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| 14:26 Uhr

Interview mit Lohsas Bürgermeister Thomas Leberecht
Große Pläne für große Gemeinde

Thomas Leberecht ist seit Juli 2016 Bürgermeister der Gemeinde Lohsa. Zuvor war er bereits Stellvertreter seines Vorgängers Udo Witschas.
Thomas Leberecht ist seit Juli 2016 Bürgermeister der Gemeinde Lohsa. Zuvor war er bereits Stellvertreter seines Vorgängers Udo Witschas. FOTO: Mandy F¸rst
Lohsa. Lohsa packt unter anderem die Themen Abwasser und Grundschulsanierung an. Von Sascha Klein

Heute setzt die RUNDSCHAU die Interview-Serie mit den Verwaltungschefs der Region fort. Sie skizzieren, was sie im Jahr 2017 geschafft haben und welche Projekte in diesem Jahr anstehen. Zudem sollen sie einen Wunsch für ihre Gemeinde äußern. Heute: Lohsas Bürgermeister Thomas ­Leberecht.

Was haben Sie gemeinsam mit Ihrer Verwaltung und dem Gemeinderat in diesem Jahr für Ihre Bürger erreicht?

Thomas Leberecht: Am sichtbarsten ist wohl die Errichtung des Gebäudes für den Wassersportverein „Am Blauen Wunder“ am Dreiweiberner See. Durch die Einschränkungen nach dem Verlust der Trainings- und Wettkampfanlagen am Knappensee freuen wir uns sehr, dass wir das Vereinshaus übergeben konnten und somit der Verein in der Gemeinde geblieben ist. Damit hat der Kanurennsport hier weiterhin eine Heimat. Ebenfalls am Dreiweiberner See konnte die Schwimmsteganlage erweitert werden. In Weißkollm wurde das Abwasserbeseitigungskonzept abgeschlossen. Die Arbeiten zur Sanierung der Turnhalle Groß Särchen laufen, danach soll die Grundschule folgen.

Aber auch die Sanierung der Trauerhalle in Steinitz (weiterführend die Trauerhalle in Hermsdorf). In Weißkollm und Steinitz sollen die Urnengemeinschaftsanlagen neu gestaltet werden. Außerdem wurden viele kleinere Projekte umgesetzt wie an Dorfgemeinschaftshäusern oder Feuerwehrdepots, aber auch auf unseren Gemeindestraßen und beim Radrundweg.

Was hat Sie im Jahr 2017 persönlich besonders beschäftigt?

Leberecht: Besonders stolz bin ich, dass meine Gedanken zur Ortsgestaltung Berücksichtigung finden, ich somit Einfluss nehmen kann auf die Entwicklung meiner Heimat. Außerdem habe ich auf Kreisebene lange gebohrt, damit der ÖPNV, also der Personennahverkehr, in Lohsa ab Ende 2018 wieder auf die Schiene zurückkehrt. Und auch, dass es Fördermittel für die Sanierung der Turnhalle Weißkollm gibt, kann ich mir mit auf die Fahnen schreiben – dafür habe ich schon seit 2014, damals noch als stellvertretender Bürgermeister, gekämpft.

Welche Projekte stehen für das Jahr 2018 ganz oben auf Ihrer Agenda?

Leberecht: 2018 wird die Umsetzung des Abwasserbeseitigungskonzeptes für Koblenz und Groß Särchen auf dem Plan stehen. In Groß Särchen geht es weiter mit der Sanierung von Turnhalle und Grundschule. Als Gemeinde werden wir die bergbautechnische Sanierung weiter begleiten. Im Rahmen des Masterplans für den Knappensee wird es wichtig sein, dass die Vereine und Leistungsanbieter dort eine Sicherheit für die Zukunft sehen und wir alsbald in die weiteren Planungen einsteigen. Am Bahnhaltepunkt in Lohsa werden wir eine Aufwertung vornehmen, es sollen Stellplätze für Pkw und Fahrräder sowie eine Radwegeanbindung errichtet werden.

Die Region steht erneut vor einem Strukturwandel: Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit dieser gelingt?

Leberecht: Die Rahmenbedingungen müssen passen bzw. geschaffen werden. Grundlegend muss es gelingen, eine Infrastruktur zu fordern, die es möglich macht, dem Zukünftigen Alternativen zur Ansiedlung zu geben und den hier Lebenden die des Bleibens in unserer Region / Heimat. Auch wenn ich/wir gewillt bin/sind, viel Kraft in neue Aufgaben wie den Tourismus zu stecken, muss ich doch Realist genug bleiben, um einzugestehen, dass uns das allein nicht am Leben hält.
Hier ist abermals die Landes- und/ oder Bundespolitik gefragt. Wer Milliarden in die Steinkohleregionen stecken kann, muss das Gleiche auch für diesen uns erwartenden Strukturwandel hier für uns für die Lausitz tun! Und damit meine ich nicht einen Subventionstourismus wie im aktuellen Fall bei Siemens!

Ob Breitbandausbau, Mobilität, innere Sicherheit, ärztliche Versorgung im ländlichen Raum oder auch in der Bildung muss nachgesteuert werden.

Bürokratische Hürden bringen uns hier keineswegs weiter. Um den Wandel sichtbar zu vollziehen, bedarf es konkreter Entscheidungen und der Unterstützung des ländlichen Raumes durch die Landesregierung, damit die Kommunen den Wandel nicht nur begleiten, sondern selbst gestalten und mit Leben füllen können.

Wenn Sie für die Gemeinde Lohsa einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich wünschen?

Leberecht: Zunächst wäre es schön, wenn alle vorgenannten Aufgaben erfüllt wären. Der ländliche Charakter und die hohe Lebensqualität müssen bei einer stabilen Infrastruktur erhalten bleiben. Für die ältere Generation wird es wichtig sein, Mobilität anzubieten und das Netz an medizinischer Betreuung zu qualifizieren. Für die Jugend und junge Familien soll es weiterhin Kita, Schulen und Freizeiteinrichtungen in der Gemeinde geben. Außerdem hoffe ich, dass sich die Seen in einigen Jahren so entwickelt haben, dass daraus positive Effekte für Wirtschaft und Tourismus resultieren.

Mit Thomas Leberecht
sprach Sascha Klein