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Göttertränen in alter Waschkaue

Wilfried Sauer führt durch die Bernstein-Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode. Sabine Böhme begeisterte sich für die Bernsteinketten und die Schmuckkästchen.
Wilfried Sauer führt durch die Bernstein-Ausstellung in der Energiefabrik Knappenrode. Sabine Böhme begeisterte sich für die Bernsteinketten und die Schmuckkästchen. FOTO: K. Demczenko/dcz1
Knappenrode. In der historischen Waschkaue der Energiefabrik Knappenrode ist noch bis Oktober 2017 die Sonderausstellung "Bernstein – Tränen der Götter" zu sehen. Sie wurde zusammen mit der Bezirksgruppe Ostsachsen des Vereins der Freunde der Mineralogie und Geologie (VFMG) vorbereitet. Katrin Demczenko / dcz1

Der stellvertretende Vereinsvorsitzende Wilfried Sauer führt in den Ferien durch die Schau. Dabei spricht er über die Herkunft des fossilen Baumharzes, dessen Gewinnung sowie Nutzung und stellt chemische Eigenschaften in kleinen Laborversuchen vor.

Bernstein entstand im Zeitraum von vor einer Million Jahren bis 360 Millionen Jahren. Die Voraussetzung dafür war, dass Harz verschiedener Nadel- und Laubbäume in Salzwasser tropfte.

Bernstein kommt heute weltweit in 80 Arten vor, die fast weiß, honiggelb, rot- und dunkelbraun aussehen, durchsichtig oder undurchsichtig sind, sagte der ehemalige Bergmann und Hobbymineraloge Wilfried Sauer.

Besonders schöne Stücke des trotz seines organischen Ursprungs als Mineral eingestuften weichen Materials werden zu Schmuck verarbeitet. Schon im Mittelalter gab es im Baltikum Bernsteinschnitzer, die ihre Anhänger und Figuren bis nach Afrika und China verkauften. In Tagebauen des Bitterfelder Reviers lag Bernstein unter dem Braunkohleflöz und wurde zur DDR-Zeit auch abgebaut, um Lack und Öl zur industriellen Nutzung zu gewinnen. Über der Braunkohleschicht in Lausitzer Tagebauen beziehungsweise auf Kippengeländen sind kleinere Bernsteine heute noch zu finden. "Wer sammeln möchte, muss sich bei den Betrieben anmelden", sagte Wilfried Sauer den leider nur drei Gästen seiner Führung. Vor einer Woche waren mehr Menschen, auch Familien mit Kindern da, erwähnt er in dem Zusammenhang.

Am Ostseestrand lohne sich die Bernsteinsuche nach Frühlingsstürmen, die den Meeresboden aufwühlen, denn das in Salzwasser schwimmende Mineral gelangt mit den Wellen ans Ufer. Diese Eigenschaft und die Brennbarkeit des Harzes zeigte Wilfried Sauer in kleinen Experimenten.

In der Waschkaue werden verschiedene Bernsteinarten gezeigt, wobei das größte Stück ein Kilogramm wiegt und vor einigen Jahrzehnten auf dem Gelände der heutigen Energiefabrik gefunden wurde. Besucherin Sabine Böhme aus Frauenstein in Sachsen begeisterte sich für von den Mitgliedern des Vereins der Freunde der Mineralogie und Geologie zum privaten Gebrauch gefertigte Bernsteinketten und für Schmuckkästchen, die mit dem besonderen Mineral beklebt sind.

Gast Norbert Heckel fand die in Harztropfen eingeschlossenen, viele Millionen Jahre alten Insekten interessant und die Baumharzgewinnung zur DDR-Zeit. Aufgehängte Stofffahnen informieren ebenfalls über Bernstein.

Zum Thema:
Die nächste Führung durch die Bernstein-Ausstellung ist am 6. August ab 10 Uhr. Am 12. des Monats ab 10 Uhr veranstaltet der VFMG im und am Kühlhaus IV seine 13. Mineralienbörse mit vielen Händlern aus Deutschland, Polen und Tschechien. Am 18. Oktober beginnt um 17 Uhr die neue Sonderausstellung "Verkieselte Hölzer", die gegenwärtig vorbereitet wird.