| 02:46 Uhr

Großer Aufwand für ein kleines Dach

Dachdecker Ronny Kortschack mit dem Klopfer am Reet-Dach beziehungsweise beim Bespannen des Heidekraut-Firstes mit engmaschigem "Kükendraht".
Dachdecker Ronny Kortschack mit dem Klopfer am Reet-Dach beziehungsweise beim Bespannen des Heidekraut-Firstes mit engmaschigem "Kükendraht". FOTO: Ulrike Herzger/uhz1
Bergen. "Ja, die Vögel haben hier wirklich ganze Arbeit geleistet", erklärt Birgit Pattoka dem Dachdecker Ronny Kortschack. Allerdings ist das gegenüber den Vögeln nicht gerade lobend gemeint. Birgit Pattoka zeigt auf das ramponierte Dach des alten Taubenhauses in ihrem Garten in Bergen. Ulrike Herzger / uhz1

Der 31-jährige Dachdecker aus der Gemeinde Schwielochsee nahm sich des in die Jahre gekommenen Bauwerkes an. Genauer gesagt - dem zerrupften Heidekrautfirst sowie der darunter befindlichen Reet-Eindeckung, die ebenfalls wieder ein bisschen aufgemöbelt werden sollte. Für die erforderlichen Spezialarbeiten war Birgit Pattoka bei der Waske-Dacheindeckung aus dem Spreewald fündig geworden. Es sind bereits wieder fast 14 Jahre her, als das Dach der über 240 Jahre alten Schrotholzscheune neu mit Reet eingedeckt wurde. Damals hatte auch das im selben Stil gehaltene Taubenhaus eine Runderneuerung bekommen. Und wurde nicht nur von Tauben dankbar angenommen. "So schön es auch ist, wenn die Vögel vielstimmig das beginnende Frühjahr ankünden. Aber sie suchen sich eben auch das Material für ihren eigenen Nestbau - und da konnten sie sich von dem Heidekraut an der Vogelhausspitze immer recht gut bedienen", bedauert die Kunsthandwerkerin, die das Ambiente rings um die Scheune zu ihrer traditionellen Ausstellung "Frühlingszeit - ist Osterzeit" nutzt. Damit sich das Ensemble wieder stimmig präsentiert, wenn sie jährlich ab dem Frühlingsanfang die Tore für Besucher öffnet, wollte die Kunstmalerin nun auch das Taubenhaus wieder hergerichtet haben.

Dabei spielte das Wetter eine maßgebliche Rolle. Regen hätte das Vorhaben zunichte gemacht. Eine Tagesarbeit erwartete den Dachdecker, der dafür zwar nur in 4,50 Meter Höhe arbeiten brauchte. Das ist wesentlich niedriger, als er sonst arbeitet. Aber es kostete ihm auch etwas Lehrzeit, wie er einräumte. Schließlich war es seine erste "Taubenhaus-Sanierung", wie er gut gelaunt bestätigte.

Zuerst musste Ronny Kortschack die ausgediente Heidekrauthaube entfernen. Danach konnte der neue Heidekrautfirst in Angriff genommen werden. Dazu verwendete der Dachdecker Material aus Heidekraut-Ballen, das er über dem Reet-Dach haubenförmig anordnete. Obwohl das Heidekraut eigentlich recht leicht ist, brachte es letztlich ein Gesamtgewicht von rund 23 Kilogramm aufs Dach. Als Schutz vor Wind und Sturm spannte er abschließend über die gesamte Heidekrautmütze ein feinmaschiges Netz, das man beispielsweise auch benutzt, um Küken am Ausreißen zu hindern. In diesem Fall wird es wieder ein Weilchen gegen die diebischen Vogelnestbauer helfen, hofft die Auftraggeberin.

Zum Abschluss schwingt der Dachdecker nochmals den speziellen "Klopfer", um übrig gebliebenes Reet auf dem 1,40 Meter langen Dachschenkeln zu entfernen, denn auch hier musste er kleinere Reparaturen durchführen - erkennbar an den helleren Stellen.

Ab Ostern könnte das sanierte Taubenhaus wieder bezugsfähig sein und fröhliches Taubengurren durch den Garten klingen. Doch Birgit Pattoka ist sich noch nicht sicher, ob sie das Taubenhaus wirklich erneut besiedeln möchte. Immer wieder musste die Familie in der Vergangenheit mit ansehen, wie die hübschen Geschöpfe dem Habicht zum Opfer fielen. "Erstens tut uns das natürlich sehr leid, zum anderen ist es aber auch eine Geldfrage. Mal sehen, wie wir uns entscheiden", ließ sie die Entscheidung noch offen.