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Geschätzt als wahrer Seelsorger

Noch immer bereitet Pfarrer Paul Christoph die Messen in seiner geliebten Sakristei in der St. Josephkirche Bernsdorf vor.
Noch immer bereitet Pfarrer Paul Christoph die Messen in seiner geliebten Sakristei in der St. Josephkirche Bernsdorf vor. FOTO: H. Hirschfeld/hir1
Bernsdorf. Der fast 85-jährige Paul Christoph hat vor Kurzem sein 60. Priesterjubiläum begangen. Heinz Hirschfeld / hir1

Seit 45 Jahren ist er der katholische Pfarrer in Bernsdorf. In seiner Gemeinde wird voller liebevoller Achtung von einem wahren Seelsorger gesprochen, der den Kontakt zu seinen "Schäfchen" braucht, um ganz einfach für sie da zu sein und ihnen bei ihren Problemen helfend zur Seite zu stehen.

Die 73-jährige Margarete Kluge erzählt, dass sie sich 1975 in Bernsdorf niederließ. "Noch im gleichen Jahr traute mich unser Pfarrer Paul Christoph mit meinem Hans-Dieter." Es dauerte nicht lange, da ließ das Ehepaar Kluge seinen ersten Sohn Martin von Paul Christoph taufen.

Aufgrund einer Krankheit der Stimmbänder kann er heutzutage nicht mehr predigen. Er wurde durch die Wittichenauer Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, zu der auch die Bernsdorfer Christen gehören, vor etwa zwei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. Doch eins ließ er sich nicht nehmen: Die Messen wochentags in seiner geliebten Sakristei feiert er nach wie vor. Da predigt er nicht vor mehr als 100 Gottesdienstteilnehmern. Da die Sakristei viel kleiner ist, braucht er seine Stimme nicht so sehr anzustrengen.

Diese Messen haben für ihn den tollen Nebeneffekt, den er auch jetzt noch oder gerade jetzt braucht. Durch sie verliert er nicht den Kontakt zur Pfarrgemeinde.

Paul Christoph wurde am 27. Dezember 1932 im schlesischen Walt dorf geboren. In seiner Familie mit den drei Söhnen wurde er scherzhaft "Christkind" genannt. Der Wunsch Priester zu werden, kristallisierte sich in seiner Abiturientenzeit in Doberlug-Kirchhain heraus. Da er ein starkes Rechtsbewusstsein besaß, war ihm jede Art von Diktatur zuwider, einschließlich der "Diktatur des Proletariats". Sein damaliger Pfarrer Stephan Wagner hat ihn auf dem Weg zum Priester begleitet und gefördert. So war er stets ein zuverlässiger Ministrant. Mit Gründung eines Priesterseminars in Erfurt - es war das erste in der DDR - nahm Paul Christoph mit 18 Jahren dort ein sechsjähriges Priesterstudium auf. 1957 erfolgte in Neuzelle seine Priesterweihe. Danach war seine erste Pfarrstelle in Beeskow. Da hatte er 50 Dörfer zu betreuen. Er war viel mit seinem Dienstmoped, dem "Hühnerschreck", unterwegs. Nach diesen drei Jahren folgten Pfarrstellen in Lübben, Klettwitz, Crinitz und 1972 Bernsdorf. Schnell wuchsen ihm die Menschen in der Pfarrgemeinde ans Herz. Vor allem verstand er es, die Jugend an sich zu binden. So waren in der ersten Zeit immer mehr als 20 Personen in der Pfarrjugend. Mit ihnen ist er viel gewandert, hat mit ihnen gesungen und so eine gute Gemeinschaft geformt.