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Großbrand auf Knopfdruck

Erst nachdem sie die Lage erkundet haben, betreten die Kameraden den Brandort.
Erst nachdem sie die Lage erkundet haben, betreten die Kameraden den Brandort. FOTO: Uwe Menschner/ume1
Kamenz. Die mobile Brandübungsanlage der Enso steht wieder in Kamenz. Feuerwehren aus dem ganzen Landkreis Bautzen nutzen sie zum Training. Uwe Menschner / ume1

Flammen schlagen aus einem Lüftungsgitter. Dichter dunkler Rauch quillt auf. Der ohnehin schon trübe Tag wird noch eine Spur düsterer. Doch Abhilfe ist in Sicht: Die Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Kamenz-Stadt stehen bereits parat, um dem Feuer eine fachkundige Behandlung zukommen zu lassen. Ein kleiner Trupp von zwei Einsatzkräften bereitet sich auf den Löscheinsatz vor. Sorgfältig prüfen die Kameraden gegenseitig den Sitz der Atemschutzgeräte, bevor sie vorsichtig beginnen, die Tür des brennenden Objektes zu öffnen. Zunächst nur einen Spalt breit, damit der eintretende Sauerstoff keine Rauchgasentzündung verursacht, sodass sie den Wasserschlauch in das Innere richten können. Erst einige Zeit später begeben sich die beiden jungen Männer ins Innere, wo die zufallende Stahltür sie den Blicken entzieht.

Die nachfolgenden, entscheidenden Minuten spielen sich verborgen vor den Augen der Schaulustigen ab. Nur ein Mann sieht genau, was sich abspielt: Hans-Christian Nagel. Der Mitarbeiter der Firma Dräger sitzt in einer kleinen Kabine, nur durch eine dicke Glasscheibe vom Brandherd getrennt. Vor ihm steht ein Pult mit Knöpfen und Reglern.

"Von hier aus kann ich die Stärke und Intensität des Feuers steuern und verschiedene Szenarien simulieren, zum Beispiel Brände an Stromverteilern oder an Fotovoltaikelementen", erklärt er. Was da nämlich brennt, ist kein gewöhnliches Haus, sondern die mobile Brandübungsanlage der Energieversorgung Sachsen Ost AG (Enso). Bereits seit acht Jahren tourt sie durch die vier ostsächsischen Landkreise, die das Versorgungsgebiet der Enso bilden. "Und der Andrang ist ungebrochen", freut sich Geschäftsführer Wolfgang Jäger. "Normalerweise läuft sich ja so etwas nach spätestens fünf Jahren tot. Doch hier strömen die Feuerwehren herbei wie im ersten Jahr." Das bestätigt auch Birgit Weber, die für den Brandschutz zuständige Beigeordnete des Landrates: "Für die Übungswoche haben sich 30 Feuerwehren mit 350 Kameraden angemeldet. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Enso ihre Anlage kostenlos zur Verfügung stellt." Für Wolfgang Jäger "eine Selbstverständlichkeit: Schließlich betreiben wir ja selbst eine ganze Reihe von hochsensiblen Einrichtungen, für die wir im Brandfall auf die Sachkunde der Feuerwehrleute angewiesen sind."

Diese hat soeben Klaus Rösinger unter Beweis gestellt. Gemeinsam mit seinem Co-Truppmann konnte der junge Kamerad die Flammen in kurzer Zeit unter Kontrolle bringen. Und das trotz der "Schikanen", die Hans-Christian Nagel in den Übungsablauf einbaut und die doch nur ein Abbild des realen Brandgeschehens sind. Beispielsweise der gefürchtete "Flashover", der entsteht, wenn sich die konzentrierten Rauchgase explosionsartig entzünden. "Es hat sich angefühlt wie ein ganz normaler Brandeinsatz", erklärt Klaus, der zum ersten Mal im "Container" übte, nachdem er die Maske abgesetzt hat. "Man weiß, dass es eine Übung ist, gibt aber trotzdem 100 Prozent." Ihre Aufgabe erfüllt hat auch die Kameradrohne, die Maik Stäglich, Mitarbeiter des Feuerwehrtechnischen Zentrums Kamenz, über der Anlage hat kreisen lassen.

Auf ihren Bildern sieht man, was von unten gar nicht zu erkennen war - nämlich dass die Kameraden auf dem Dach noch eine leblose "Person" geborgen haben. "Ich stelle die Aufnahmen der Feuerwehr zur Verfügung, die sie zur Auswertung verwenden kann", erklärt er.