste Probe mit ihnen, sondern lernen sie auch endlich kennen."

Als der Dirigent Ullrich Kern und die kanadische Sopranistin Audrey Larose Zicat vom Theater Görlitz eintreffen, haben sie jedoch eine Überraschung im Gepäck. Zicat wird zwar singen, Kern jedoch nicht dirigieren: "Da in Görlitz noch immer ein neuer Generalmusikdirektor gesucht wird, bin ich leider verhindert", erklärt Kern dem versammelten Chor. Er werde aber durch Andrea Sanguineti vertreten, einem italienischen Dirigenten. "Er wird mich würdevoll vertreten", ist sich Kern sicher.

Die erste Probe mit der professionellen Sopranistin und Kerstin Lieder weiterhin als Ersatz-Dirigentin verläuft relativ reibungslos. Mit jeder gesungenen Zeile stimmen sich Chor und Solosängerin besser aufeinander ein.

"Ich war am Anfang skeptisch, als sie anfing zu singen", erzählt Karl-Heinz Roblick (66), der Bass im Chor singt. "Ihre Stimme hat eine ganz andere Klangfarbe, als wir es hier im Chor kennen. Ich musste mich erst daran gewöhnen. Mittlerweile denke ich aber, dass es klappen wird."

Die anfängliche Skepsis hat nicht nur ihn gepackt. Viele der Sänger waren nach dem ersten Satz verunsichert. "Sie ist eine ausgebildete Opernsängerin und das ist auch zu hören", sagt Ariane Beier (26), eine Alt-Stimme im Chor. "Aber das wird schon klappen."

Auch Katrin Kiesel ist von Zicat beeindruckt: "Sie hat wirklich eine tolle Stimme. Ich freue mich darauf, mit ihr zu singen." Im Gegenzug ist Zicat beeindruckt von dem Können des Laien-Chors: "Sie machen das wirklich gut. Das Stück ist sehr anspruchsvoll, aber es passt zu ihnen. Ich freue mich schon auf den Auftritt."

Dies war die letzte Probe vor der ersten Aufführung zu den Musikfesttagen in der Lausitzhalle. Einen Tag vorher ist nur noch die Generalprobe, dann auch erstmals mit dem Orchester, der Neuen Lausitzer Philharmonie. Weitere Auftritte mit der Sopranistin Audrey Larose Zicat und dem vertretenden Dirigenten Sanguineti wird es noch in Görlitz, Zittau und Bautzen geben. Die Karten sind jedoch bereits überall ausverkauft.

"Wir haben nun eine Qualität erreicht, mit der wir uns durchaus auf der Bühne präsentieren können", sagt Kerstin Lieder. Schließlich sei das "Magnificat" etwa zehnmal so schwer, wie die "Sixtinische Madonna", ein Projekt mit der Band Electra.

Der Große Chor Hoyerswerda ist ein Projektchor, der sich im Frühjahr 2010 gründete. Das erste Projekt war die "Sixtinische Madonna" mit der Band Electra. Das zweite ist nun das "Magnificat" von dem englischen Komponisten John Rutter, das seine Uraufführung 1990 hatte. Es ist die Lobpreisung Marias zur Geburt Jesu und gehört zur zeitgenössischen Chorliteratur.