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Genuss-Doppelpack setzt auf süße Sachen

Bröthen/Bernsdorf. Monique und Dirk van Nuland sind dabei, sich als Quereinsteiger mit Café und Eis in Hoyerswerda und Bernsdorf einen Namen zu machen. Sascha Klein

Das Hofcafé in Bröthen ist eigentlich gar nicht zu verfehlen - dank des neuen großen Schildes an der Straße. Klappern gehört zum Handwerk. Die großen Blumen, das fröhliche Ambiente - das passt zu Monique van Nuland. Die 46-Jährige aus Straßgräbchen hat das kleine Hofcafé im Hoyerswerdaer Ortsteil vor rund einem Jahr übernommen. Wer das Hoftor aufstößt, fühlt sich gleich ein wenig in einer anderen Welt - in einer ruhigeren. Es ist leicht, sich schnell wohlzufühlen.

Inzwischen fühlt sich Monique van Nuland dort angekommen. Zu den Nachbarn hat sie einen guten Draht, die Arbeit macht ihr Spaß. Sie will ihre Gäste mit dem heimeligen Ambiente begeistern. Das Besondere: Bis die zweifache Mutter ihr Café eröffnet hat, hat sie kaum gebacken. Dabei stammt sie aus einer Familie, in der Kuchen seit Generationen einen großen Stellenwert haben.

Nur rund zehn Autominuten entfernt steht Dirk van Nuland an seinem Eiswagen und zapft zehn Portionen Softeis hintereinander. Heute am Start: Mango-Vanille. Welche Sorten der 45-Jährige dort direkt neben dem OI-Glaswerk nahe des Bernsdorfer Zentrums verkauft, haben großteils auch seine Gäste bestimmt. "Ich habe über Facebook abstimmen lassen, welche Sorten meine Kunden wollen." Eine Einschränkung gibt es: Vanille und Schoko sind immer dabei. Weil Schoko-Vanille immer gefragt ist. Dabei ist die Eismaschine in seinem mobilen Eiswagen eine Diva. "Sie war eigentlich schon ausrangiert. Ich habe sie in Berlin gekauft und wieder in Schuss gebracht", sagt Dirk van Nuland. Das Besondere: Beim Instandsetzen ist herausgekommen, dass dort schon 1,6 Millionen Portionen Eis durchgeflossen sind. Beim Ausprobieren hat sich das Divenhafte des Geräts gezeigt: Van Nuland hat gut 300 Probe-Eis gebraucht, bis er den perfekten Dreh heraushatte, die Eisfackel zu zapfen. Inzwischen hat er zwei Eiswagen - einen am Deutschen Haus in Bernsdorf und seit vier Wochen seinen neuen, mit dem er unterwegs ist. In den zurückliegenden Wochen ist der Jungunternehmer sogar noch indirekt in die Politik eingestiegen. Seine Idee: Er holt die Bundestags-Kandidaten aus der Region an seinen Stand und bietet den Gästen die Chance, die Damen und Herren von den Plakaten persönlich kennenzulernen. Die Resonanz, sagt Dirk van Nuland, war mäßig. Eis ist offenbar viel beliebter als Politiker.

Was Monique und Dirk van Nuland eint, neben ihrem Hof in Straßgräbchen und zwei gemeinsamen Kindern im Teenageralter: Die Eheleute sind absolute Quereinsteiger in die Lausitzer Gastronomie - und absolute Enthusiasten. Der 45-Jährige ist eigentlich Leiter Kundenservice eines Mittelständlers aus der Region. Die Aufgabe: Antragsbearbeitung und Telefonieleistungen. Doch irgendwann hatte Dirk van Nuland genug vom dau ernden Reisen und von der Büroarbeit. Er hat Anzug gegen Eisschürze getauscht - wenn auch noch nicht komplett. Zu einem Viertel arbeitet er im alten Job. So viel gibt das Eisgeschäft noch nicht her, um davon leben zu können. Aber er ist auf dem Weg. Neben dem festen Stand in Bernsdorf steht er mit seiner "EisBar 97" regelmäßig vor den Kaufland-Filialen in Kamenz und in Senftenberg. Das war eine Ochsentour. Von 50 Anfragen drei Zusagen: Eis verkaufen ist harte Arbeit. Auch bei Dorffesten und anderen privaten Feten möchte er einen Fuß in die Tür bekommen.

Dabei wollte Dirk van Nuland das Eisgeschäft zuerst für seine Frau aufbauen. Die hatte zunächst in Bernsdorf im Deutschen Haus ein Kaffeeangebot etablieren wollen. Dabei stellte sich heraus: Am besten läuft Softeis. Die Idee war geboren. Doch zwischenzeitlich hat Monique van Nuland, gelernte Hotelfachfrau, sich den Traum vom eigenen Café verwirklicht. Beim Hofcafé in Bröthen hat sie zugegriffen. Jetzt ist sie dort ihr eigener Chef.

Das Backen liegt ihr offensichtlich im Blut - obwohl ihr die Geheimrezepte der backkundigen Verwandtschaft aus dem Elbe-Elster-Kreis fehlen. Mit viel Kreativität und der Suche nach den passenden Zutaten zaubert sie inzwischen regelmäßig Torten. Unter den Gästen sind offenbar auch Spione: "Letztens hat mich ein Mann immer wieder gefragt, wie ich die Torten mache und was ich als Füllung nehme. Der wollte alles wissen. Schließlich stellte sich heraus: Der Mann ist Bäcker." Doch an Monique van Nulands Kniffe kommt so schnell niemand heran: "Ich habe meine Rezepte alle im Kopf. Ich habe keines davon irgendwo aufgeschrieben", sagt sie.