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| 18:25 Uhr

Kochkurs-Boom
Geselliges Speisen mit Aha-Effekt

Ilona Richert aus Bernsdorf sagt „mhh, lecker“ und will auch beim nächsten Kochkurs dabei sein.
Ilona Richert aus Bernsdorf sagt „mhh, lecker“ und will auch beim nächsten Kochkurs dabei sein. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Kochkurse sind im Trend – auch in Hoyerswerda. Auf der Kinder- und Jugendfarm war jetzt „Brutzel-Auftakt“. Von Anja Hummel

Ingwer passt hervorragend in den Tee. Das ist wohl den meisten bekannt. Aber brutzelnd in der Pfanne? Oder gar backend im Ofen? „Aber natürlich“, sagt Michael Schenker. Der gelernte Fleischer hält den Holzlöffel in der Hand, blickt in die Pfanne auf der Herdplatte vor sich und verrührt die groben Kürbis- und Kartoffelstückchen mit dem fein geschnippelten Ingwer. Ein wenig Frischkäse dazu und die üblichen Gewürze – und fertig ist die Mischung für den Kürbis-Kartoffel-Strudel mit Ingwer-Note.

Doch Michael Schenker steht nicht in seiner eigenen Küche. Ihn und seine Brutzelkünste beobachten mehr als 30 hungrige Augenpaare. Und die werden immer größer. Der Hauptgang ist gleich fertig.

Mit seinem „scharfen Wintermenü“ bildet der Chef des Hoyerswerdaer Ernährungs- und Kräuterzentrums  den Auftakt der diesjährigen Reihe „Clever und kreativ kochen“ auf der Kinder- und Jugendfarm. Jeden Monat soll es hier ab sofort ein Programm rund um das Thema Kochen und Ernährung geben. Buchweizen, Frühlingskräuter und Erdbeeren stehen unter anderem bei den nächsten Treffen auf der „Karte“.

Dass die Kochkurse wohl Erfolg versprechend zu sein scheinen, macht ein Blick in den Projektraum deutlich. „Eigentlich wären wir mit den Teilnehmern jetzt in der Küche“, sagt Projektmitarbeiterin Jacqueline Mietasch. „Aber es sind einfach zu viele Leute.“ Mehr als 30 Gäste wollen mehr über das Heilmittel Ingwer erfahren – und die Knolle vor allem auf der Zunge schmecken. Für ein gemeinsames Kochen sprengt die Masse den Rahmen. Im Vorjahr, sagt Jacqueline Mietasch, sei beim gemeinsamen Kochen nicht so viel los gewesen.

Einige Männer, aber eindeutig mehr Frauen, sitzen dicht an dicht an den Tischen im Projektraum der Kinder- und Jugendfarm. Nicht allzu weit hinten hat es sich Ilona Richert bequem gemacht. Gemeinsam mit ihrer „Kegelschwester“ ist sie hergekommen, erzählt die Bernsdorferin. Der Ingwer-Abend ist der erste Kochkurs, den sie besucht. „Ich komme mir vor wie in einer Küchenshow im Fernsehen“, schmunzelt sie. Gerne würde sie auch selber mitmachen. „Zu wenig Platz“, resigniert Ilona Richert.

Und so muss der ein oder andere den Hals recken, um den Kochanleitungen von Michael Schenker zu folgen. Gerade ist er dabei, den Strudel in dünne Scheiben zu schneiden. „Es gibt für jeden nur eine kleine Kostprobe“, sagt der Wittichenauer. Und tatsächlich – das Essen wird ein wenig knapp. Ilona Richert aber hat ihren gefüllten Teller sicher. Zuerst schnuppert sie am Essen, dann wandert der erste Happen in ihren Mund. Ein werbereifes „Mhhh“ ertönt. Ilona Richerts Daumen wandert in die Höhe. „Das ist nicht mehr zu toppen“, sagt sie und erntet damit zustimmendes Kopfnicken der anderen. „Man könnte durchaus auch noch Walnüsse hinzumischen“, schlägt eine Dame vor. „Oder Mandelsplitter“, sagt die Sitznachbarin. „Rosinen würden auch passen“, entgegnet Ilona Richert.

Doch nicht nur wegen des guten Essens und der neuen Rezepte sind die Teilnehmer gekommen. „Ich habe schon mit vielen geredet, einige kenne ich sogar“, freut sich Ilona Richert über das gemeinschaftliche Beisammensein. Die gelernte Altenpflegerin lernt gerne neue Leute kennen. Und Ingwer mag sie auch noch.

„Die Knolle ist zur Heilpflanze 2018 gewählt worden“, erzählt Michael Schenker, der sich aus diesem Grund für die Ingwer-Gerichte entschieden hat. Zum Nachtisch kredenzt er warmes Apfelkompott. Auch hier ist ihm das Lob von allen Seiten sicher. Doch lauscht man zwischen den Reihen, fallen hier und da die Wörtchen „Eierlikör“ und „Vanilleeis“. Aber verfeinert werden darf dann zu Hause.

Warum die Kochkurse immer mehr Anklang finden? „Weil wir regionale und saisonale Produkte nutzen und immer wieder etwas Neues zeigen“, ist sich Schenker sicher. So wie das Ingwer-Menü, sagt der 43-Jährige, das nun mal nicht jeder aus dem Stegreif in seiner Küche hinbekommen würde. Doch dass Ingwer auch längst nicht nur in die Küche gehört, weiß Ilona Richert. „Die Knolle passt auch hervorragend aufs geschundene Knie“, verrät die Bernsdorferin ihren ganz persönlichen Heilmittel-Trick gegen fiese Gelenkschmerzen.

Alle warten auf die Kostprobe vom Kürbis-Kartoffel-Strudel mit Ingwer: Auftakt der Reihe „Clever und kreativ kochen“ mit Michael Schenker.
Alle warten auf die Kostprobe vom Kürbis-Kartoffel-Strudel mit Ingwer: Auftakt der Reihe „Clever und kreativ kochen“ mit Michael Schenker. FOTO: Anja Hummel / LR
Michael Schenker brät die Strudelfüllung aus Kürbis und Kartoffeln an.
Michael Schenker brät die Strudelfüllung aus Kürbis und Kartoffeln an. FOTO: Anja Hummel / LR