Von Rainer Könen

Das erste Gefühl bei dem Gespräch mit Karl-Heinz Mohr, das sich nach wenigen Minuten einstellt, ist, dass das jemand ist, der genau weiß, wie man eine wohlklingende Stimme einsetzen muss. Dass man mit ihr nicht nur Zuschauer einfangen, sondern auch Emotionen schüren kann.

Was ja gerade bei Sportveranstaltungen etwas ist, was nicht zu unterschätzen ist. Allerdings: „Zu emotional sollte es nie werden“, findet der 76-Jährige, der seit über 50 Jahren in Hoyerswerda, in der Region, ja in ganz Sachsen Sportveranstaltungen moderiert. Karl-Heinz Mohr ist Stadionsprecher. Ist einer der klassischen Vertreter dieser Moderatoren-Spezies. Sein Handwerk hat er zu Vorwendezeiten gelernt, damals besuchte er auch Fortbildungskurse, wo man in Rhetorik, in Sprachlehre, in Kommunikation geschult wurde. Wer so lange wie Karl-Heinz Mohr im Stadionsprecher-Geschäft ist, dessen Leistungen am Mikro werden hier und da auch gewürdigt. Wie zuletzt beim Halbstunden- und Stundenlauf der Abteilung Leichtathletik des SC Hoyerswerda im Sportforum. Da gab es für ihn das „Goldene Mikrofon“ und die Ehrensprecher-Würde, verbunden mit der Bitte, auch weiterhin auf den Plätzen und Hallen präsent zu sein. Als informierender und unterhaltender Stadionsprecher. Denn natürlich kann sich auch jemand wie Karl-Heinz Mohr dem Zeitgeist nicht völlig verschließen. Nicht in dieser Funktion.

Emotionales Infotainment ist das Schlagwort, an dem auch ein Stadionsprecher wie er nicht vorbei kann. Aber „wenn ich andere Kollegen höre, vor allem die in den Fußballstadien, dann ist mir das, wie die mit dem Publikum umgehen, zu aufwühlend“, erklärt er. Er mag es lieber sachlicher, ohne dabei jedoch zu langweilen. Karl-Heinz Mohr ist halt noch einer dieser Sprecher aus der „Old-School“-Kategorie. Er erzählt, dass er nach der Wende  Probleme hatte, englischsprachige Sportler anzukündigen. „Wir hatten doch kaum Englisch in der DDR“, so Mohr. Als er vor einigen Jahren in der Sporthalle des Hoyerswerdaer Berufsschulzentrums ein Testspiel zwischen den beiden Bundesligisten Alba Berlin und den Telekom Baskets Bonn moderierte, ließ er sich die Namen der Amerikaner, die in beiden Teams standen, in Lautschrift aufschreiben. „Das hatte dann mit der Aussprache wunderbar geklappt“, grinst er.

Zu dem Job des Stadionsprechers war er in den 1960er-Jahren mehr aus Zufall gekommen. Der in der Altmark aufgewachsene Mohr studierte in Leipzig von 1961 bis 65  Sport und Geschichte. Als frischgebackener Diplom-Lehrer zog es ihn kurz darauf in die Heimat seiner Frau, in die Lausitz. Er fing in der Oberschule von Burgneudorf an. 1965 war das. Ein Jahr später sein erster Auftritt als Moderator einer Sportveranstaltung. In Burgneudorf sei das gewesen, ein Crosslauf. Seine Art zu moderieren, seine Stimme, Mohr kam gut an. Fortan häuften sich die Anfragen. Wie viele Sportveranstaltungen er seitdem als Stadionsprecher begleitet hat, er zuckt mit den Schultern. „Mehr als 1000 sind es allemal.“ Darunter zahlreiche Leichtathletik-Wettkämpfe des SC Hoyerswerda. Jahrelang moderierte er auch die Handballspiele des Hoyerswerdaer LHV. Bei Kreissport-Wettkämpfen in Bautzen, Kamenz war seine Stimme ebenfalls häufig zu hören, auch in Dresden und Leipzig gab er schon den Stadionsprecher. Zu den Höhepunkten seiner Sprechertätigkeit gehörte in den 90er Jahren eine Laufveranstaltung in Hoyerswerda, die er gemeinsam mit der früheren DDR-Reportergröße Heinz-Florian Oertel moderieren durfte. „Wir hatten dabei viel Spaß, haben uns wunderbar ergänzt“, blickt er zurück.

Was ist die ureigenste Aufgabe des Stadionsprechers? Zu informieren. Punkt. Nun ja, nicht nur. Ein wenig Platz für die Interaktion mit den Zuschauern sollte da auch noch sein, beschreibt es Karl-Heinz Mohr. Der sich jedes Mal akribisch auf seine „Tätigkeit des Ansagens“ vorbereitet. So dass seine Moderation locker bei den Zuschauern ankommt, wenn er sich als kompetenter und charmanter Gastgeber einer Sportveranstaltung gibt.

Wie lange will er noch weitermachen?  „So lange man mich noch hören will“, meint Karl-Heinz Mohr, so lange stehe er zur Verfügung. Mit Mikrofon und sportlichem Sachverstand.