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| 14:49 Uhr

Promi in der Oberlausitz
Goodbye Spanien – Hallo Neukirch!

Jörg Rokitta hat sich hier einiges vorgenommen. An dieser Stelle soll ein Biergarten entstehen.
Jörg Rokitta hat sich hier einiges vorgenommen. An dieser Stelle soll ein Biergarten entstehen. FOTO: Uwe Menschner
Neukirch/Lausitz. Jörg Rokitta – bekannt aus „Goodbye Deutschland“ – lebt seit einiger Zeit im Bahnhof Neukirch-Ost. Er hat hier große Pläne. Am 10. Februar soll es losgehen. Von Uwe Menschner

Im Bahnhof Neukirch-Ost ist neuerdings abends wieder Licht zu sehen. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier jemand wohnt. Und auch an dem lange Zeit verwaisten Klingelbrett steht wieder ein Name: Rokitta. Wer regelmäßig die Doku-Serie „Goodbye Deutschland – Die Auswanderer“ auf Vox sieht, bei dem schrillen jetzt ebenfalls die Klingeln: Das wird doch wohl nicht etwa …

Ja, er ist es. Jörg Rokitta, der den Privatsender jahrelang an seinem bewegten Leben auf Mallorca und Fuerteventura teilhaben ließ, hat es ausgerechnet nach Neukirch/Lausitz verschlagen – von „Malle“, diesem pulsierenden Hotspot des turbulenten Lebens, in die idyllische Oberlausitz. Wie kam es dazu?

Der drahtige, kahlköpfige Mann mit dem markanten Kinnbart bittet den Besucher freundlich herein. Bereits das Ambiente des winterlich kalten Treppenhauses lässt erahnen, dass hier viele Jahre lang kaum Begängnis herrschte. Nachdem Jörg Rokitta die Wohnungstür geöffnet hat, weicht die Kühle einer behaglichen Wärme, die ein Kachelofen verströmt. „Von diesen gibt es hier im Bahnhof noch mehrere“, sagt Jörg Rokitta.

20 Jahre hat der gebürtige Ruhrgebietler in Spanien gelebt und sich dabei auf Schritt und Tritt von Kameras über die Schulter blicken lassen. „Die ziemlich chaotische Eröffnung meiner kubanischen Cocktailbar El Cubanito in Santa Ponsa auf Mallorca, der überstürzte Umzug der Bar wegen technischer Probleme nach Arenal, meine Freundschaft zum Goodbye-Deutschland-Urgestein Jens Büchner, mein Besuch in der Villa Colani bei Karl Heinz Fürst Sayn von Wittgenstein“ zählt der 48-Jährige die Meilensteine auf, die von bis zu 1,8 Millionen Zuschauern zur Primetime verfolgt wurden.

„Die Tatsache, dass ich als Steh­aufmännchen trotz mehrerer Fehlgriffe in der Gastronomie nie aufgegeben habe, machte mich bei den Mallorca-Fans sehr populär.“ Und offenbar besonders in Ostdeutschland: In Neukirch, so berichtet er, sei er schon mehrmals im Supermarkt angesprochen worden: „Sind Sie nicht …?“ In Süddeutschland sei das eher selten vorgekommen. Allerdings wird sein Wirken auf Mallorca in diversen Internetforen auch durchaus kontrovers reflektiert.

Eine schwere Erkrankung veranlasste Jörg Rokitta, sich dem Medienrummel zu entziehen und nach 20 Jahren zu sagen: „Goodbye Spanien – Hallo, Deutschland.“ Doch wie verschlug es ihn ausgerechnet nach Neukirch? „Der Eigentümer des Bahnhofes Neukirch-Ost ist ein guter Bekannter und hat mir angeboten, hier zu wohnen.“ Und so kommt es, dass der frühere Fernsehstar jetzt täglich Kohlebriketts durch das Bahnhofstreppenhaus nach oben trägt und den Kachelofen anfeuert.

Doch Jörg Rokitta wäre nicht er selbst, wenn er nicht schon längst wieder Pläne schmieden würde: „Ich habe erfahren, dass es im Bahnhof Neukirch-Ost einst eine sehr beliebte Gaststätte gab. Diese Tradition möchte ich gern wiederbeleben.“

„Einige von Euch werden jetzt denken, ich drehe total durch“, schreibt Jörg Rokitta auf seiner neuen Facebook-Seite „Bahnhof Neukirch Gastro.“ Und in der Tat erscheint das Vorhaben recht sportlich. Denn: Ein Rundgang durch die früheren Betriebs- und Gaststättenräume des Bahnhofes offenbart zunächst nur eins: heilloses Chaos und Durcheinander. Alles ist so stehen und liegen geblieben, wie es den letzten Nutzern vor vielleicht 15 Jahren aus den Händen fiel.

Der Gastronom will zunächst mit einer „kleinen Variante“ – Minimarkt (Kiosk), Küche (auch für Catering) und Bahnhofshalle im Mittelbereich als Gastraum an den Start gehen. Im weiteren Jahresverlauf sollen Chillout- und Shishalounge, ein kleiner Biergarten sowie ein Tanzbistro hinzukommen. Klotzen, nicht kleckern! Auch an die Bahnreisenden denkt Jörg Rokitta, die sich künftig „eine Bockwurst auf die Hand“ verkaufen lassen und – was seit vielen Jahren nicht mehr möglich war – drängende Bedürfnisse befriedigen können. Für die Unterhaltung der Gäste will Jörg Rokitta größtenteils selbst sorgen, wie er es auch auf Mallorca schon getan hat.

Kann das alles tatsächlich funktionieren? Am 10. Februar wird man schon etwas mehr wissen. An diesem Tag nämlich lädt Jörg Rokitta unter dem Motto „Vom Ballermann in die Lausitz“ zur Faschingsparty ein. Beginn: 13 Uhr.