| 02:39 Uhr

Grenzenloser Druck für die Lausitz

Bettina Langbein ist seit 15 Jahren im Lautaer Unternehmen Apikal Anlagenbau beschäftigt. Geschäftsführer Klaus Händler bestätigt ihr sichtlich stolz die Fehlerquote Null. Deshalb wird sie ab Herbst auch die erste Auszubildende zur Druckluftmechatronikerin unter ihre Fittiche nehmen. Das Druckluftmodul, das sie hier wieder flott macht, gehört zu einer Rangierlok der Baureihe 294 der Deutschen Bahn.
Bettina Langbein ist seit 15 Jahren im Lautaer Unternehmen Apikal Anlagenbau beschäftigt. Geschäftsführer Klaus Händler bestätigt ihr sichtlich stolz die Fehlerquote Null. Deshalb wird sie ab Herbst auch die erste Auszubildende zur Druckluftmechatronikerin unter ihre Fittiche nehmen. Das Druckluftmodul, das sie hier wieder flott macht, gehört zu einer Rangierlok der Baureihe 294 der Deutschen Bahn. FOTO: Steffen Rasche
Lauta. Dem politisch besiegelten Ende des Braunkohleabbaus in der Lausitz sieht Unternehmer Klaus Händler "keinesfalls freudig entgegen". Aber es gebe auch keinen Grund für Untergangsstimmung. Kathleen Weser

"Den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Charaktereigenschaft der Lausitzer", versichert der Geschäftsführer des Unternehmens Apikal Anlagenbau in Lauta im Brustton der Überzeugung. Den Umbruch betrachtet er als eine Chance. Mit dem festen Willen, Grenzen zu überwinden, und dem unerschütterlichen Vertrauen in die klugen Köpfe der Region hat er schon Großes geschafft - und vor der Zukunft alles andere als Dampf.

Denn so hat der Kleinkoschener vor nunmehr auf den Tag genau 20 Jahren mit einem Mitarbeiter, Andreas Schwarz arbeitet bis heute im Unternehmen, als klassischer Existenzgründer im Lausitzer Technologiezentrum (Lautech) begonnen. Heute beschäftigt Apikal 60 Leute - am folgenden und inzwischen kräftig gewachsenen Standort auf der neu besiedelten Industriebrache der Laubuscher Brikettfabrik und in mehreren Außenstellen in ganz Deutschland.

Drucklufttechnik von Apikal ist zuerst im aktiven Lausitzer Bergbau eingesetzt worden und hat dann im Kalibergbau unter Tage, auf den Schienenwegen der Bahn, in der Autoindustrie bis zur Formel 1 und auf Offshore-Bohrinseln in Asien Einzug gehalten. Die Steuerungstechnik von Amphibienfahrzeugen in der Sanierung ist ebenso made in Lauta wie der Prüfstand für das Tornado-Geschwader der Bundeswehr.

In der Nische der Spezialanfertigungen für die Industrie ist das mittelständische Lautaer Unternehmen groß geworden. "Der Grundstein unseres Erfolges wurde 1997 in der Lausitzer Braunkohle gelegt", erklärt Klaus Händler mit dem dankbaren Blick zurück. Reinhard Friedrich, damals für die Schienenfahrzeuge der Bergbautreibenden federführend zuständig, hatte an den Kohleloks ständigen Reparaturbedarf und machte seinem fachlichen Ärger darüber Luft. Klaus Händler heilte das Problem - mit Druck. Der Siegeszug technischer Lösungen mit energieeffizienten Druckluftsystemen begann. Und er hält bis heute an. Inzwischen hat Apikal in der Nordsee sogar das Schweinswal-Sterben beendet. Das Einrammen der Fundamente für Windkraftanlagen hatten die empfindsamen Tiere offensichtlich nicht überlebt. Um die Rammstellen erzeugen nun eigens entwickelte Schiffskompressoren bis in 30 bis 40 Meter Tiefe einen Kreis aus sanft aufsteigenden Luftblasen, die den Schall brechen.

Klaus Händler setzt auf den Nachwuchs aus der Lausitz. 17 Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten haben junge Leute, die an der Hochschule Lausitz und heutigen Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus - Senftenberg studiert haben, betreut von Apikal geschrieben. "Keine einzige ist im Schreibtisch gelandet. Wir haben alles umgesetzt", versichert der Geschäftsführer, der weit mehr als nur ein stabiler Arbeitgeber in der Region ist.

Der Lausitzer, der die brandenburgisch-sächsische Grenze am liebsten konsequent ignoriert, fördert von Herzen gern ehrenamtliches Engagement - genau hier. Den "Verkehrsgarten für Kinder" in Lauta, einst als modernste Lern-Anlage der Art für den Bezirk Cottbus hier erbaut, unterstützt das Unternehmen. Rührige Mitglieder der Stadtverkehrswacht Lauta halten das Areal in Schuss. Der in Kleinkoschen verwurzelte Brandenburger, der beruflich in Sachsen zur Höchstform aufläuft, hat zur heutigen Jubiläumsfeier ausdrücklich und ausschließlich um Spenden für dieses Projekt gebeten. Und der Geburtstagswunsch von Klaus Händler ist, dass Lausitzer Kinder den Verkehrsgarten länderübergreifend rege nutzen können. Dafür hat er übrigens schon ganze Busse von Senftenberg nach Lauta gechartert. Denn die Reichweite des Bildungsbudgets der Schulen endet leider an der Ländergrenze.