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| 17:34 Uhr

Neues Brandmeldesystem aus Lauta
Große Pläne mit kleinem Sensor

Dr. Christoph Burghardt (Mitte) hat ein neues Brandmeldesystem entwickelt. Er beginnt als Start-Up im Technologiezentrum Lauta. Links: Lautech-Geschäftsführerin Kathrin Schlesinger. Rechts: Lautas Bürgermeister Frank Lehmann.
Dr. Christoph Burghardt (Mitte) hat ein neues Brandmeldesystem entwickelt. Er beginnt als Start-Up im Technologiezentrum Lauta. Links: Lautech-Geschäftsführerin Kathrin Schlesinger. Rechts: Lautas Bürgermeister Frank Lehmann. FOTO: LR / Sascha Klein
Lauta. Ein Cottbuser Unternehmer will mit einem speziellen und vielseitigen Brandmeldesystem in Lauta durchstarten. Noch hat der 63-Jährige nur eine Handvoll Mitarbeiter. Er plant jedoch Großes im Lausitzer Seenland. Von Sascha Klein

Dr. Christoph Burghardt heftet seinen entwickelten Brandmeldesensor an eine Magnetwand und nimmt ein Teil des Gehäuses ab. Darunter ist jede Menge Elektronik. Unter anderem leuchtet eine Diode blau. Noch kann niemand im Raum etwas damit anfangen. Der 63-jährige Physiker sagt: Das Gerät misst unter anderem auch den CO2-Gehalt in der Luft. Ist der sehr hoch – wie etwa nach langen Konferenzen in einem mittelgroßen Raum – meldet das Gerät auch das. Es ist eine besondere Funktion des Gerätes, das den Namen iNose (zu deutsch: Nase) bekommen hat.

„Was heute seinen Ausgangspunkt nimmt, wird noch von sich reden machen“, sagt der Cottbuser. Er möchte sein Unternehmen „Blue Sensors“ im Technologiezentrum Lauta wachsen lassen. Denn von seiner Erfindung verspricht er sich Großes. Sein Brandmeldesystem unterscheidet sich von handelsüblichen in einigen entscheidenden Punkten. Burghardt erklärt: „Unser iNose kann Brände bereits in der Entstehungsphase erkennen und vor dem toxischen Kohlenmonoxid warnen.“ Zum Vergleich: Andere Rauchmelder würden nur Rauch erkennen, könnten aber nicht zwischen tödlichen Gasen unterscheiden. Zudem würden diese bei Bränden oftmals zu spät anschlagen, sagt Burghardt.

Seine Erfindung setzt an verschiedenen Punkten an. Einerseits ist dieser Gefahrenmelder in der Lage, zum Beispiel eine Sprinkleranlage anzusteuern. Christoph Burghardt zeigt das an einem Beispiel. In einem Video hat er das in einem leeren Cottbuser Wohnblock demonstriert – mithilfe einer Feuerschale. Sie steht brennend im Hausflur. Sein Gefahrenmelder nimmt die Rauchgase wahr, steuert den Sprinkler an. Er geht an, sprüht vier Sekunden Wasser und geht wieder aus. Das ist der nächste Trick in der Konzeption. Es soll nur so viel Wasser gesprüht werden, um den Brand zu löschen, damit das Gebäude nicht durch zu viel Wasser zusätzlich beschädigt wird. Stellt das System fest, dass immer noch Rauchgase in der Luft sind, wird das Löschsystem erneut aktiv. Allerdings: Der „iNose“ muss mit dem Stromnetz verbunden sein.

Andererseits dient das System auch dafür, Klimasysteme in einem Raum oder in einem Gebäude zu steuern. Stellt das System zum Beispiel fest, dass die CO2-Konzentration in einem Raum hoch ist, kann es sofort reagieren. Burghardt hat dieses Phänomen selbst schon oft festgestellt: „Manchmal kommt man in einem Raum und wird innerhalb weniger Minuten müde. Das liegt nicht daran, dass zu wenig Sauerstoff im Raum ist. Die CO2-Konzentration ist zu hoch.“ Der Cottbuser Physiker sieht die Einsatzmöglichkeiten dafür unter anderem in Unternehmen, in Schulen und Universitäten. Es gehe nicht allein darum, vor den Auswirkungen von Bränden zu schützen. Sein Gerät habe viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Prototypen seien bereits seit mehr als drei Jahren im Cottbuser Steenbeck-Gymnasium sowie in der Lausitzer Sportschule in Cottbus im Einsatz.

Jetzt geht es für Christoph Burghardt darum, mit seinem Produkt am Markt durchzustarten. In Sachsen hat er die besten Möglichkeiten ausgemacht. Produziert wird der „iNose“ in Schweden. Eine größere Charge von 3000 Stück ist Burghardt zufolge verfügbar. Interessenten hat das Unternehmen „Blue Sensors“ vor allem aus der Wirtschaft. „Unser Produkt ist natürlich auch Industrie 4.0-fähig“, sagt der Geschäftsführer. So will Christoph Burghardt jetzt möglichst viele potenzielle Kunden überzeugen, seine Innovation anzuschaffen. „Wir denken und handeln europäisch“, betont der 63-Jährige. Unter anderem habe ein größeres spanisches Unternehmen schon Interesse gezeigt, der schwedische Hersteller soll den Vertrieb in Nordeuropa übernehmen. Auch Privatleute können das Gerät für den Hausgebrauch anschaffen. Zurzeit ist es im Vergleich zu herkömmlichen Rauchmeldern jedoch sehr teuer. Ein Sensor kostet zurzeit 295 Euro netto.

„Blue Sensors“ hat große Pläne, die aufhorchen lassen. Christoph Burghardt: „Unser Ziel ist, dass wir in fünf Jahren mehrere Hundert Beschäftigte haben.“ Dann aber nicht mehr im Lautaer Technologiezentrum: Der Unternehmer und die Lautaer Stadtspitze haben bereits ausgelotet, wo in Lauta sich der Cottbuser mit einem Unternehmen niederlassen könnte. Seine Ansage: Ziel sei es, die Firma in der Stadt groß zu machen und dort zu bleiben. Um europaweit am Markt bestehen zu könnten, bräuchte es eine große Entwicklungsabteilung und einen schlagkräftigen Vertrieb. Für die nahe Zukunft backt „Blue Sensors“ jedoch erst einmal kleine Brötchen: „In diesem Jahr wollen wir noch bis auf zehn Mitarbeiter wachsen“, betont Burghardt. Zurzeit seien es fünf Beschäftigte.

Mehr zum Thema Brandmelder:
www.blue-sensors.de